Erster Eindruck von Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

Hier ist Raum für alles rund um Bücher: Eindrücke nach dem Lesen, Rezensionen, Fragen, Austausch...

Erster Eindruck von Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

Beitragvon Daniela » 14.02.2000, 10:58

Lange habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Ich dachte, von einem interessanten Kritiker, der viel erlebt hat, wird es bestimmt eine packende Biographie geben.

Gut, derzeit bin ich erst mit Kindheit und Jugend durch. Aber für mich hat ein Satz, den er selber reingeschrieben hat, schon Gültigkeit: ich kann eigentlich nicht schreiben.

Denn geschrieben ist es wirklich ziemlich langweilig. Es fehlt jede Spritzigkeit, jeder erzählerischer Schwung. Es ist eine typische Nacherzählung, wenn man sein Leben erzählen soll. Klar, mehr steht eigentlich auch nicht drauf; aber ich hatte trotzdem mehr erwartet.

Interessant fand ich bislang eigentlich vor allem, was er gelesen hat.

Und schön, daß ausgerechnet mein Lieblingsgedicht von Kästner auch bei ihm so gut ankam.
Naja, mal sehen, hab ja noch eine ganze Menge Seiten vor mir. Das ist übrigens auch ein Thema: selber behauptet er immer, Bücher über 300 Seiten seien eigentlich mehr oder weniger eine Zumutung... seines hat 550.
Ich werde berichten!
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Erster Eindruck von Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

Beitragvon Daniela » 14.02.2000, 18:16

Nach einem langen, ruhigen Lesetag habe ich nun dieses Buch beendet.

Meine Meinung ist nach wie vor ambivalent; auf der einen Seite war ich sehr interessiert, etwas über den Literaturbetrieb zu erfahren, habe auch so die eine oder andere Erkenntnis gewonnen. Aber erstens bin ich nach wie vor der Meinung, daß er wohl seine eigene Geschichte - nicht etwa über Bücher, sondern von sich selbst - wahrscheinlich nur mündlich wirklich überzeugend erzählen kann. So wie er es von einigen Schriftstellern umgekehrt behauptet.

Und es blieb für mich sehr vieles wie im literarischen Quartett: zu oberflächlich, polemisierend. Dadurch, daß er so vieles erzählen wollte, hat er für mich nichts richtig erzählt, oder doch kaum etwas. Vor allem hätte ich ein bißchen mehr über Literatur erwartet.

Also alles im allen ein wenig ambivalent, mein erster Eindruck!
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MRR: Mein Leben / Der doppelte Boden

Beitragvon Dana » 20.02.2000, 11:11


Liebe Daniela,


Das Buch habe ich noch nicht gelesen, da zur Zeit zu viele Leute um mich herum es getan haben und ich bin sooo voll von fremden Eindrücken. Deswegen habe ich das Gefühl, ein bißchen Abstand zu brauchen. Ist es Dir jemals so ergangen? Ich weiß, ich bin da etwas eigenartig...


Daß es zu wenig um Literatur geht, hat mich, ehrlich gesagt, enttäuscht, da ich mich besonders auf den Teil gefreut habe. Es interessiert mich natürlich auch sein Leben, doch fürchte ich, daß nach all den Sendungen, Interviews und Gesprächen mit Freunden für mich wenig Neues im Buch steht.


Doch gegen Deine Enttäuschung könnte ich Dir ein anderes Buch empfehlen, in dem er nur über Literatur spricht: [b]Der doppelte Boden[/b] (ein Gespräch mit Peter von Matt). Ich habe es noch nicht gelesen, weil ich den Eindruck habe, noch nicht ganz reif dafür zu sein. Du kannst bestimmt damit etwas anfangen :)))(Ich leihe es Dir gerne aus! )


Ein schönes Wochenende und vor allem... gute Besserung!!!


Deine Dana

Bücher sind wie Freunde: Man braucht nur wenige, aber gute.

