Daniela hat geschrieben:Ich habe heute mit "Hundert Jahre Einsamkeit" begonnen. Ich wußte nicht mehr genau, ob ich dieses Buch nun zu meiner Schulzeit mal gelesen hatte, oder eher nicht - ich konnte mich einfach an den Inhalt nicht mehr erinnern.
Daniela hat geschrieben: wenn dir dieser magische Realismus erstmal etwas zu schaffen macht, dann versuch doch einmal ein anderes Buch von Marquez. Ich persönlich bin ja absolut begeistert von der "Chronik eines angekündigten Todes.
Bertram hat geschrieben:Von Vargas Llosa war ich allerdings begeistert. Aber ich weiß nicht ob er zu den phantastischen Realisten zählt.
Daniela hat geschrieben:*lach*... deine Wortschöpfung gefällt mir (sorry, daß ich jetzt erst antworte, aber ich bin so im Rätselfieber *ggg*)
Daniela hat geschrieben: Von Vargas Llosa habe ich bislang nur "Lob der Stiefmutter" gelesen.
>Du kannst meinen Geschmack doch ein wenig beurteilen: was denkst du denn, was mir von ihm gefallen würde, kannst du etwas empfehlen?
"Die Jahre von heute sind nicht mehr wie die von einst, pflegte sie zu sagen im Gefühl, die Alltagswirklichkeit entgleite ihren Händen. Früher - so dachte sie - wuchsen die Kinder sehr langsam heran. Sie brauchte nur an all die Zeit zu denken, die notwendig gewesen war, damit José Arcadio, der älteste, mit den Zigeunern fortzog, und an all das, was geschehen mußte, bevor er wie eine Kreuzotter bemalt zurückkehrte und wie ein Astonom redete, und an die Dinge, die im Haus geschahen, bevor Amaranta und Arcadio die Sprache der Indios vergaßen und Spanisch lernten. (S. 280)
Er hätte nie gedacht, daß die Literatur das beste Spielzeug sei, das je erfunden worden war, damit man sich über die Leute lustig machen konnte, ... (S.436)
... bis er schließlich allen empfahl, Macondo zu verlassen und alles zu vergessen, was er sie von der Welt und vom menschlichen Herzen gelehrt hatte, auf Horaz zu scheißen, immer und überall daran zu denken, daß die Vergangenheit Lüge sei, daß das Gedächtnis keinen Rückweg kenne, daß jeder alte Frühling unwiderbringlich sei und die wahnsinnigste hartnäckigste Liebe auf jeden Fall eine vergängliche Wahrheit. (S. 452).
>Du kannst meinen Geschmack doch ein wenig beurteilen: was denkst du denn, was mir von ihm gefallen würde, kannst du etwas empfehlen?
leider kann ich deinen geschmack nicht beurteilen *g* aber ich hätte doch einen tip für dich:
Tante Julia und der Kunstschreiber.
das ist das buch von llosa das mir mit abstand am besten gefallen hat und wenn du "hundert jahre einsamkeit" magst, dann vielleicht auch dieses. wenn du dich allgemein für "phantasische realisten" interessierst, lege ich dir noch einen anderen ans herz oder in die hand: boris vian! der ist zwar was ganz anderes als marquez und llosa und doch: der schaum der tage - das reine (lese-)vergnügen.
gruss frank
nun deinen geschmack kenne ich nicht, aber dafür "tante julia und der kunstschreiber" das buch ist mein favourit von llosa, andere bücher die ich von ihm gelesen habe habe ich teilweise wieder weggelegt - zugegeben, aber ich vermute mal dass dir dies mit tante julia nicht passieren wird.
gruss
frank
>Gut, dass du mir Llosa wieder in Erinnerung rufst, ich könnte doch wirklich wieder einmal etwas von ihm lesen. Das neue Buch von ihm ist mir kein Begriff.
>Ich beneide dich ja wirklich, wenn ich höre, wer so alles in Berlin aus seinen Werken liest. Losa, Grass, deWinter. Die schauen doch eher seltener in meiner Ecke vorbei. Vielleicht kannst du mich von einem nächsten derartigen Ereignis informieren (das wäre wieder einmal ein Grund, eine Berlinreise ins Auge zu fassen
>Unsere Literaturgruppe gibt es noch, die Mitgliederzahl schwankt um einen - sehr verlässlichen - Kern von ca. fünf Personen, einige sind "beurlaubt". In letzter Zeit hatten wir ein eher gemütliches Programm (als quasi Lockangebot für die Passiven): 30 Seiten "Leonce und Lena" mit anschließendem Theaterbesuch, bzw. beim nächsten Treffen lesen wir garn nichts vorher, sondern hören uns von der CD Gedichte von H. C. Artmann an.
>Ich habe mich von dir zur Lektüre von "Garp und wie er die Welt sah" anregen lassen - mein erster Irving. Und ich bin nahezu so begeistert wie du. Er hat wirklich irre Einfälle - trotzdem ist es kein Klamauk - hinter allem steckt ein tiefer Ernst, allerdings geschickt getarnt.
>Damit's nicht mein letzter bleibt: Was kannst du mir von ihm als nächstes empfehlen?
Als nächstes würde ich dir ein völlig anderes Buch empfehlen *g*... im Ernst, bei diesem Autor lohnt es sich, längere Pausen zwischen den einzelnen Büchern einzuschieben, man ist (vor allem nach diesen dicken Happen) sonst schon mal übersättigt.
>Im Moment lese ich die Autobiographie von Reich-Ranicki. Ich teile zwar fast alles, was du über Mängel dieses Buches sagst - aber: Ich fand es außerordentlich spannend, konnte mich streckenweise kaum losreißen, vor allem seine Zeit im Getto. Was seine Sprache anbelangt, finde ich es angenehm, dass er gar nicht so tut, als wäre sie besonders kunstvoll. So finde ich seinen einfachen Stil angenehm unaufdringlich.
Wie weit bist du denn bislang mit dem Buch gekommen? Die erste Hälfte fand ich nämlich auch noch um Klassen besser als dann den Rest - der mir vor allem auch ein wenig lang geriet!
Zurück zu Literaturgespräche – Leseerlebnisse, Austausch und Rezensionen
Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot], MSN [Bot], Yahoo [Bot] und 6 Gäste