Zeruya Shalev - Liebesleben

Hier ist Raum für alles rund um Bücher: Eindrücke nach dem Lesen, Rezensionen, Fragen, Austausch...

Shalev: Liebesleben

Beitragvon Annie » 08.10.2001, 16:41


Hallo Daniela,


nun habe ich auch endlich Liebesleben gelesen und darf sagen, daß es mir sehr gefallen hat. Es zieht einen von der ersten Seite gleich in das Buch, man mag es nicht aus der Hand legen. Was mich wundert: Ich hatte den Eindruck gewonnen, daß es in Liebesleben vorrangig um die obsessive Beziehung einer jungen Frau zu einem alten Mann geht. Das denke ich nach dem Lesen ganz und gar nicht. Meines Erachtens ist es viel eher die Beschreibung einer Frau, die sich aus ihrem festgefahrenen Leben befreit und wirklich zu leben beginnt. Interessant fand ich auch die Verstrickung von Ja’aras Eltern mit Arie.
Also, wenn Mann und Frau noch besser ist, kann ich mich ja freuen.
Übrigens habe ich das Buch in der Taschenbuchausgabe vom BTV gelesen, die es jetzt gibt.;)


Viele Grüße


Annie


PS: Vielleicht springen die Husten- und Schnupfen-Viren ja doch im Netz 'rum oder warum werde ich meine Erkältung nicht los? Auf jeden Fall: Allen Betroffenen gute Besserung! :)

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Re: Shalev: Liebesleben

Beitragvon Elisabeth » 08.10.2001, 20:38


hallo annie,


ich habe *liebesleben* auch regelrecht verschlungen! mir gefällt auch ihr atemloser schreibstil, der mich an manchen stellen immer wieder an den der vanderbeke erinnert! nach vielen anderen leseerlebnissen habe ich mich seit einigen tagen in *mann und frau* festgelesen... und wieder festgestellt, dass mir zeruya shalev´s schreibweise einfach liegt! ich kann auch für mich nicht die behauptung aufstellen, dass ihr erstes oder dieses jetzt besser wäre... es geht im grunde immer um liebe... und wenn ich beide bücher direkt vergleichen und bewerten müßte, würde ich sagen, dass mich die thematik des ersteren mehr interessiert hat.
aber du kannst dich auf eine fesselnde, intensive lektüre bei *mann und frau* freuen!


liebe lesegrüße!

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Re: Shalev: Liebesleben

Beitragvon Daniela » 09.10.2001, 00:56

Hallo ihr beiden ;-)
*g* Annie, ich kann mich noch gut erinnern, wie du an das Buch gekommen bist *gratuliere* ;-)

Und du warst ja dabei, aber Elisabeth könnte sich ja vielleicht schon darauf freuen, dass wahrscheinlich im Frühling ein neues Buch von ihr rauskommt.

Mir hat Mann und Frau deswegen besser gefallen, weils mir persönlich so zugesetzt hat, ich hab mich in dem Buch an vielen Stellen wiedererkannt, wo ich das auch gar nicht wollte. Das war beim Liebesleben anders, da war ich eher der fasziniert abgestoßen-angezogene Zuschauer.

Ich bin schon gespannt, welches der Beiden dir mehr zusagt! Die LIteraturbeilagen im Frühling waren da ja auch ganz konträr.
LIebe Grüße,
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Re: Shalev: Liebesleben

Beitragvon Elisabeth » 09.10.2001, 08:25


neues buch im frühling?????


wußtet ihr, dass sie vor ihren romanen auch lyrik veröffentlicht hat? wurde aber (bislang) nicht ins deutsche übersetzt... das hat sie bei ihrer lesung in wien erzählt - und dass das schreiben sie einfach überkomme. sie könne dann gar nicht anders... *winkezuBRUNA*


neugierige lesegrüße!

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Re: Shalev: Liebesleben

Beitragvon Bruna » 09.10.2001, 11:29


Daniela, da freu ich mich auch auf das Frühjahr *g*. Und dann kommt Z. Shalev sicher auchwiede nach Wien ... und dann werden ELI und ich sicher wieder dabei sein ...*lach*
Allerdings muß ich gestehen, daß ich *MANN UND FRAU* noch nicht wieder zur Hand genommen habe. Aber ich denke, es kommt in diesen Tag noch dran ...
und daß ich *LIEBESLEBEN* SEHR mag wissen ja schon alle hier *G*