Ich lese gerade:

A. L. Kennedy: Der letzte Schrei
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MRR: Mein Leben / Der doppelte Boden

Beitragvon Daniela » 22.02.2000, 23:56

>Das Buch habe ich noch nicht gelesen, da zur Zeit zu viele Leute um mich herum es getan haben und ich bin sooo voll von fremden Eindrücken. Deswegen habe ich das Gefühl, ein bißchen Abstand zu brauchen. Ist es Dir jemals so ergangen? Ich weiß, ich bin da etwas eigenartig...


Liebe Dana,
und ob ich dieses Gefühl kenne! Das ist dann so, daß man nicht mehr sicher ist, ob die eigene Reaktion jetzt wirklich die EIGENE oder vielleicht doch eher eine Reaktion auf die der anderen ist.... so empfinde ich es zumindest häufig. Oder ich habe schon unbewußt eine so sehr vorgefertigte Meinung.


>Daß es zu wenig um Literatur geht, hat mich, ehrlich gesagt, enttäuscht, da ich mich besonders auf den Teil gefreut habe. Es interessiert mich natürlich auch sein Leben, doch fürchte ich, daß nach all den Sendungen, Interviews und Gesprächen mit Freunden für mich wenig Neues im Buch steht.


Hier weiß ich natürlich nicht, was du alles schon weißt - für mich persönlich war sehr vieles doch neu, weil ich ja kaum Fernsehen gucke, Zeitung lese etc... *g*.. oute mich hiermit als Informationsmuffel, der fast ausschließlich Bücher liest. Und damit einem neuen Trend entspricht, stand kürzlich glaub ich im GEO.
>Doch gegen Deine Enttäuschung könnte ich Dir ein anderes Buch empfehlen, in dem er nur über Literatur spricht: Der doppelte Boden (ein Gespräch mit Peter von Matt). Ich habe es noch nicht gelesen, weil ich den Eindruck habe, noch nicht ganz reif dafür zu sein. Du kannst bestimmt damit etwas anfangen :)))(Ich leihe es Dir gerne aus! )


Herzlichen Dank! Das ist allerdings viel zu großzügig! Ich werde gerne darauf zurückkommen - aber erst, wenn ich meinen SUB zumindest bei den gebundenen Büchern abgebaut habe. Da ich derzeit ja viel Zeit habe, besteht sogar eine realistische Chance, daß es im nächsten halben Jahr passiert *g*....
Das ist wirklich klasse...

Daniela
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Reich-Ranicki - Mein Leben / Doderer - Strudelhofstiege

Beitragvon Bertram » 28.05.2001, 22:53

Hallo Daniela!

Ich bin dir noch den Schlussbericht über "Mein Leben" von MRR "schuldig".
Der spannendste und interessanteste Teil bleibt für mich schon die Zeit im Warschauer Getto, danach verliert es sich zwar sehr in einzelnen Episoden - das lässt sich aber wahrscheinlich bei dem Thema kaum vermeiden. ich fand es trotzdem noch sehr interessant, hinter die Kulissen des Literaturbetriebes zu schauen (obwohl es sicher so ist, dass MRR dabei wieder selbst eine Kulisse aufbaut und sich die Welt sehr subjektiv zurechtschneidert.)Ich entwickelte dabei ein gewisses Bolevardinteresse an den bekannten literarischen Persönlichkeiten durch den quasi Paparazziblick Reich-Ranickis, oder durch sein kumpelhaftes Mittendrinstehen in den literarischen Zirkeln, ohne wirklich dazuzugehören.
Er selbst blieb mir dabei noch etwas zu schemenhaft, seine Rolle in Deutschland, seine Isoliertheit trotz dem dass er fachlich schnell anerkannt wurde. Interessant wäre als Ergänzung eine Biograhie eines Außenstehenden, als Gegenbuch - ich könnte mir vorstellen, dass sich manche Szenen dann auch ganz anders darstellen!

