Gustave Flaubert - Madame Bovary

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Madame Bovary, Gustave Flaubert

Beitragvon AllgemeinerUser » 09.04.2001, 13:27


Bei allem Respekt muss ich anmerken, dass dieses Buch wohlkaum an Langweiligkeit zu übertreffen ist. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffen würde, mich durch diese unglaublichen 450 Seiten voller unnützer Einzelheiten und nicht enden wollenden Beschreibungen zu quälen. Dieses Buch werde ich wohl hoffentlich nach meinem Abitur nie wieder aufschlagen müssen, aber die nächsten Wochen wird es mir noch einmal den letzten Nerv rauben. An dieser Stelle ein Dankeschön an meinem geschätzten Deutschlehrer, der dieses Werk in meine Abiturarbeit eingebunden hat!!!!!!
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Madame Bovary, Gustave Flaubert

Beitragvon Stefanie » 12.04.2001, 02:34


>Hallo Svenja,
hallo Daniela,


ich muss mich Daniela anschliessen - es ist sehr schade, wenn man dieses unglaublich schoene Buch als langweilig empfindet.


Vielleicht liegt es daran, dass Du Dir diese Zeit nicht vorstellen kannst, obwohl die genauen Details einem dabei doch sehr zu Hilfe kommen. Viele junge Frauen und Maedchen nehmen es heute als selbstverstaendlich, dass sie so frei und nach ihren eigenen Wuenschen leben koennen. Die Frauen der letzten Generationen haben sich diese Freiheit erkaempft, oft gegen den Willen der Gesellschaft - insbesonders der maennlichen, aber auch der weiblichen. Umso erstaunlicher war es fuer mich immer, dass ein Mann dieses Buch geschrieben hat, wahrscheinlich war er homosexuell, anders kann ich mir diese sensible Studie einer weiblichen Psyche ueberhaupt nicht erklaeren.

Gruesse
Stefanie

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Kommentar

Beitragvon Maria » 13.04.2001, 06:18


Mich hat vor allen Dingen geschockt, wie man solchen Beitrag liefern kann.
Es kann Desinteresse sein, ok, das ist zu verstehen, aber nicht dieser selbstgefaellige Ton!


Gruess Maria

Maria
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Madame Bovary von Flaubert

Beitragvon Edith » 23.04.2001, 13:18


Madame Bovary ist ebenfalls eines meiner Lieblingsbücher.
Wie Flaubert die Romantik "auf's Korn" nimmt, z.B. beim Spaziergang
von Emma und Rodolphe, das ist schon kaum nachahmenswert.
Die drei Hauptpersonen, die sich wie einer roter Faden durch das Buch
ziehen, Charles, Emma und der Apotheker, sind hervorragend gut
charakterisiert und beschrieben. Ich habe das Buch in der Originalsprache
gelesen, obwohl die Übersetzung natürlich auch sehr gut gelungen ist.
Auch den Film mit Isabelle Huppert fand ich gelungen, obwohl natürlich ein
Film das Buch niemals ersetzen kann.
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Madame Bovary von Flaubert

Beitragvon Daniela » 24.04.2001, 01:27

Hallo Edith,
ich habe bislang glaube ich noch keine Verfilmung dieses Buches gesehen - kann sie mir auch irgendwie gar nicht richtig vorstellen! Und ich beneide dich darum, Französisch im Original lesen zu können ...
hast du eigentlich noch mehr von Flaubert gelesen? Die Erziehung des Herzens würde mich zum Beispiel schon seit längerem reizen...
Liebe Grüße!
Daniela
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Madame Bovary von Flaubert