LG Bruna


>Hallo ihr beiden ;-)
>*g* Annie, ich kann mich noch gut erinnern, wie du an das Buch gekommen bist *gratuliere* ;-)
>Und du warst ja dabei, aber Elisabeth könnte sich ja vielleicht schon darauf freuen, dass wahrscheinlich im Frühling ein neues Buch von ihr rauskommt.
>Mir hat Mann und Frau deswegen besser gefallen, weils mir persönlich so zugesetzt hat, ich hab mich in dem Buch an vielen Stellen wiedererkannt, wo ich das auch gar nicht wollte. Das war beim Liebesleben anders, da war ich eher der fasziniert abgestoßen-angezogene Zuschauer.
>Ich bin schon gespannt, welches der Beiden dir mehr zusagt! Die LIteraturbeilagen im Frühling waren da ja auch ganz konträr.
>LIebe Grüße,
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Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Valentine » 18.09.2003, 15:34

Stecke gerade mittendrin im "Liebesleben" (das Buch meine ich natürlich *g*) und bin hin- und hergerissen, was ich davon halten soll. Der Stil ist anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig, ohne Anführungszeichen, die wörtliche Rede einfach in den Textfluß eingestreut, in diese langen Sätze, doch damit kam ich dann schnell zurecht.


Der Inhalt ist ja schon ein starkes Stück. Da verfällt diese Ja'ara dem Freund ihres Vaters (oder doch der Mutter?) mit Haut und Haaren, obwohl er ihr auf den ersten Blick nicht sympathisch ist und läßt sich auf seine ersten sexuellen Avancen sofort ein; dabei ist sie doch seit einiger Zeit mit Joni verheiratet. Gut, in die Ehe hat sich die Alltagsroutine eingeschlichen, und gelegentlich geht ihr der Ehemann auf den Keks, aber ist das ein Grund, alle moralischen Überlegungen beim ersten Lockruf eines faszinierenden Fremden über Bord zu werfen? Vor allem, wo dieser nicht nur seine schwerkranke Ehefrau mit ihr, Ja'ara, betrügt, sondern auch noch einige andere Damen "nebenbei" hat, die sich alle wie ein Ei dem anderen ähneln.


Wenn es ums Körperliche geht, wird Shalevs Sprache manchmal (für mich unnötig) brutal und obszön. Deswegen hätte ich das Buch beinahe zwischendurch beiseite gelegt. Aber dann war ich wieder von der Handlung so gefesselt, daß ich es nicht weglegen konnte.


DANIELA - Du mochtest doch Shalevs Bücher gern; ging es Dir dabei ähnlich?


LG
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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Libelle » 19.09.2003, 15:29


Hallo Valentine,
als ich das Buch gelesen habe, war ich auch hin und her gerissen. Auf der einen Seite fand ich es sprachlich brilliant und auch inhaltlich fasziniernd, auf der anderen Seite ist es auch so dermaßen abstoßend, dass mir fast schon schlecht geworden ist. Aber vielleicht ist das auch eine Stärke des Buches, das es so eine großen Ekel hervorrufen kann. Mir kam es damals so vor, als wäre es eher eine Art von Selbstzerstörung als eine Liebesgeschichte. Wenn ich mich recht erinnere, hatte doch auch die Mutter von Jaara eine Affäre mit ihm.
Im Klappentext wird ja immer wieder von erotischen Roman gesprochen, aber ich fand oft, dass die Szenen mehr mit Macht und völliger Unterwerfung zu tun hatten.
Sehr oft kamen ja auch biblische Motive vor, aber so richtig einordnen konnte ich das oft nicht. Moral wird von der Protagonistin aufgrund ihrer " Hörigkeit " völlig über Bord geworfen. Was ich aber für absolut plausibel halte, bei ihrer Bessenheit von diesem Mann.
Alles in allem finde ich, dass es ein sehr sehr bemerkenswertes Buch ist.
Liebe Grüße und noch viel Spass beim Lesen
Petra




>Stecke gerade mittendrin im "Liebesleben" (das Buch meine ich natürlich *g*) und bin hin- und hergerissen, was ich davon halten soll. Der Stil ist anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig, ohne Anführungszeichen, die wörtliche Rede einfach in den Textfluß eingestreut, in diese langen Sätze, doch damit kam ich dann schnell zurecht.
>Der Inhalt ist ja schon ein starkes Stück. Da verfällt diese Ja'ara dem Freund ihres Vaters (oder doch der Mutter?) mit Haut und Haaren, obwohl er ihr auf den ersten Blick nicht sympathisch ist und läßt sich auf seine ersten sexuellen Avancen sofort ein; dabei ist sie doch seit einiger Zeit mit Joni verheiratet. Gut, in die Ehe hat sich die Alltagsroutine eingeschlichen, und gelegentlich geht ihr der Ehemann auf den Keks, aber ist das ein Grund, alle moralischen Überlegungen beim ersten Lockruf eines faszinierenden Fremden über Bord zu werfen? Vor allem, wo dieser nicht nur seine schwerkranke Ehefrau mit ihr, Ja'ara, betrügt, sondern auch noch einige andere Damen "nebenbei" hat, die sich alle wie ein Ei dem anderen ähneln.
>Wenn es ums Körperliche geht, wird Shalevs Sprache manchmal (für mich unnötig) brutal und obszön. Deswegen hätte ich das Buch beinahe zwischendurch beiseite gelegt. Aber dann war ich wieder von der Handlung so gefesselt, daß ich es nicht weglegen konnte.
>DANIELA - Du mochtest doch Shalevs Bücher gern; ging es Dir dabei ähnlich?
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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Valentine » 22.09.2003, 14:10


