Hundert Jahre Einsamkeit - Marquez

Hier ist Raum für alles rund um Bücher: Eindrücke nach dem Lesen, Rezensionen, Fragen, Austausch...

Hundert Jahre Einsamkeit - Marquez

Beitragvon Daniela » 08.11.1999, 01:12

So, nun mein nächstes Buch für die Lesegruppe *g*
Ich habe heute mit "Hundert Jahre Einsamkeit" begonnen. Ich wußte nicht mehr genau, ob ich dieses Buch nun zu meiner Schulzeit mal gelesen hatte, oder eher nicht - ich konnte mich einfach an den Inhalt nicht mehr erinnern.
Aber nun, da der älteste Sohn mit den Zigeunern weg ist, bin ich mir sicher: ja, ich habe schon mal.
Und ich hatte eigentlich von meiner allgemeinen Marquez-Erfahrung noch im Hinterkopf, daß ich ganz schön lange an seinen Büchern gelesen habe, nun jedoch sehr rasch vorankomme.
Was soll ich sagen? Es gefällt mir sehr gut, es ist amüsant, es ist fremd, aber ich weiß noch nicht, was ich drüber erzählen sollte.
Daniela

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Hundert Jahre Einsamkeit

Beitragvon Bertram » 08.11.1999, 08:16

Daniela hat geschrieben:Ich habe heute mit "Hundert Jahre Einsamkeit" begonnen. Ich wußte nicht mehr genau, ob ich dieses Buch nun zu meiner Schulzeit mal gelesen hatte, oder eher nicht - ich konnte mich einfach an den Inhalt nicht mehr erinnern.


Hallo Daniela!

Bei mir ist es einige Jahre her, dass ich "Hundert Jahre Einsamkeit" versucht habe zu lesen. Ich kann mich kaum mehr daran erinnern, ich weiß nur, daß ich es irgendwann einmal zur Seite legte, weil es mich langweilte. Ich tu mir schwer bei phantastischen Büchern, wenn ich das Gefühl habe, alles ist möglich, jeder Einfall gilt. Wenn ich kein stimmiges Konzept hinter den Zeilen entdecke, kriegt es so etwas Beliebiges.
Ich aber doch überzeugt, dass in diesem Buch ein stimmiges Konzept steckt. Seit es vor einiger Zeit beim literarischen Quartett besprochen wurde, und sich alle einig waren über die hervorragende Qualität des Romans, trage ich mich mit dem Gedanken, es doch noch mal anzugehen.
Bin gespannt, wie es dir weiterhin mit der Lektüre geht.

Liebe Grüße
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Marquez im Allgemeinen....

Beitragvon Daniela » 09.11.1999, 01:20

Lieber Bertram,
wenn dir dieser magische Realismus erstmal etwas zu schaffen macht, dann versuch doch einmal ein anderes Buch von Marquez. Ich persönlich bin ja absolut begeistert von der "Chronik eines angekündigten Todes". Ein dünnes Buch, aber was für eine Wirkung.... gehört zu denen, die ich mal wieder lesen muß *g*
Liebe Grüße,
Daniela
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Marquez im Allgemeinen....

Beitragvon Bertram » 09.11.1999, 11:26

Liebe Daniela!

Daniela hat geschrieben: wenn dir dieser magische Realismus erstmal etwas zu schaffen macht, dann versuch doch einmal ein anderes Buch von Marquez. Ich persönlich bin ja absolut begeistert von der "Chronik eines angekündigten Todes.