Beitragvon Edith » 24.04.2001, 12:26


>Hallo Edith,
>ich habe bislang glaube ich noch keine Verfilmung dieses Buches gesehen - kann sie mir auch irgendwie gar nicht richtig vorstellen! Und ich beneide dich darum, Französisch im Original lesen zu können ...
>hast du eigentlich noch mehr von Flaubert gelesen? [b]Die Erziehung des Herzens[/b] würde mich zum Beispiel schon seit längerem reizen...
>Liebe Grüße!
>Daniela
Oh, Daniela, diese Verfilmung kann ich Dir aber nur empfehlen, sie ist auch schon im Fernsehen gelaufen. Ich habe kürzlich mal eine Verfilmung auf Video aufgezeichnet, da war aber die Emma Bovary sehr, sehr schwülstig, das hielt man kaum aus. Aber in der Verfilmung mit Isabelle Huppert, da ist auch der Charles einfach super dargestellt.
Aber beneide mich nicht um das Französisch-Lesen, liebe Daniela, ich sitze da mit dem Buch in Französisch, nebendran das Wörterbuch, denke dann, nein, dieses Wort schlägste jetzt nicht nach, Du verstehst ja den Sinn trotzdem, bin ich dann drei Zeilen weiter, dringt mein Perfektionismus durch und ich schlage doch nach.
Von Flaubert habe ich sonst leider auch noch nichts gelesen, ich habe aber von meinem französischen Brieffreund noch drei Kurzgeschichten von Flaubert geschickt bekommen, aber das von Dir erwähnte Buch würde mich auch sehr interessieren. Flaubert war ja der "geistige Vater" von Guy de Maupassant, den ich auch sehr verehre. Edith
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Leseerlebnisse

Beitragvon Harry » 31.07.2006, 15:53

Hallo,
nach längerer Zeit melde ich mich mal wieder zu Wort, um von meinen aktuellen Leseerlebnissen zu berichten. Belletristik hat es im Moment schwer, da ich mehr Fachliteratur lese und auch "die Zeit" regelmäßig zur Hand nehme.
Dennoch habe ich vor kurzem zwei sehr schöne Bücher gelesen.
Flaubert´s Klassiker "Madame Bovary" führt vor Augen, dass sich die Anziehung und auch die Probleme zwischen Mann und Frau kaum verändert haben und jeder/jede die Hoffnung von ewiger und leidenschaftlicher Liebe in sich trägt. Interessantes Detail am Rande ist, dass die Monumentalwerke zu diesem Thema stets von Männern geschrieben wurden und eine Frau als Hauptperson haben (neben Madame Bovary auch Effi Briest und Anna Karenina).
Das zweits Buch ist eher ein Büchlein und nicht weniger unterhaltsam, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau: Allan Bennet´s "Cosi fan tutte". Passt irgendwie zum Mozartjahr, ist wirklich witzig und die beiden Ransome´s kann man sich gut bei einer Tasse Schwarztee mit gelangweiltem Gesichtsausdruck vorstellen. Für alle Freunde des englischen Humors ein Muss.
Für den Urlaub nehme ich mir neben einem Mankell-Krimi noch die Elementarteilchen" mit (ich weiß jedoch nicht ob ich Houllebecq wirklich aushalte, aber versuchen will ich es), Tucholsky´s "Schloss Gripsholm" und ein Band früher Erzählungen von Ammaniti (ihr erinnert euch vielleicht noch an "Ich habe keine Angst")auf italienisch.


Schönen Sommer und liebe Grüße


Harry

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Madame Bovary und grosse Frauenromane aus Maennerhand...

Beitragvon Daniela » 12.08.2006, 07:19


Hallo Harry,
MADAME BOVARY zaehlt zu meinen absoluten Favoriten, ich moechte das Buch auf keinen Fall missen - und wie du schon schriebst, es ist dabei auch noch so unglaublich zeitgemaess, auch heute kann man sich noch als Emma fuehlen, genauso leer und unterfordert, in jeder Beziehung.


Was mich erstmla ein wenig stutzig gemacht hatte war die Aussage, dass diese grossen Frauenromane alle aus Maennerhand stammen. Ja, du hast damit eigentlich recht - wobei fuer mich eigentlich der Begriff "Gesellschaftsroman" auf alle drei von dir genannten Romane besser zutrifft. Aber dennoch: in allen geht es sehr stark um das Innenleben von Frauen, und ihnen ist gemeinsam, dass sie das auch noch unheimlich lebensecht und intensiv zu schildern in der Lage sind.


Und mir faellt umgekehrt kein Fall ein, der aus weiblicher Hand stammt... werde aber auf jeden Fall weiter darueber nachdenken!


LG, Daniela

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Flaubert, Madame Bovary, kursive Textteile

Beitragvon David Copperfield » 01.09.2009, 07:47

Ich möchte gerne wissen, warum es in dem Buch
Gustave Flaubert, Madame Bovary, insel taschenbuch 3515
kursive Textteile, Wörter, Phrasen gibt.