Tja, bin jetzt durch und es geht mir wie dem guten alten Faust - ich bin so schlau als wie zuvor ;-)


Der Schluß hängt merkwürdig in der Luft, mir fehlte da die letzte Auseinandersetzung mit dem Ehemann (vielleicht wollte die Autorin die lieber der Phantasie des Lesers überlassen). So richtig nachvollziehen konnte ich Ja'aras Verhalten bis zum Schluß nicht. Diese freiwillig in Kauf genommene Abhängigkeit von Arie, dieses Wissen, daß sie ihm nichts bedeutet und seine Art, sie wie Dreck zu behandeln, vor allem auch in den groben Sexszenen, das alles blieb mir fremd. Vielleicht bin ich da einfach zu anders als die Protagonistin.


Ziemlich einfühlsam fand ich die Darstellung ihrer widerstreitenden Gefühle, ihre Verzweiflung, als sie merkt, daß sie es sich durch ihr Verhalten mit Joni wohl für immer verscherzt hat, ihre Betroffenheit über die Geschichte, die Arie mit ihren Eltern verbindet, die sie so weit treibt, sich zu wünschen, sie wäre nie geboren worden, damit Arie und ihre Mutter ihre Liebe hätten leben können. Ein aufwühlendes und verwirrendes Buch. Wenn ich es bewerten müßte, ich wüßte nicht, wie viele Sterne ich ihm zubilligen soll - vier bis fünf für die faszinierende sprachliche Gestaltung, vier für das Eintauchen in Ja'aras Gedanken- und Gefühlswelt oder zwei für die Schilderung der Beziehung zu Arie, die mir nicht wirklich plausibel wurde.


LG
Valentine (die sich eigentlich nicht für verklemmt hält, aber eine gewisse Moralvorstellung hat ;-) )

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Dana » 23.09.2003, 10:49


Liebe Valentine,


danke für deine Eindrücke zu diesem Buch, ich freue mich immer wieder darüber zu lesen! Das Buch war eins der Highlights für mich in seinem Erscheinungsjahr, ich hatte sogar das Glück, mein Lesejahr damit zu beenden *g*


Ich würde dir raten, dem Buch getrost fünf Sternchen zu geben, es ist ein Buch, das haften bleibt ;-)


Was die Endszene betrifft, ich habe mich sogar gefreut, dass sie das nicht mehr gemacht hat ;-), sondern es dem Leser überlassen hat.


LG,
Dana





>Tja, bin jetzt durch und es geht mir wie dem guten alten Faust - ich bin so schlau als wie zuvor ;-)
>Der Schluß hängt merkwürdig in der Luft, mir fehlte da die letzte Auseinandersetzung mit dem Ehemann (vielleicht wollte die Autorin die lieber der Phantasie des Lesers überlassen). So richtig nachvollziehen konnte ich Ja'aras Verhalten bis zum Schluß nicht. Diese freiwillig in Kauf genommene Abhängigkeit von Arie, dieses Wissen, daß sie ihm nichts bedeutet und seine Art, sie wie Dreck zu behandeln, vor allem auch in den groben Sexszenen, das alles blieb mir fremd. Vielleicht bin ich da einfach zu anders als die Protagonistin.
>Ziemlich einfühlsam fand ich die Darstellung ihrer widerstreitenden Gefühle, ihre Verzweiflung, als sie merkt, daß sie es sich durch ihr Verhalten mit Joni wohl für immer verscherzt hat, ihre Betroffenheit über die Geschichte, die Arie mit ihren Eltern verbindet, die sie so weit treibt, sich zu wünschen, sie wäre nie geboren worden, damit Arie und ihre Mutter ihre Liebe hätten leben können. Ein aufwühlendes und verwirrendes Buch. Wenn ich es bewerten müßte, ich wüßte nicht, wie viele Sterne ich ihm zubilligen soll - vier bis fünf für die faszinierende sprachliche Gestaltung, vier für das Eintauchen in Ja'aras Gedanken- und Gefühlswelt oder zwei für die Schilderung der Beziehung zu Arie, die mir nicht wirklich plausibel wurde.
>LG
>Valentine (die sich eigentlich nicht für verklemmt hält, aber eine gewisse Moralvorstellung hat ;-) )

Bücher sind wie Freunde: Man braucht nur wenige, aber gute.