Derzeit knie ich mich rein in die 900 Seiten "Strudelhofstiege" von Heimito von Doderer. Es kostet mich einige Mühe - ich bin inzwischen bei Seite 300 angelangt, ich schreibe laufend die Szenen und Personen, weil ich sonst fürchte, den Überblick zu verlieren - aber die Mühe lohnt sich. Eine ungewohnte, etwas verschnörkelte Sprache voller Überraschungen - und überall blitzt ein verschmitzter Humor und eine sanfte Ironie mit. Auf den vielen Seiten kostet er es aus, eine kurze Szene, ein Gespräch auf die feinsten Gefühlsregungen hin abzutasten und zu analysieren. Ich hoffe es lohnt sich auch noch weiterhin.
Auf Erfahrungen eurerseits mit Doderer bin ich gespannt.

Liebe Grüße
Zuletzt geändert von Bertram am 09.09.2009, 08:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Reich-Ranicki - Mein Leben / Doderer - Strudelhofstiege

Beitragvon Daniela » 31.05.2001, 00:18


Hallo Bertram,
das finde ich schön, dass der "Schlussbericht" noch erfolgt ;-)


Darin waren sich bislang alle Leser, deren Kommentare ich mir gemerkt habe, einig: dass nach dem Ghetto grob gesagt die Luft aus dem Buch raus ist. Dass es bei weitem nicht mehr so anrührt, der Mensch Ranicki nicht mehr sichtbar wird.


Aber nun doch lieber zur [b]Strudelhofstiege[/b] *G*


Ich kann mich noch sehr gut erinnern; ich habs zu Schulzeiten gelesen. Circa 2 Jahre lang habe ich immer wieder angefangen, weggelegt, wenn ich dann wieder weiterlesen wollte, festgestellt: ups, das geht so nicht, fehlt die Erinnerung, wieder von vorne angefangen... bis ich es dann irgendwann doch geschafft hatte, bis über Seite 50 hinauszulesen. Und feststellen durfte: ein sehr schönes Buch!


Müsste ich heute den Inhalt rekapitulieren, dann hätte ich ein wirkliches Problem. Aber einzelne Szenen sind mir im Gedächtnis; eben der Weg über diese Stiege, das Haus mit den Eingängen von zwei Straßen aus, Tennispartien am Land, intellektuelle Gespräche ... ein wunderbares Bild Wiens!


Außerdem finde ich den Untertitel so schön: [i]Melzer oder die Süße der Jahre[/i]... das ist doch wirklich schon ziemlich aussagekräftig ;-)


Und wie ging nochmal die Anektote von Doderer, der in Paris von einem Ast erschlagen wurde????


Liebe Grüße, und es würde mich wirklich interessieren, ob es dir auch weiterhin gefällt; auf meiner "muss ich spätestens im Alter wieder lesen"-Liste steht es ganz groß drauf *g*


Daniela

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Reich-Ranicki - Mein Leben / Doderer - Strudelhofstiege

Beitragvon ikarus » 31.05.2001, 20:53


>Hallo Daniela


Da verwechselst Du jetzt was.
Ich weiß zwar nicht, woran Doderer gestorben ist; aber in Paris bei einem Winterspaziergang von einem Ast erschlagen wurde ein anderer österreichischer Schriftsteller: Ödön von Horvath.


Viele Grüße
ikarus

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Ödön von Horvath

Beitragvon Maria » 31.05.2001, 22:23


Jetzt wird's interessant. Welchen Schriftsteller hat das Schicksal waehrend eines [b]Wintersturms[/b] eingeholt? Horvath war's nicht, der Arme wurde am [b]1. Juni 1938[/b] in Paris waehrend eines Gewitters von einem fallenden Ast toedlich verletzt.
Daniela, du wirst dich vielleicht erinnern, dass ich im Brigitte-Forum vor Jahr und Tag auch mal die "Strudelhofstiege" dem Doderer entriss und just dem Horvath zusprach. Zum Glueck sind solche "Verwechslungen" nicht fatal. *g*
Liebe Gruesse Maria A



>>Hallo Daniela
>Da verwechselst Du jetzt was.
>Ich weiß zwar nicht, woran Doderer gestorben ist; aber in Paris bei einem Winterspaziergang von einem Ast erschlagen wurde ein anderer österreichischer Schriftsteller: Ödön von Horvath.
>Viele Grüße
>ikarus