Ja, das war das erste Buch von ihm, das ich gelesen hatte und ich stimme voll mit dir überein - obwohl es schon ziemlich lange her ist.
Außerdem kenne ich noch eines, dessen Titel mir entfallen ist, irgendetwas mit "Der General, der ...." ein schmales Buch mit langem Titel.
War auch ganz nett.
Ich habe also nicht grundsätzlich etwas gegen Marquez.
Aber der magische Realismus - mag sein, da muss ich den Zugang erst noch finden.
Wobei ich den Ansatz immer toll finde, ich freue mich auf diese Bücher, aber irgendwann werden sie fad, irgendwann stellt sich das Gefühl von Beliebigkeit ein, und dann kann ich nicht mehr mit.
Das ging mir auch mit Allende so und - eingeschränkt - mit der Letzten Welt von Ransmayr.
Von Vargas Llosa war ich allerdings begeistert. Aber ich weiß nicht ob er zu den phantastischen Realisten zählt.
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Marquez im Allgemeinen..Korrektur

Beitragvon Bertram » 09.11.1999, 11:29

Bertram hat geschrieben:Von Vargas Llosa war ich allerdings begeistert. Aber ich weiß nicht ob er zu den phantastischen Realisten zählt.


zu den magischen Realisten muß es wohl heißen.
Da bin ich ein wenig in die Kunstgeschichte abgerutscht.
(Aber vielleicht kann man das auch wirklich miteinander vergleichen.)
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 09:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Vargas Llosa...

Beitragvon Daniela » 10.11.1999, 22:02

*lach*... deine Wortschöpfung gefällt mir

Von Vargas Llosa habe ich bislang nur "Lob der Stiefmutter" gelesen.
Du kannst meinen Geschmack doch ein wenig beurteilen: was denkst du denn, was mir von ihm gefallen würde, kannst du etwas empfehlen?
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Vargas Llosa...

Beitragvon Bertram » 15.11.1999, 22:04

Hallo Daniela
Daniela hat geschrieben:*lach*... deine Wortschöpfung gefällt mir (sorry, daß ich jetzt erst antworte, aber ich bin so im Rätselfieber *ggg*)


Tja, das geht uns allen so!
Obwohl mir dabei ja nur immer wieder vor Augen geführt wird, daß ich nicht so besonders belesen bin.

Daniela hat geschrieben: Von Vargas Llosa habe ich bislang nur "Lob der Stiefmutter" gelesen.
>Du kannst meinen Geschmack doch ein wenig beurteilen: was denkst du denn, was mir von ihm gefallen würde, kannst du etwas empfehlen?


Da habe ich wohl den falschen Eindruck erweckt, als wäre ich DER Llosa-Kenner des deutschen Sprachraums. Tatsächlich habe ich auch nur "Das grüne Haus" gelesen. Das ist eines der wenigen Bücher, die ich irgendwann ein zweites Mal lesen möchte. Ich glaube nämlich daß ich beim ersten Mal höchstens zwei Drittel mitbekommen habe. Trotzdem war es seht spannen und vom Aufbau her faszinierend.
Llosa verwickelt die Handlungsstränge derart kunstvoll, bis dahin, daß er jeweils mitten im Satz in eine gänzlich andere Szene hüpft. Das Interessante ist, dass man am Schluß des Buches nicht verwirrt zurückbleibt, sondern mit dem Gefühl, etwas verstanden zu haben, auch wenn man die einzelnen Wege nicht mehr zurückverfolgen kann. Es hat mich sehr an persönliche Erfahrungen von Südamerika erinnert - nicht vom Inhalt her. Aber dort stürzten am Anfang auch so viele unterschiedliche Eindrücke auf mich ein, und es war nicht möglich und nicht nötig jedes einzelne zu verstehen, aber mit der Zeit lichten sich die Nebel und man versteht manches besser - aber nicht unbedingt vom Kopf her - es passt rein gefühlsmäßig.
War das jetzt eine Empfehlung?
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 09:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Vargas Llosa...

Beitragvon Daniela » 17.11.1999, 01:37


Lieber Bertram - ja, es war eine Empfehlung!
Himmel, wann soll ich das denn alles lesen...
ich stand gestern in der Buchhandlung, und habe - obwohl ich ja nun wirklich über die Neuerscheinungen informiert bin - wieder massive Rückfallerscheinungen gehabt und eingekauft...
Allerdings konnte ich bei Llosa noch standhaft bleiben. Noch. Allerdings würde er sich wunderbar eignen, um mal wieder ALLES VON EINEM AUTOR
zu lesen.
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Immer noch: Hundert Jahre Einsamkeit - Marquez

Beitragvon Daniela » 17.11.1999, 15:32

Ich bin immer noch nicht fertig mit diesem Buch.
Dabei war in der Zwischenzeit schon die Besprechung in der Gruppe, und ich mag es eigentlich nicht, ein Buch dann nicht bis zum Ende gelesen zu haben.