Ich lese gerade:

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Daniela » 23.09.2003, 12:10

Hallo Valentine,
dass der Schluss offen gelassen wurde hat mir sehr gut gefallen; ich wäre wahrscheinlich mit keiner der Lösungen, die mir hätten angeboten werden können zufrieden gewesen.

Mit ihrer Beziehung zu Ari ging es mir glaub ich ähnlich wie dir: eine Hörigkeit dieser Art ist mir so wesensfremd, dass ich sie nur schwer nachempfinden kann. Woraus diese Hörigkeit resultiert, was sie so stark macht, das war für mich zu wenig überzeugend; aber ich habe diesen Fakt dann als gegeben akzeptiert, und ab diesem Zeitpunkt hat es für mich dann auch wieder funktioniert.

Ich konnte mir auch die Situation mit Joni gut vorstellen; sie ist ihm herzlich zugetan, aber... die Leidenschaft fehlt, die Spannung. Es ist der alte, immer wieder beschriebene (und auch erlebte) Zwiespalt zwischen Sicherheit und Leidenschaft, zwischen einer Beziehung, deren Fundament in Vertrauen und Miteinander gegründet ist und dem überwältigenden Gefühl.

Die Sexszenen sind nicht gerade erotisch; aber ich finde, es passt vom Stil her zu der Art, wie Ari auch geschildert wurde. Daher ist das kein Manko, sondern für mich im Gegenteil eine Nuance, die sehr viel zur Stimmigkeit beiträgt.

Trotzdem: da mir die Thematik von "Mann und Frau" näher ist, wurde das für mich zum "besonderen" Buch, während ich Liebesleben "nur" sehr gut fand. Aber beides sind Bücher, die nachhallen - bei mir zumindest ;-)
LG, Daniela
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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Valentine » 23.09.2003, 14:13


Nachhallen tut das "Liebesleben" auch bei mir ganz gewaltig, keine Sorge ;-)


Die "Nicht-Erotik" der Sexszenen empfand auch ich nicht direkt als Fehler, weil Ari dadurch ziemlich gut charakterisiert wurde. Nur zur Anpreisung des Buches als "erotischer" Roman passen sie einfach nicht. Darunter stelle ich mir etwas Romantischeres vor.


Auf "Mann und Frau" bin ich ebenfalls neugierig und werde demnächst mal wieder in meine Bibliothek wandern (auf dass der eigene SUB nicht weiter wachse).


LG
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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Nele » 25.09.2003, 13:34


Mensch,
ich lese gerade Eure Beiträge und denke die ganze zeit, eigentlich müsstest Du die Namen doch alle kennen.... Joni, Ja`ara etc. Aber ich Idiot habe das Buch mit "Mann und Frau" verwechselt, DAS habe ich gelesen. Und, Valentine, ich kann es Dir ebenfalls nur sehr ans Herz legen!!
LG, Nele
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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Ilka » 29.09.2003, 16:05


Hallo Valentine, hallo Daniela.


Ich habe das Buch vor ca. zwei Jahren gelesen. Ich bin in der Buchhandlung zufällig darüber gestolpert, aber da der Klappentext "das erotischste Buch seit ...??? (Karasek?) anpries, mußte ich es einfach kaufen. Nun ja, unter Erotik hatte ich mir eigentlich auch etwas anderes vorgestellt (ich bin da wohl auch romantischer). Aber, diese Ankündigung war nicht ganz falsch, denn erotisch ist die Geschichte, auch wenn auf eine etwas andere Art,denn wie soll man die Beziehung von Ari und J'ara sonst umschreiben. Ich finde, daß es der Autorin hervorragend gelingt, die "dunkle Seite" einer Leidenschaft aufzudecken. Für mich persönlich ist es auch nicht ganz nachvollziehbar, sich in eine solche Abhängigkeit zu begeben und sich gleichfalls so demütigen zu lassen, aber man soll ja niemals nie sagen ;0))


Mich persönlich hat das Buch damals besonders berührt, da ich in einer fünfjährigen sehr harmonischen Beziehung steckte und unterbewußt wohl doch ein wenig unzufrieden war. Ich schob diese Zweifel jedoch immer zur Seite. "Liebesleben" beinhaltete manche Ansichten bzgl. der Beziehung von Jara und ihrem Mann, die auch auf mich zutrafen. Das war damals sehr schockierend und ungemütlich. Und deswegen hatte das Buch einen sehr persönlichen bitteren Beigeschmack.
Da sieht man doch wieder, welchen Einfluß Bücher auf unser Leben haben können (ich konnte nich mehr allzulange verdrängen!!!)