Bis jetzt habe ich dafür keine Erklärung gefunden.

Die Suche im Internet und (u.a. in literaturforum.de) bringt zu meiner Fragestellung nur Vermutungen.
Der Suhrkamp Verlag hat mir eine Antwort geschrieben, die für mich keine Erklärung ist.

Das Feuilleton der SZ verweist auf einen Artikel und auf eine Seite in Frankreich.
Da in diesem Artikel kein Hinweis auf meine Frage zu lesen ist und meine französischen Sprachkenntnisse nicht ausreichen, um die .fr-Seite studieren zu können, ist dies auch nur ein Verweis mit dem Inhalt: Wenden Sie sich bitte woanders hin, wir wissen es auch nicht.

Ein Rezensent der Frankfurter Rundschau gibt mir keine Antwort auf die Frage, Hugendubel verkauft Bücher, keine Informationen zu deren Büchern.

Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass irgend jemand anders als ich die Gründe für die kursiven Textteile erfahren wollte und dafür eine Erklärung hat und / oder bekommen hat.
Vielen Dank, DC

Der Hinweis der SZ:
"Madame Bovary" im Netz, 20.04.2009, 17:46, Von Johannes Willms
Der idealen Sprache auf der Spur: Eine 4500 Seiten lange Internet-Edition des "Madame Bovary"-Manuskripts zeugt von Gustave Flauberts Sprachbessessenheit.
http://bovary.univ-rouen.fr

Mein E-Mail an Suhrkamp
Ich lese gerade Flaubert, Madame Bovary, insel taschenbuch 3515.
Können Sie mir bitte erklären, warum einige Textteile, Phrasen, Wörter im Text kursiv geschrieben sind?
Eine durchgängige Erklärung dazu hat sich mir bis jetzt (Seite 106) nicht erschlossen.

Vielen Dank für Ihre Aufklärung.

Die Antwort von Suhrkamp

auf Ihre Anfrage hin habe ich nun mit der zuständigen Lektorin für "Madame Bovary" gesprochen. Sie meint, diese kursiven Satzteile seien wohl teilweise feststehende Ausdrücke oder Hervorhebungen im Text. Die deutsche Übersetzerin dieses Bandes hat sich wohl auf den französischen Original-Text gestützt, in welchem die Hervorhebungen in gleicher Weise gemacht werden. Darf ich Ihnen eine französische Ausgabe nennen, in der Sie dies nachlesen können:

Gustave Flaubert, Madame Bovary. Chronologie et préface par Jacques Suffel.© 1979, Garnier-Flammarion, Paris.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit weiterhelfen.
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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary

Beitragvon Daniela » 01.09.2009, 08:28

Hallo David Copperfield,
puh, leider ist meine Lektüre von Madame Bovary (das ich im Übrigen großartig finde!) schon zu lange her, als dass ich auch nur sagen könnte, dass mir diese Stellen ebenfalls aufgefallen wären...

Ist die Antwort von Suhrkamp denn für dich nun soweit zufriedenstellend?

Jedenfalls: herzlich willkommen hier!
Liebe Grüße,
Daniela

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary

Beitragvon David Copperfield » 02.09.2009, 05:17

Hallo Daniela,
Danke dir für die angenehmen Willkommensgrüße.
Na ja, das was Suhrkamp schreibt ist zum einen das, was man selbst vermuten kann, zum anderen sind deren Aussagen auch nur Vermutungen (...seien wohl...) und gehen der Frage nicht auf den Grund.
Warum hat Flaubert Teile des Romans in kursiv geschrieben?
Das muss für ihn Gründe gehabt haben, die wiederum für mich für das Lesen des Buches, also für das Verständnis des Werkes, wichtig sind.
Somit finde ich die Antwort nicht ausreichend, überraschend oberflächlich, unwissend und desinteressiert, die Frage u.a. mit dem Hinweis auf ein französisches Werk abzutun.
Liebe Grüße, der weiter suchende DC
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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary

Beitragvon Gwenn » 02.09.2009, 07:39

Hallo DC,

Deine Frage beschäftigt ganze Forschungscolloquien ; insbesondere Claude Duchet (emeritierter Prof an der Uni Paris VIII Vincennes-Saint Denis) machte einige Veröffentlichungen zum Thema, wie zB
- Duchet Claude, « Discours social et texte italique dans Madame Bovary » in Langages de Flaubert. Actes du Colloque de London (Canada). The Department of French, The University of Western Ontario : texte établi par Michael Issacharoff. Paris : Minard, Lettres modernes, "Situation", 1976, pp. 143-169
- Duchet Claude, « Signifiance et in-signifiance : le discours italique dans Madame Bovary » in La Production du sens chez Flaubert / direction Claudine Gothot-Mersch [Colloque de Cerisy-la-Salle du 21 au 28 juin 1974]. 10/18, 1975, pp. 358-394


Diese Artikel selbst kenne ich nicht, auch bin ich keine Expertin für Flaubert, nur ein pures Produkt des französischen Schulsystems (und da entgeht man Gustave Flaubert nicht). In der mir heute zugänglichen Literatur zu Flaubert werden die kursiven Textteile erwähnt und mit mehreren Erklärungen versehen :
- Natürlich können kursive Textteile einfach Flauberts Spott und Ironie unterstreichen.
- Sie können auch für die indirekte Rede stehen, sind sozusagen eine Unterkategorie davon, die durch die Typographie gekennzeichnet wird und anzeigen, dass sie nicht ganz gleichwertig sind.
- Die Funktion der kursiven Textteile im Text bei Madame Bovary ist eine Alienation der Worte /Wortreihen/Ausdrücke zu markieren. Hier will Flaubert polemisieren (schreibt Laurent Adert in Les mots des autres : Flaubert, Sarraute, Pinget) und durch die Typographie seiner Sprache eine Vielfalt an Sprachschattierungen verleihen.

Adert notiert, dass Flaubert nach Madame Bovary nicht mehr kursive Textteile in seinen Romanen verwendete. Wahrscheinlich wollte er so Missverständnissen vorbeugen, denn man hätte sie zur Charakterisierung der Protagonisten heranziehen können. So geschehen bei den spirituellen Söhnen Flauberts, Zola und Maupassant, die damit die soziale Herkunft in der Sprache ihrer Geschöpfe imitierten. Flaubert widerspricht dem vehement (siehe seinen Briefwechsel mit Turgenjew).

Mehr bekomme ich im Augenblick und angesichts meiner Hassliebe zu Flaubert nicht zusammen.
Beste Grüsse - Gwenn.

Ich lese The Escape von Adam Thirlwell und höre Fegefeuer von Sofi Oksanen.
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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary

Beitragvon David Copperfield » 04.09.2009, 07:35

Hallo Gwenn,
ich danke Dir.
Mit deiner Hilfe und deinen Informationen habe ich die Erklärungen gefunden, die ich suchte.

Sehr ausführlich wird dies behandelt in:
Titel Die Polyphonie der Diskurse: Formen narrativer Sprach- und Bewusstseinskritik in Gustave Flauberts Madame Bovary und L'éducation sentimentale
Band 428 von Epistemata. Reihe Literaturwissenschaft
Epistemata. Bd. 428
Autor Claudia Jünke
Verlag Königshausen & Neumann, 2003
ISBN 3826024176, 9783826024177
Länge 266 Seiten

http://books.google.de/books?id=X-gwGX7 ... q=&f=false

Im Abschnit "Kursivdruck und Anführunsgzeichen" wird sehr genau beschrieben, was Flaubert mit Kursivdruck zum Ausdruck bringen will.
Die Verfasserin bezieht sich u.a. auch auf Adert, den du anführst und deine Aussagen sind bestätigt.
Mit deinen Hinweisen bin ich eben dort fündig geworden, mit den anderen unnützen Aussagen, u.a. des Verlages, hätte ich nicht diese Erklärungen gefunden.

Jedenfalls werde ich nun das Buch anders lesen können.

Danke Dir nochmals, DC

PS: Nachdenken werde ich, warum Suhrkamp mir keine fundierten Hinweis gab, warum die Lektorin das nicht wusste (sofern die Aussage richtig ist, dass bei der Lektorin angefragt wurde), warum die SZ einen tollen Artikel verfasst, aber auch keine Ahnung oder Lust hat etwas Genaueres zu sagen, und weiters werde ich überlegen, was ein anderer Leser getan hätte, der nicht hartnäckig der Frage nachgeht und ausserdem werde ich grübeln und mich noch mehr wundern, warum Oberflächlichkeit allerorten zum Standard geworden ist...
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