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marcel reich ranicki-mein leben

Beitragvon AllgemeinerUser » 02.06.2001, 13:50


ich kann und will die auffassung der kritikerin nicht teilen: warum? ich habe dieses buch verschlungen. aufmerksam geworden bin ich auf dieses buch vor wochen-da war es mir zu teuer. nach einem -mal wieder- unerfreulichen gerichtsprozeß am donnerstag habe ich es mir in der bahnhofsbuchhandlung in rostock "gegönnt" und im zug angefangen zu lesen..und konnte nicht aufhören ..nun bin ich fertig.
nicht nur die lebensgeschichte beeindruckt, sondern auch der mensch reich -ranicki. was mich beeindruckt hat? nun: er verschweigt tadelige zeiten seiner person nicht; er ist authentisch. in vielen kapiteln kam es mir vor, als erzähle er mir seine lebensgeschichte: ich las nicht, sondern hörte ihm zu- hörte ihn erzählen. beeindruckend. schon dafür dank.
die ausführliche schilderung der erlebnisse im warschauer ghetto und davor in berlin sind aufgrund des bezuges zur deutschen geschichte wichtig. danach vermisse ich leider oft eine position oder einen bezug zu geschehnissen oder der politik der bundesrepublik. nur ansatzweise werden historische ereignisse wie die 68er o.a. wichtige politische ereignisse erwähnt. ich kann nicht glauben, daß diese geschehnisse weniger einfluß auf die person des marcel reich-ranicki hatten als die begegnungen mit literaturikonen. viele fragen bleiben.
auch persönliche-insbesondere zu den benannten freundschaften.
an einer stelle des buches habe ich sogar geweint: brandt und der kniefall im warschauer ghetto. das war von dem autor garantiert so nicht gewollt. denn das buch berichtet; es ist ein abriß der deutschen literatur - mit vielen anregungen.
kritik: auch das. manchmal war es mir zu sprunghaft. da finden sich im kapitel über die 90 er jahre mal wieder berichte aus den 50 ern. das kommt oft vor: zeitsprünge. ein buch mit einer eigenartigen dramaturgie, die es offensichtlich gar nicht gibt. ein buch, in dem die kapitel sich der laune und den reflektionen des schriftstellers anpassen.
damit kann man aber gut leben: weil man alles wieder findet und zeitlich doch korrekt einordnen kann.
ein wichtiges buch? ja. nein. man muß es aber lesen. aus verschiedenen gründen.
grüße a. borrmann
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marcel reich ranicki-mein leben

Beitragvon Daniela » 10.06.2001, 18:19

Hallo Annekathrin,
Auch wenn ich anderer Meinung bin, wie du ja in deinem Beitrag schon angemerkt hast - vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung, wie es dir beim Lesen des Buches gegangen ist!
es gibt für mich eine Stelle, an der ich gerne nachhaken möchte:

- du schreibst, dass dir, je weiter MRR in der Gegenwart schreibt, der Bezug zur aktuellen Politik fehlt, und du der Meinung bist, dass ihn diese Ereignisse doch bestimmt genauso geprägt hätten wie die Begegnungen mit den Größen der LIteratur.

Aber heißt das nicht, als Leser zu viel in eine Person zu projezieren? Schließlich ist MRR trotz allem zuvorderst noch Mensch, nicht nur öffentliche Person, und wenn er sich mental von der Zeitgeschichte etwas distanziert, dann ist das etwas, was ich als Leser eigentlich hinnehme, und ihm nicht MEINE Erwartungen an seine Empfindungen und Erfahrungen unterzuschieben versuche...