Viele Grüße
Ilka



>Tja, bin jetzt durch und es geht mir wie dem guten alten Faust - ich bin so schlau als wie zuvor ;-)
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>Ziemlich einfühlsam fand ich die Darstellung ihrer widerstreitenden Gefühle, ihre Verzweiflung, als sie merkt, daß sie es sich durch ihr Verhalten mit Joni wohl für immer verscherzt hat, ihre Betroffenheit über die Geschichte, die Arie mit ihren Eltern verbindet, die sie so weit treibt, sich zu wünschen, sie wäre nie geboren worden, damit Arie und ihre Mutter ihre Liebe hätten leben können. Ein aufwühlendes und verwirrendes Buch. Wenn ich es bewerten müßte, ich wüßte nicht, wie viele Sterne ich ihm zubilligen soll - vier bis fünf für die faszinierende sprachliche Gestaltung, vier für das Eintauchen in Ja'aras Gedanken- und Gefühlswelt oder zwei für die Schilderung der Beziehung zu Arie, die mir nicht wirklich plausibel wurde.
>LG
>Valentine (die sich eigentlich nicht für verklemmt hält, aber eine gewisse Moralvorstellung hat ;-) )

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Felix » 30.09.2003, 21:38


Hallo ich bin noch nicht ganz durch mit Liebesleben, was schlichtweg daran liegt das ich die Eigenheit habe bei guten Büchern immer auf den letzten Seiten zu bremsen, und Liebesleben ist ohne jeden Zweifel ein solches Buch also zögere ich kräftig es zu Ende zu lesen.


Darauf gekommen bin ich ganz einfach durch diese Seite hier, ich las die Kommentare der weiblichen Leser und wurde einfach neugierig, wenn derart auf das Verhalten der Protagonistin geschimpft wird, es moralisch verwerflich und völlig unverständlich bleibt, dann sagte ich mir steckt in dieser Geschichte wohl eine unbequeme, ungern gesehene Wahrheit, und mein Vermutung täuschte mich nicht.


Das eigentliche „schockierende“ an diesem Buch ist nicht die explizite Darstellung der sexuellen Abhängigkeit und der Selbstverleugnung Jaaras sondern der schonungslose
klare und völlig authentische Einblick den man in Ihr weibliches Seelenleben erhält, eine Offenheit wie ich Sie sehr selten in einem Buch gefunden habe, da hilft es einem nicht die moralische Keule heraus zu holen und drauf einzuschlagen, mir selbst war überhaupt nicht danach, ich empfand diesen Einblick auch nicht als dunkel oder fremd im Gegenteil mit jeder Zeile kam Sie mir näher in Ihrer Verlorenheit und ihren Selbstzweifeln, und ich begleitete Sie auch Ihrer verworrenen Suche nach Liebe, die hier geschilderten stummen Gedanken und Gefühle finden sich in jedem verdrängt schlummernden Unterbewusstsein wieder und niemand kennt den Grund und das Ziel, wenn Sie plötzlich aus heraus brechen und sein allzu geordnetes Leben, von einer Sekunde auf die andere völlig auf den Kopf stellen, und er sich selbst ein wenige Tage später nicht wieder erkennt.

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Bruna » 01.10.2003, 08:48


hallo felix,
du hast *liebesleben* hier sehr schön beschrieben. genau so erging es mir auch beim lesen. ich finde dieses buch wunderbar und ja'aras handeln auch weder moralisch verwerflich noch abwegig (so etwas kommt selbst im real life sehr häufig vor *g*).
ich habe auch *mann und frau* von zeruya shalev gelesen, d.h. ich habe bisher zweimal den versuch gestartet *g*, aber bin nie über die ersten 80 seiten hinaus gekommen. der ehemann in diesem roman hat mich einfach zu sehr genervt ;-) .... aber irgendwann werde ich sicher auch dieses buch schaffen.


ich bin auch schon sehr neugierig wann und vor allem was wir neues von ZS erwarten dürfen.


lg bruna



>Hallo ich bin noch nicht ganz durch mit Liebesleben, was schlichtweg daran liegt das ich die Eigenheit habe bei guten Büchern immer auf den letzten Seiten zu bremsen, und Liebesleben ist ohne jeden Zweifel ein solches Buch also zögere ich kräftig es zu Ende zu lesen.
>Darauf gekommen bin ich ganz einfach durch diese Seite hier, ich las die Kommentare der weiblichen Leser und wurde einfach neugierig, wenn derart auf das Verhalten der Protagonistin geschimpft wird, es moralisch verwerflich und völlig unverständlich bleibt, dann sagte ich mir steckt in dieser Geschichte wohl eine unbequeme, ungern gesehene Wahrheit, und mein Vermutung täuschte mich nicht.
>Das eigentliche „schockierende“ an diesem Buch ist nicht die explizite Darstellung der sexuellen Abhängigkeit und der Selbstverleugnung Jaaras sondern der schonungslose
>klare und völlig authentische Einblick den man in Ihr weibliches Seelenleben erhält, eine Offenheit wie ich Sie sehr selten in einem Buch gefunden habe, da hilft es einem nicht die moralische Keule heraus zu holen und drauf einzuschlagen, mir selbst war überhaupt nicht danach, ich empfand diesen Einblick auch nicht als dunkel oder fremd im Gegenteil mit jeder Zeile kam Sie mir näher in Ihrer Verlorenheit und ihren Selbstzweifeln, und ich begleitete Sie auch Ihrer verworrenen Suche nach Liebe, die hier geschilderten stummen Gedanken und Gefühle finden sich in jedem verdrängt schlummernden Unterbewusstsein wieder und niemand kennt den Grund und das Ziel, wenn Sie plötzlich aus heraus brechen und sein allzu geordnetes Leben, von einer Sekunde auf die andere völlig auf den Kopf stellen, und er sich selbst ein wenige Tage später nicht wieder erkennt.