Allerdings habe ich mir vor der Besprechung mal angesehen, was denn Kindlers neues Literaturlexikon dazu zu sagen hat.

Wenn Interesse besteht, kann ich ja mal Teile daraus hier hereinstellen

Vor allem der zyklische Aufbau wurde sehr hervorgehoben, und wurde von einem der Mit-Leser festgestellt; daß alle wieder bei ihrem Ausgangspunkt landen.

An diesem Donnerstag steckte ich gerade in der Szene fest, als die Zwillingsbrüder, die beiden Segundos, mit derselben Frau zu tun hatten. Und ich habe diese paar Seiten wieder und wieder gelesen, um dann festzustellen: es ist tatsächlich so, sie vertauschen ihre Identität mehrmals.

Nachdem nun so viele Kleinigkeiten bei unserem Gespräch erwähnt wurden, fallen mir diese noch viel mehr ins Auge. Unglaublich, wieviel Humor in diesem Buch steckt! Ich bin begeistert.
Gestern abend bin ich an der Stelle gelandet, als der alte General endlich stirbt.
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Vargas Llosa...

Beitragvon Bertram » 18.11.1999, 09:16

Hallo Daniela!
Ich bin gerade (bei der Suche nach eines Rätsels Lösung :-) )
auf ein Interview mit Llosa gestoßen. Ich hab's erst überflogen, klingt aber ganz interessant.
Hier:
http://www.oeko-net.de/kommune/kommune7-98/zzllosa7.htm
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 09:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Einsam bis zum Schluß

Beitragvon Daniela » 19.11.1999, 00:09

Hurra! Beendet!
In den letzten Tagen wirklich nicht die innere Ruhe vorgefunden, die nötig ist, um dieses Buch zu lesen - aber heute abend, ein schöner ruhiger Abend mit Musik, ohne Telefon, dafür mit Hundert Jahren.

Unglaublich, wie man eine solche Fülle von Details ersinnen kann. Ich frage mich ernsthaft, wie der Autor hier den Überblick bewahren konnte! Ich, als Leser, konnte es nicht. Sicher, das war auch Absicht - vor allem bei den schon erwähnten Zwillingen. Diese werden übrigens nach ihrem Tod nochmals verwechselt und in den falschen Gräbern bestattet.

Eigentlich wollte ich sofort noch eine Zusammenfassung darüber schreiben, aber ich glaube, ich muß erst noch ein bißchen auf Abstand gehen.

Ein paar besonders schöne Stellen hier noch kurz:

"Die Jahre von heute sind nicht mehr wie die von einst, pflegte sie zu sagen im Gefühl, die Alltagswirklichkeit entgleite ihren Händen. Früher - so dachte sie - wuchsen die Kinder sehr langsam heran. Sie brauchte nur an all die Zeit zu denken, die notwendig gewesen war, damit José Arcadio, der älteste, mit den Zigeunern fortzog, und an all das, was geschehen mußte, bevor er wie eine Kreuzotter bemalt zurückkehrte und wie ein Astonom redete, und an die Dinge, die im Haus geschahen, bevor Amaranta und Arcadio die Sprache der Indios vergaßen und Spanisch lernten. (S. 280)

Er hätte nie gedacht, daß die Literatur das beste Spielzeug sei, das je erfunden worden war, damit man sich über die Leute lustig machen konnte, ... (S.436)

... bis er schließlich allen empfahl, Macondo zu verlassen und alles zu vergessen, was er sie von der Welt und vom menschlichen Herzen gelehrt hatte, auf Horaz zu scheißen, immer und überall daran zu denken, daß die Vergangenheit Lüge sei, daß das Gedächtnis keinen Rückweg kenne, daß jeder alte Frühling unwiderbringlich sei und die wahnsinnigste hartnäckigste Liebe auf jeden Fall eine vergängliche Wahrheit. (S. 452).