Aber das ist glaube ich ein Punkt, der uns ganz automatisch immer wieder ins Auge springt; die Meinung eines Sportlers, Malers, Künstlers, Tänzers zum Zeitgeschehen ist immer stärker präsent als die Meinung eines Menschen, der NICHT zu den "öffentlichen" Figuren gehört. Und daher erwarten wir auch immer von den Menschen, die im Rampenlicht stehen, dass sie sich um sehr viel mehr Dinge Gedanken machen müssen (und diese auch noch strukturiert von sich geben können) als sie vielleicht wirklich tun...
LIebe Grüße,
Daniela
(die hofft, hier noch häufiger von dir zu lesen!)
Daniela

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Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon AllgemeinerUser » 03.10.2001, 22:06


Das Buch "Mein Leben" hat mich sehr bewegt. Ranicki's Prosa zeigt die Lebensgeschichte eines tief verletzten Menschen der sich zu tiefst einsam fühlt. Ich bin von diesem Buch so begeistert, daß ich diesen Menschen gerne einmal kennen lernen würde.
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Re: Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon ikarus » 04.10.2001, 11:42


Hallo Werner


Das war auch meine Erfahrung mit dem Buch. Ich hätte nicht gedacht, daß dieser Mensch, der im Fernsehen ja doch immer recht laut und polternd auftritt, so ein leises, sensibles Buch schreiben kann. Das hat mich sehr beeindruckt.


Viele Grüße
ikarus

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Re: Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon AllgemeinerUser » 05.10.2001, 16:15


Das Buch ist nicht schlecht - vor allem der erste Teil. Aber man sollte doch auch nicht übertreiben mit der Lobhudelei. Der Teil, in dem er sich über seine Kritikerzeit nach dem Krieg äußert, ist doch in großen Teilen wenig "sensibel" und "leise". Vielmehr erfährt man ihn dort - meiner Meinung nach - oft als unnachgiebigen, nachtragenden, hämischen Kritiker. Und das fand ich weniger schön! Zu oft spricht er von für immer zerbrochenen Freundschaften, von Unversöhnlichkeit - da scheint er oft sehr dünnhäutig geworden zu sein!
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Re: Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon AllgemeinerUser » 17.10.2001, 11:42


>Das Buch ist nicht schlecht - vor allem der erste Teil. Aber man sollte doch auch nicht übertreiben mit der Lobhudelei. Der Teil, in dem er sich über seine Kritikerzeit nach dem Krieg äußert, ist doch in großen Teilen wenig "sensibel" und "leise". Vielmehr erfährt man ihn dort - meiner Meinung nach - oft als unnachgiebigen, nachtragenden, hämischen Kritiker. Und das fand ich weniger schön! Zu oft spricht er von für immer zerbrochenen Freundschaften, von Unversöhnlichkeit - da scheint er oft sehr dünnhäutig geworden zu sein!


Man muss selber von Freunden verletzt worden sein, um nachempfinden zu können, was hier sehr zurückhaltend angedeutet wird. Mich hat das Buch gefesselt und leider verfüge ich nicht über die Intelleigenz und die Worte, um zu sagen, was ich empfinde. Ich habe so viel über die Zeit 33-45 gelesen und wie lebe ich als Überlebender weiter. Das Verstehen ist mir nie so nahe gekommen wie in diesem Buch.

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Marcel Reich-Ranickis "Mein Leben"

Beitragvon Nele » 03.01.2002, 13:08


Hallo Ihr Lieben,
frohes Neues erst einmal und die besten Wünsche!!!
Habe gerade das obige Buch regelrecht verschlungen! Interessante historische Details und Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Brecht, Siegfried Lenz etc., persönliche Erfahrungen, die einfach unglaublich furchtbar sind..Eine Dokumentation, die in einem sehr schönen, einfachen und weichen Stil geschrieben ist- man bekommt einen ganz anderen Eindruck von MRR (zumindest ich, da ich ihn bisher nur aus dem Fernsehen kannte, wo er sich, finde ich, nicht immer wirklich vermittelnd gegeben hat).
Also, dieses Buch kann ich Literaturbegeisterten nur empfehlen!
Hat es schon jemand gelesen von Euch (Wahrscheinlich, ist ja schon `99 erschienen :)) und wenn ja, wie fandet Ihr es?
Viele Grüsse und einen angenehmen Start in den Arbeitsalltag (schnüff),
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Re: Marcel Reich-Ranickis