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon ina » 01.10.2003, 13:08


>Hallo ich bin noch nicht ganz durch mit Liebesleben, was schlichtweg daran liegt das ich die Eigenheit habe bei guten Büchern immer auf den letzten Seiten zu bremsen, und Liebesleben ist ohne jeden Zweifel ein solches Buch also zögere ich kräftig es zu Ende zu lesen.
>Darauf gekommen bin ich ganz einfach durch diese Seite hier, ich las die Kommentare der weiblichen Leser und wurde einfach neugierig, wenn derart auf das Verhalten der Protagonistin geschimpft wird, es moralisch verwerflich und völlig unverständlich bleibt, dann sagte ich mir steckt in dieser Geschichte wohl eine unbequeme, ungern gesehene Wahrheit, und mein Vermutung täuschte mich nicht.
>Das eigentliche „schockierende“ an diesem Buch ist nicht die explizite Darstellung der sexuellen Abhängigkeit und der Selbstverleugnung Jaaras sondern der schonungslose
>klare und völlig authentische Einblick den man in Ihr weibliches Seelenleben erhält, eine Offenheit wie ich Sie sehr selten in einem Buch gefunden habe, da hilft es einem nicht die moralische Keule heraus zu holen und drauf einzuschlagen, mir selbst war überhaupt nicht danach, ich empfand diesen Einblick auch nicht als dunkel oder fremd im Gegenteil mit jeder Zeile kam Sie mir näher in Ihrer Verlorenheit und ihren Selbstzweifeln, und ich begleitete Sie auch Ihrer verworrenen Suche nach Liebe, die hier geschilderten stummen Gedanken und Gefühle finden sich in jedem verdrängt schlummernden Unterbewusstsein wieder und niemand kennt den Grund und das Ziel, wenn Sie plötzlich aus heraus brechen und sein allzu geordnetes Leben, von einer Sekunde auf die andere völlig auf den Kopf stellen, und er sich selbst ein wenige Tage später nicht wieder erkennt.


Danke, ich überlege die ganze Zeit, wie ich es beschreiben soll. Ich habe das Buch vor etwa einem Jahr gelesen (den Tipp habe ich mir auch hier geholt).

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Felix » 01.10.2003, 17:29


Hallo Bruna,


ein nervender Ehemann den Frau keine 80 Seiten erträgt?, hmmm das werde ich wohl als nächstes lesen.


Gruss Felix

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Re: Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Valentine » 02.10.2003, 11:49


Daß es häufig vorkommt, daß eine Frau aus einer unbefriedigenden Ehe in eine Affäre flüchtet, will ich gar nicht abstreiten, liebe Bruna ;-)


Was ich an der Sache hier nicht verstehe, war, warum Ja'ara sich ausgerechnet auf Arie eingelassen hat. War es gerade seine grobe, erniedrigende Art, die sie insgeheim gereizt hat? Vielleicht gibt es Menschen, die so etwas "brauchen" oder sich nicht aus einem derartigen Verhältnis lösen können (wie auch bei Anne-Sophie Brasme: "Dich schlafen sehen"). Ja'ara ist besessen von Arie, ohne ihn wirklich zu lieben - so kam es mir vor. Die Abhängigkeit von ihm, der Haß, das Begehren liegt alles sehr nahe beieinander; sie flieht aus der "Abhängigkeit" der Ehe in eine Obsession, die sie genauso wenig frei macht. Sie weiß genau, daß sie sich den Rückweg in die Ehe verbaut hat, indem sie Joni betrogen hat, doch die Affäre mit Arie wird nicht von Dauer sein. Insofern paßt das offene Ende gut - und der Rückzug in die Bibliothek symbolisiert möglicherweise die momentane Flucht vor der ungewissen Zukunft.


Ja'aras Gefühle werden sehr eindringlich geschildert, häufig auch für mich gut nachvollziehbar, aber die Art der Beziehung zu Arie - damit konnte ich wenig anfangen, weil ich persönlich da ganz anders veranlagt bin...