Die restlichen Stellen, die ich mir angemerkt habe, sind aus dem Zusammenhang gerissen völlig wirkungslos.
Ich hatte mir nicht mehr gedacht, daß dieses Buch so voller Humor stecken würde! Ich bin immer noch völlig begeistert von vielen vielen kleinen Szenen wie der, als Aureliano Segundo (einer der Zwillinge) seiner schimpfenden, keifenden Frau länger als einen Tag geduldig schweigend zuhört, bis er sie bei einem Fehler ertappt, um dann erstmals zu unterbrechen...

Mit der Deutung dieses Buches, seiner unzähligen Anspielungen, wäre man sehr lange beschäftigt; das heißt, es gibt ja genügend Menschen, die sich damit auch sehr lange und eingehend beschäftigt haben, wenn man sich ansieht, was es alles an Sekundärliteratur dazu gibt.

Ich, als "Nur-Leser" kann nur sagen, daß ich die kurze Zusammenfassung im Kindler in diesem Fall als Unterstützung empfunden habe, weil es mir leichter gefallen ist, Zusammenhänge zu erkennen, die hier bereits aufgezeigt wurden. So wiederholt sich alles zyklisch; So wie Ursula in dem zitierten Textausschnitt bemerkt, die Zeit würde nun anders verlaufen, so empfand ich es auch beim Lesen; Ein Beginn mit wenigen Personen, die sich immer stärker vermehren, die Ereignisse überstürzen sich, werden immer undurchdringlicher (wie auch die Geschichte Macondos sich entwickelt) - und zum Schluß hin leben nur noch 2 Buéndias in Macondo, ihre Geschichte hat wieder Muße, in beschaulicherem Tempo erzählt zu werden.
Es war wieder ein Genuß!
Daniela
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Vargas Llosa...

Beitragvon Frank » 01.12.1999, 12:54


hi daniela


>Du kannst meinen Geschmack doch ein wenig beurteilen: was denkst du denn, was mir von ihm gefallen würde, kannst du etwas empfehlen?


leider kann ich deinen geschmack nicht beurteilen *g* aber ich hätte doch einen tip für dich:
Tante Julia und der Kunstschreiber.


das ist das buch von llosa das mir mit abstand am besten gefallen hat und wenn du "hundert jahre einsamkeit" magst, dann vielleicht auch dieses. wenn du dich allgemein für "phantasische realisten" interessierst, lege ich dir noch einen anderen ans herz oder in die hand: boris vian! der ist zwar was ganz anderes als marquez und llosa und doch: der schaum der tage - das reine (lese-)vergnügen.


gruss frank

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Vargas Llosa... ein tipp

Beitragvon Frank » 01.12.1999, 13:00


hi daniela!

>Du kannst meinen Geschmack doch ein wenig beurteilen: was denkst du denn, was mir von ihm gefallen würde, kannst du etwas empfehlen?


nun deinen geschmack kenne ich nicht, aber dafür "tante julia und der kunstschreiber" das buch ist mein favourit von llosa, andere bücher die ich von ihm gelesen habe habe ich teilweise wieder weggelegt - zugegeben, aber ich vermute mal dass dir dies mit tante julia nicht passieren wird.


gruss
frank

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Vargas Llosa... - an Bertram ;-)