Beitragvon Bruna » 03.01.2002, 20:17


>Hallo Ihr Lieben,
>frohes Neues erst einmal und die besten Wünsche!!!
>Habe gerade das obige Buch regelrecht verschlungen! Interessante historische Details und Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Brecht, Siegfried Lenz etc., persönliche Erfahrungen, die einfach unglaublich furchtbar sind..Eine Dokumentation, die in einem sehr schönen, einfachen und weichen Stil geschrieben ist- man bekommt einen ganz anderen Eindruck von MRR (zumindest ich, da ich ihn bisher nur aus dem Fernsehen kannte, wo er sich, finde ich, nicht immer wirklich vermittelnd gegeben hat).
>Also, dieses Buch kann ich Literaturbegeisterten nur empfehlen!
>Hat es schon jemand gelesen von Euch (Wahrscheinlich, ist ja schon `99 erschienen :)) und wenn ja, wie fandet Ihr es?
>Viele Grüsse und einen angenehmen Start in den Arbeitsalltag (schnüff),
>Nele


Hallo Nele,
ich hab das Buch gleich nach Erscheinen gelesen und bin auch sehr begeistert. Da ich aber MRR auch gerne zuhöre, hab ich mir auch das HB gekauft und das hör ich immer wieder an!
LG Bruna

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Re: Marcel Reich-Ranickis

Beitragvon Elisabeth » 03.01.2002, 21:12


hallo nele und bruna,


ich kann euch nur zustimmen, sowohl buch als auch hörbuch sind für mrr fans (und vielleicht nicht nur für diese?) ein genuß!


LG

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Re: Marcel Reich-Ranickis

Beitragvon AllgemeinerUser » 09.01.2002, 19:39


>Hallo Ihr Lieben,
>frohes Neues erst einmal und die besten Wünsche!!!
>Habe gerade das obige Buch regelrecht verschlungen! Interessante historische Details und Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Brecht, Siegfried Lenz etc., persönliche Erfahrungen, die einfach unglaublich furchtbar sind..Eine Dokumentation, die in einem sehr schönen, einfachen und weichen Stil geschrieben ist- man bekommt einen ganz anderen Eindruck von MRR (zumindest ich, da ich ihn bisher nur aus dem Fernsehen kannte, wo er sich, finde ich, nicht immer wirklich vermittelnd gegeben hat).
>Also, dieses Buch kann ich Literaturbegeisterten nur empfehlen!
>Hat es schon jemand gelesen von Euch (Wahrscheinlich, ist ja schon `99 erschienen :)) und wenn ja, wie fandet Ihr es?
>Viele Grüsse und einen angenehmen Start in den Arbeitsalltag (schnüff),
>Nele


Grüßgott,
Ich bin jetzt dabei, das Buch zu lesen. MRRs Sprache finde ich schön und einfach zu verstehen. Er verwendet keine Riesenschlangen von Nebensätzen, und er hat auch was zu sagen. Er erwähnt im Buch viele Autoren und literarische Werke. Es macht mir Spaß diese Sachen und Personen in anderen Büchern nachzuschlagen.Meiner Meinung nach, ist es ein sehr empfehlenswertes Buch.


MvG
Iver

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Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon AllgemeinerUser » 20.03.2002, 13:36


Das Buch hat mich sehr interessiert, fasziniert, beeindruckt, mir viele neue wichtige Erkenntnisse gegeben, u. a. Hochachtung vor M R-R; ich würde mir von M R-R eine Liste aller Werke wünschen, die er als gut beurteilt hat ...
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Re: Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon Bruna » 20.03.2002, 14:43


>Das Buch hat mich sehr interessiert, fasziniert, beeindruckt, mir viele neue wichtige Erkenntnisse gegeben, u. a. Hochachtung vor M R-R; ich würde mir von M R-R eine Liste aller Werke wünschen, die er als gut beurteilt hat ...


ich mochte das buch auch sehr gerne! auch die von ihm gelesene CD ist empfehlenswert!!
übrigens hat MRR in seiner letzten solo-sendung verkündet, daß er im auftrag (von wem weiß ich nicht mehr) einen kanon erstellt!