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Zeruya Shalev: Liebesleben

Beitragvon Tine » 31.10.2003, 11:31


Liebe Valentine,


ich lese gerade "Liebesleben" und mir geht es ähnlich wie Dir. Besonders am Anfang habe ich mich schwer getan, mit dem doch etwas anderen Schreibstil. Nun bin ich auf den letzten 100 Seiten und muß sagen, daß die Geschichte mich doch irgendwie fasziniert. Wahrscheinlich liegt das nicht nur an der Geschichte selbst, sondern auch an dem Stil der Autorin. Die wörtliche Rede mitten im Satz ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, aber Shalev kann so wunderbar Geschichten in der Geschichte erzählen, was ich sehr liebe.


Die Ich-Erzählerin Ja`ara möchte man schon ab und an schütteln, um sie aus ihrer Verwirrung zu reißen. Und jedesmal wenn sie beschreibt, wie abstoßend sie Arie eigentlich findet, will man schon aufatmen und denkt "endlich, jetzt hat sie es kapiert" und keine Seite später kratzt sie schon wieder an seiner Tür. Aber das macht diese Geschichte wohl aus. Daß man Ja`ara eben so gerne die Augen öffnen möchte. Wie gesagt, ich habe noch knapp 100 Seiten vor mir und bin schon sehr gespannt auf das Ende dieser Geschichte.


Die ersten 50 Seiten hatten mich nicht überzeugt, aber irgendwann ist man doch gefesselt. Mir gefällt noch sehr gut, daß die Autorin keine ihrer Figuren besonders liebenswert "gemacht" hat. Ja`ara, Joni, Arie und die Eltern haben alle etwas, das sie nicht zum "Leserliebling" macht. Es ist interessant, eine Geschichte zu lesen, in der man für keine der Hauptpersonen übermäßige Sympathie empfindet. Hattet Ihr auch dieses Gefühl??


Soviel zu diesem Buch. Liebe Grüße, Tine


>Nach der Lektüre von Shalevs "Liebesleben" war ich ja bekanntermaßen ziemlich hin- und hergerissen: inhaltlich konnte ich mich mit der Handlung überhaupt nicht identifizieren, sprachlich war das Buch allerdings erstklassig.
>Jetzt habe ich auch Shalevs zweites Buch gelesen und kann DANIELA nur zustimmen, die es zum "Besonderen Buch" erklärt hat. Die schnörkellose Erzählweise ohne echte wörtliche Rede und mit nur wenig Absätzen kannte ich bereits aus dem "Liebesleben". Schon dieses Buch zog mich in seinen Bann, obwohl ich mich über die Handlung häufig geärgert habe, aber bei "Mann und Frau" war es völlig um mich geschehen. Shalev reißt den Leser in einen Strudel aus Ereignissen und aufgewühlten Gefühlen, so daß es ziemlich schwierig ist, das Buch aus der Hand zu legen (leider konnte ich nicht so dranbleiben, wie ich gewollt hätte *grrrr*).
>Wie diese Familie zerbricht, wie Na'amas kleine heile Welt in sich zusammenstürzt und ihr Leben vollkommen durcheinandergerät, schildert sie auf eine sehr berührende und trotzdem gänzlich unsentimentale Art. Und sie wagt es, auch die kleinen, unangenehmen Dinge anzusprechen, die unseren Alltag begleiten und die man meist schweigend hinnimmt, die sich aber über lange Sicht anhäufen können, bis das "Maß voll" ist. Sehr menschlich gezeichnet fand ich auch die Passagen über Na'amas Arbeit mit schwangeren Teenagern. Und auch in diesem Buch wieder ein eher offener Schluß: Udi kommt zurück, um den Geburtstag der Tochter zu feiern - aber was wird danach sein? Kehrt er zu seiner Familie zurück, oder verabschiedet er sich nach dem Fest wieder zu seiner Geliebten?
>Mit diesem Buch hat mich Zeruya Shalev endgültig überzeugt, diesmal kam zu der wunderbaren Sprache eine Geschichte hinzu, in die ich mich wirklich hineinversetzen konnte. Auch ein Buch, das zum Nachdenken über Freiheit in Beziehungen anregt. Hoffentlich liest man von ihr noch mehr!
>LG
>Valentine

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Wenig sympathische Hauptpersonen

Beitragvon Valentine » 31.10.2003, 11:48


Deine Beschreibung, liebe Tine, trifft den Nerv ganz gut. Oft ist es ja so, daß ich zu Büchern, in denen mir die Hauptperson nicht liegt, keinen richtigen Zugang finde, aber "Liebesleben" war ein Buch, bei dem das nicht der Fall war.