Beitragvon Daniela » 01.05.2001, 19:03

Hallo Bertram ;-)
(ich hoffe doch, du liest hier immer noch sporadisch mit...)
ich konnte mich ja doch noch erinnern, dass es vor langer,langer Zeit hier schon mal eine Empfehlung zu Vargas Llosa gab ;-)
Ich habe gerade meinen zweiten Roman von ihm gelesen - "Tante Julia und der Kunstschreiber". Viel stärker noch als bei "Lob der Stiefmutter" hat mich die Phantasie und Sprachgewalt dieses Autors gefesselt - nicht zu vergessen sein Sinn für Humor, den er einigen seiner Protagonisten so völlig vorenthält.
Jedenfalls steht mittlerweile auch "Das grüne Haus", von dir ja empfohlen, auf meinem Wunschzettel.
Kennst du schon das neue Buch von ihm, "Das Fest des Ziegenbocks"? Ich leider noch nicht, werde auch noch auf die Taschenbuchausgabe warten. Aber, und darauf freue ich mich wirklich schon, in zwei Wochen wird Vargas Llosa hier in Berlin aus diesem Roman vorlesen, vorgestellt wohl von Sigrid Löffler. Ich hoffe, ich krieg noch Karten!
Liebe Grüße, bis bald mal wieder!
Daniela
PS: gibt es eure Lesegruppe noch? Was lest ihr gerade?
Daniela

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Vargas Llosa, Irving, Ranicki ...

Beitragvon Bertram » 01.05.2001, 23:12

Hallo Daniela!
Hier ist der Beweis: Ich lese hier noch mit - und nicht nur sporadisch (allerdings auch nicht [mehr] täglich).
Es freut mich außerordentlich dass du dich wieder einmal an mich erinnerst (und es ist ja auch wirklich traurig genug, dass ich eine persönliche Aufforderung brauche, bis ich hier doch wieder schriftliche Spuren hinterlasse).
Gut, dass du mir Llosa wieder in Erinnerung rufst, ich könnte doch wirklich wieder einmal etwas von ihm lesen. Das neue Buch von ihm ist mir kein Begriff.
Ich beneide dich ja wirklich, wenn ich höre, wer so alles in Berlin aus seinen Werken liest. Losa, Grass, deWinter. Die schauen doch eher seltener in meiner Ecke vorbei. Vielleicht kannst du mich von einem nächsten derartigen Ereignis informieren (das wäre wieder einmal ein Grund, eine Berlinreise ins Auge zu fassen ;-)
Unsere Literaturgruppe gibt es noch, die Mitgliederzahl schwankt um einen - sehr verlässlichen - Kern von ca. fünf Personen, einige sind "beurlaubt". In letzter Zeit hatten wir ein eher gemütliches Programm (als quasi Lockangebot für die Passiven): 30 Seiten "Leonce und Lena" mit anschließendem Theaterbesuch, bzw. beim nächsten Treffen lesen wir garn nichts vorher, sondern hören uns von der CD Gedichte von H. C. Artmann an.
Ich habe mich von dir zur Lektüre von "Garp und wie er die Welt sah" anregen lassen - mein erster Irving. Und ich bin nahezu so begeistert wie du. Er hat wirklich irre Einfälle - trotzdem ist es kein Klamauk - hinter allem steckt ein tiefer Ernst, allerdings geschickt getarnt.
Damit's nicht mein letzter bleibt: Was kannst du mir von ihm als nächstes empfehlen?
Im Moment lese ich die Autobiographie von Reich-Ranicki. Ich teile zwar fast alles, was du über Mängel dieses Buches sagst - aber: Ich fand es außerordentlich spannend, konnte mich streckenweise kaum losreißen, vor allem seine Zeit im Getto. Was seine Sprache anbelangt, finde ich es angenehm, dass er gar nicht so tut, als wäre sie besonders kunstvoll. So finde ich seinen einfachen Stil angenehm unaufdringlich.

Liebe Grüße
bertram
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 08:29, insgesamt 1-mal geändert.
Bertram

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Vargas Llosa, Irving, Ranicki ...

Beitragvon Daniela » 02.05.2001, 01:50

Hallo Bertram!
Das freut mich ja: Lebenszeichen, und noch dazu so ausführlich ;-)
(und das, obwohl ich nachgewiesenermaßen so unendlich mailfaul bin.... sorry!)
>Gut, dass du mir Llosa wieder in Erinnerung rufst, ich könnte doch wirklich wieder einmal etwas von ihm lesen. Das neue Buch von ihm ist mir kein Begriff.