lg bruna

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Re: Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon gertie » 20.03.2002, 21:42


MRR stellt schon wieder einen Kanon zusammen? Hat er doch im letzten Jahr schon mal gemacht im Spiegel. Ich stell den link mal unten dazu!
gruss
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Alles andere als langweilig

Beitragvon AllgemeinerUser » 22.04.2002, 16:57


Ich hatte 1964 bei einem Seminar über Literaturkritik bei Walter Höllerer an der TU Berlin eine Kritik der Kritik Marcel Reich-Ranichkis zu verfassen und befaßte mich intensin seh mit dem Roman. Abgesehen von der faszinierenden Tehmatik: der Fähigkeit eines Menschen, gedanklich sozusagen mehrere Leben nebeneinander führen zu können, hielt ich ihn ganz und gar nicht für langweilig. Ich erinnere mich, daß Günther Grass damals meinte, ihm fehle eine Änderung der Landschaft und der Stadt, die die Figur in ihren Wandlungen doch nicht immer gleich erleben könne. Und doch: meiner Meinung ein großes Buch.
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Re: Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki

Beitragvon AllgemeinerUser » 12.05.2002, 22:32


Das Buch hat mich ebenfalls sehr beeindruckt. Es hat mir geholfen, ganz einfach zwischen Juden und Israelis zu unterscheiden. Die Kraft und Energie, die hinter dem Verfasser und seinem Buch stecken hat mich einfach mitgerissen. Es hat auch mein Literaturverständnis beeinflusst und verändert.
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Mein Leben - Reich Ranicki

Beitragvon AllgemeinerUser » 07.07.2002, 07:50


Ich bin definitiv kein Literatur-Kenner, habe überwiegend mit technischen Büchern zu tun oder beschäftige mich mit Geschichte!


Schließlich ist mir zufällig in unserer Stadtbibliothek das Buch 'Mein Leben' von Marcel Reich Ranicki in die Hände gelangt.


Ich war mir nicht sicher, ob es mir etwas bedeuten könnte, da mir aber Reich aus dem literarischen Quartet ein sehr angenehmer Begriff ist habe ich es mir entliehen. Auch als Literatur-Laie, als blutiger Desinteressierter der Literarischen Welt waren für mich die Auftritte von Reich spannender als irgendetwas anderes, das mir das Fernsehen zur gleichen Zeit hätte bieten können, denn die Ausstrahlung Reich-Ranicki macht ihn zum Kunstwerk an sich!
(Was auch bedeutet würde, das ich nichts mehr fürchten würde, als von ihm als Literaten in die Zange genommen zu werden, glücklicherweise kann mir das ja nicht passieren!)


Das Buch 'Mein Leben' hat mich überwältigt, ich habe das Buch förmlich aufgefressen, die Nacht ging dahin und die Augenringe am nächsten Tag waren vorprogrammiert!


Das Leben von Marcel Reich-Ranicki ist eine 1 zu 1 Literatur-Vorlage an sich, seine erschütternden Erlebnisse im Warschauer Ghetto, seine unerschütterliche Liebe zu etwas, was man die deutsche Literatur nennt, nach dem, was passiert war, es wird mir immer ein Rätsel bleiben?


Auch deßhalb, weil ich mir im Grunde nicht sicher bin, ob die Literaturwelten der jeweiligen Sprachen nicht beliebig austauschbar sind, ebenso hätte er sich ja auch der polnischen, englischen oder französischen Literatur zuwenden können.......


Auf jeden Fall Danke ich Reich-Ranicki für die authentischen Einblicke in das Leben im Warschauer Ghetto, an das Klima im Berlin vor dem Kriege, an die interessanten Eindrücke im Warschau nach 45 etc...... hier kommt wieder mein Interesse an Biographien und Geschichte im allgemeinen zum Vorschein!

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Re: Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki /Hörbuch

Beitragvon Anja » 18.07.2005, 16:31

*** gelöscht
Zuletzt geändert von Anja am 03.06.2013, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
Anja
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