Ähnlich ging es mir mit dem "Liebeswunsch" von Dieter Wellershoff - da war mir niemand total unsympathisch, es gab aber auch keine wirkliche Identifikationsfigur, die ich rundum sympathisch fand. Trotzdem hatte ich an dem Buch sehr viel Freude, weil die Personen so lebendig wurden.


Und natürlich das "Parfüm" von Süskind. Grenouille ist wohl einer der abscheulichsten Roman"helden" der letzten Jahre, aber das Buch ist faszinierend!


Nochmal zu Shalev: "Mann und Frau", was ich gerade beendet habe, ist meiner Meinung nach noch besser als "Liebesleben", vielleicht, weil ich mich da mit der Hauptperson besser identifizieren konnte (siehe mein Posting weiter unten). Wenn Du das irgendwann mal in die Finger bekommen solltest, unbedingt lesen!


LG
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Re: Wenig sympathische Hauptpersonen

Beitragvon Tine » 31.10.2003, 14:38


Liebe Valentine,


vielen Dank für den Link auf die "Liebesleben"-Diskussion. Habe es nachgelesen und weiß jetzt leider schon, daß es ein offenes Ende hat. Aber macht nix, werde trotzdem begeistert weiterlesen. "Mann und Frau" werde ich natürlich auch noch lesen. Aber nicht sofort. Mein SUB muß erst mal etwas schrumpfen, bevor ich mir die nächsten Bücher anschaffe. Aber das Problem kennen ja die meisten ;-). Außerdem lese ich nicht gerne zwei Bücher vom selben Autor hintereinander. Da schiebe ich jetzt erst mal ein paar andere dazwischen.


Was liest Du jetzt?


Liebe Grüße, Tine


>Deine Beschreibung, liebe Tine, trifft den Nerv ganz gut. Oft ist es ja so, daß ich zu Büchern, in denen mir die Hauptperson nicht liegt, keinen richtigen Zugang finde, aber "Liebesleben" war ein Buch, bei dem das nicht der Fall war.
>Ähnlich ging es mir mit dem "Liebeswunsch" von Dieter Wellershoff - da war mir niemand total unsympathisch, es gab aber auch keine wirkliche Identifikationsfigur, die ich rundum sympathisch fand. Trotzdem hatte ich an dem Buch sehr viel Freude, weil die Personen so lebendig wurden.
>Und natürlich das "Parfüm" von Süskind. Grenouille ist wohl einer der abscheulichsten Roman"helden" der letzten Jahre, aber das Buch ist faszinierend!
>Nochmal zu Shalev: "Mann und Frau", was ich gerade beendet habe, ist meiner Meinung nach noch besser als "Liebesleben", vielleicht, weil ich mich da mit der Hauptperson besser identifizieren konnte (siehe mein Posting weiter unten). Wenn Du das irgendwann mal in die Finger bekommen solltest, unbedingt lesen!
>LG
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Beitragvon Anja » 08.01.2004, 17:33

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Zuletzt geändert von Anja am 04.06.2013, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zeruya Shalev - Liebesleben

Beitragvon Valentine » 08.01.2004, 17:36


[i]"Liebesleben" hab ich vor ein paar Monaten gelesen und war hin- und hergerissen zwischen Unwohlsein und toller Sprache[/i]


Kommt mir bekannt vor. Einerseits diese herrliche, fast süchtigmachende Sprache und die absolut nachvollziehbaren Einblicke in das Gefühlsleben der Protagonistin - und andererseits eine Handlung, die mir völlig zuwider ist...


Die Shalev-Threads (zumindest die letzten beiden) dürften auf meinem Mist gewachsen sein ;-)


LG
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Re: Zeruya Shalev - Liebesleben

Beitragvon Felix » 11.01.2004, 01:06


Einerseits diese herrliche, fast süchtigmachende Sprache und die absolut nachvollziehbaren Einblicke in das Gefühlsleben der Protagonistin - und andererseits eine Handlung, die mir völlig zuwider ist...


Warum handelst du nicht manchmal auch einfach aus Gefühlen heraus? Wenn ich die Gefühle nachvollziehen kann, sollte mir auch die Handlung nicht völlig fremd sein oder? Verstehe ich nicht ganz.


Felix

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Re: Zeruya Shalev - Liebesleben @Felix

Beitragvon Valentine » 12.01.2004, 12:08


[i]Warum handelst du nicht manchmal auch einfach aus Gefühlen heraus? Wenn ich die Gefühle nachvollziehen kann, sollte mir auch die Handlung nicht völlig fremd sein oder? Verstehe ich nicht ganz.[/i]


Natürlich handle ich auch öfter mal "aus dem Bauch heraus". Aber während ich gewisse Aspekte von Ja'aras Gefühlsleben nachvollziehen konnte, vermochte ich mich nicht in diese blinde Abhängigkeit von Arie hineinzuversetzen, die sie freiwillig in Kauf nimmt.


LG
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