Ich hab auch noch nicht mal eine Inhaltsangabe davon oder Ähnliches gelesen; aber bei der Lesung werde ich ja vielleicht doch mal einen kleinen Einblick bekommen. Und es gibt ja nun wirklich genug "alte" Bücher von ihm, die man noch lesen könnte....

>Ich beneide dich ja wirklich, wenn ich höre, wer so alles in Berlin aus seinen Werken liest. Losa, Grass, deWinter. Die schauen doch eher seltener in meiner Ecke vorbei. Vielleicht kannst du mich von einem nächsten derartigen Ereignis informieren (das wäre wieder einmal ein Grund, eine Berlinreise ins Auge zu fassen ;-)


Ja, das kann ich gerne machen - von den Diogenes-Autoren zumindest weiß man es ja doch immer schon relativ früh, den Rest der Informationen gibts meistens aus den zweiwöchentlich erscheinenden Stadtzeitungen. Aber Kurzfristigkeit ist für Berlin-Reisen ja nun nicht das eigentliche Problem, nicht wahr? ;-))
>Unsere Literaturgruppe gibt es noch, die Mitgliederzahl schwankt um einen - sehr verlässlichen - Kern von ca. fünf Personen, einige sind "beurlaubt". In letzter Zeit hatten wir ein eher gemütliches Programm (als quasi Lockangebot für die Passiven): 30 Seiten "Leonce und Lena" mit anschließendem Theaterbesuch, bzw. beim nächsten Treffen lesen wir garn nichts vorher, sondern hören uns von der CD Gedichte von H. C. Artmann an.

Schön, das freut mich! Ich habe mein Lesegruppen-Programm ja gerade eben reduziert und werde mich künftig nur noch an einer beteiligen; ich hab gemerkt, dass mir langsam die Lust am Debattieren über Bücher sonst abhanden kommt, und das tut weder mir noch der Gruppe gut. Jetzt ist nur die Frage, ob die Lesegruppe ein Überleben ohne mich schafft, sprich, ob sich ein Organisator findet.
>Ich habe mich von dir zur Lektüre von "Garp und wie er die Welt sah" anregen lassen - mein erster Irving. Und ich bin nahezu so begeistert wie du. Er hat wirklich irre Einfälle - trotzdem ist es kein Klamauk - hinter allem steckt ein tiefer Ernst, allerdings geschickt getarnt.

Sehr schön, freut mich ;-)
Ansteckung ist immer gut!
>Damit's nicht mein letzter bleibt: Was kannst du mir von ihm als nächstes empfehlen?
Als nächstes würde ich dir ein völlig anderes Buch empfehlen *g*... im Ernst, bei diesem Autor lohnt es sich, längere Pausen zwischen den einzelnen Büchern einzuschieben, man ist (vor allem nach diesen dicken Happen) sonst schon mal übersättigt.

Besonders ans Herz legen kann ich dir noch "Gottes Werk und Teufels Beitrag" und "Das Hotel New Hampshire" - und natürlich auch die "Witwe", "Owen Meany", "Zirkuskind". Weniger gut sind "Mittelgewichtsehe" und "Die wilde GEschichte vom Wassertrinker", und "Lasst die Bären los" hab ich selber noch nicht gelesen...
Naja, und dann schreibt er ja gerade an einem neuen Buch...
>Im Moment lese ich die Autobiographie von Reich-Ranicki. Ich teile zwar fast alles, was du über Mängel dieses Buches sagst - aber: Ich fand es außerordentlich spannend, konnte mich streckenweise kaum losreißen, vor allem seine Zeit im Getto. Was seine Sprache anbelangt, finde ich es angenehm, dass er gar nicht so tut, als wäre sie besonders kunstvoll. So finde ich seinen einfachen Stil angenehm unaufdringlich.
Wie weit bist du denn bislang mit dem Buch gekommen? Die erste Hälfte fand ich nämlich auch noch um Klassen besser als dann den Rest - der mir vor allem auch ein wenig lang geriet!

Bin schon gespannt auf dein abschließendes "Urteil" - und natürlich über weitere Leseberichte ;-))
Besonders liebe Grüße ins Ländle!
Daniela
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