Karen Duve - Regenroman

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Ich will Humor und Gräuel über die Erde kommen lassen (K. Duve: Regenroman)

Beitragvon AllgemeinerUser » 05.11.2002, 21:04

Es war dunkel und feucht. Mit einer Taschenlampe in der Hand suchte ich nach den Schnecken, als sie auf dem Misthaufen übereinander krochen, dachte ich an Leon, den Schriftsteller aus dem Regenoman. Völlig erschöpft glaubte er, sein Garten von den speichelnden Tieren befreit zu haben, doch o weh! “Die weiße Schnecke bäumte sich auf wie ein Zirkustier, reckte den Vorderkörper in die Luft und spreizte die Fühler zu einem V. V wie Victory.“
Die Gewinnerin ist aber auch die Duve. Es ist ihr nämlich gelungen, mit einem Roman, trotz dessen etwas verdünnter Handlung und nicht besonders eindrucksvollem Stil, die Leserschaft in Begeisterung zu versetzen. Ihre Erfolgsformel ist eine Mischung aus sintflutartigen Gräuelszenen und aus einerseits gutmutigem aber auch unbitterlich realistischem Humor. Vergewaltigung, Mord, babyfressender Bullterrier und DAS GEHEIME LEBEN DER HUNDE.
Regenroman ist eine bizarre Geschichte, wo diejenigen, die ein FIT FOR LIFE T-Shirt tragen, ihr eigenes Leben gar nicht im Griff haben, und das Moor nur den Menschen zuliebe so tükisch zu sein scheint. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt bloß falsche Kleidung.“, wird auf der ersten Seite ein Englisches Sprichwort zitiert. Das Ehepaar, Leon und Martina, entscheiden sich für das Haus am Rande eines ostdeutschen Moores, wo Leon sie Biographie eines Ex-Boxer-Kriminellen zu Ende schreiben will. Aber es regnet ununterbrochen und seine Arbeit gedeiht keinesfalls, nur er wird immer dicker, lahmer und feuchter. Die ungeschickt angedeutete Kriminalgeschichte, löst sich nie auf. Die Autorin behauptet, der Roman sei ein Anti-Krimi. Die kausalen Beziehungen zerfallen immer wieder wie das modrige Haus. „Irgendwann war er [Leon] geboren, und jetzt starb er, und was sich dazwischen ereignet hatte, machte nicht viel Sinn.“
Aber der Humor! „Es war nicht viel Wasser in der Wanne. Den meisten Raum nahm Leon selbst ein, sein vom stundenlangen Liegen im Wasser verquollen und runzelig gewordener Körper, der sich wie Teig in die Form der Wanne schmiegte. Das war einer der wenigen Vorteile, wenn man fett war – man brauchte kaum noch Badewasser.“ Traurig, nicht wahr?
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Supergutes Buch

Beitragvon Nina (NN) » 24.05.2004, 10:16

also eines muss ich sagen, der regenroman ist mit abstand eines der besten bücher was ich je gelesen habe und mein beruf ist buchhändlerin! es ist sehr spannend geschrieben, wobei ich auch sagen muss es ist zeitweise sehr grotesk was mir sehr gefällt. da ich gerade in der berufschule bin und wir ein buch präsentieren müssen, habe ich mich für dieses buch entschieden, da ich der meinung bin, dass es gelesen werden sollte.


mfg
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Re: Regenroman, Karen Duve

Beitragvon Valentine » 22.07.2004, 13:06


Den "Regenroman" habe ich soeben abgebrochen. Danielas Rezi spricht mir (wieder mal) aus der Seele.


Wie kann ein so langweiliges, hanebüchenes Buch so überschätzt werden? Statt das Innenleben ihrer Protagonisten psychologisch auszuloten, wirft Karen Duve eine überzeichnete, realitätsfremde Figur nach der anderen in eine öde, an den Haaren herbeigezogene Handlung.


Zwischendurch hatte ich ab und zu das Gefühl "ja, das ist schön beobachtet", z.B. Martinas Besuch bei ihren Eltern, ihre Bulimie. Doch die sexuellen Verirrungen des Krämers, Leons Schneckenmordaktion und nicht zuletzt der unsympathische Harry gingen mir in dieser Reihenfolge derart auf den Wecker, dass ich das Handtuch geworfen habe.


LG
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Re: Regenroman, Karen Duve

Beitragvon Daniela » 22.07.2004, 22:09


Danke, Valentine ;-) irgendwie finde ich es doch immer wieder beruhigend, mit meiner Meinung nicht alleine dazustehen...


Was mich bei dem Buch auf die Frage bringt: wenn ein Buch im Voraus so gelobt wurde und es dir nicht gefällt - gibst du dem Roman dann trotzdem mehr Chancen, als wenn du noch nie was darüber gehört hättest? Nach dem Motto: es muss doch was dran sein? Geht mir jedenfalls so, ich zweifle dann auch immer daran, ob ich eventuell einfach nicht in der Lage bin, die Qualität zu erkennen...


LG, Daniela

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Re: Regenroman, Karen Duve

Beitragvon Valentine » 23.07.2004, 09:37


[i]Danke, Valentine ;-) irgendwie finde ich es doch immer wieder beruhigend, mit meiner Meinung nicht alleine dazustehen... [/i]


Gern geschehen *knicks*


[i]Was mich bei dem Buch auf die Frage bringt: wenn ein Buch im Voraus so gelobt wurde und es dir nicht gefällt - gibst du dem Roman dann trotzdem mehr Chancen, als wenn du noch nie was darüber gehört hättest? Nach dem Motto: es muss doch was dran sein? Geht mir jedenfalls so, ich zweifle dann auch immer daran, ob ich eventuell einfach nicht in der Lage bin, die Qualität zu erkennen...[/i]


Nein, mehr Chancen hat ein Buch bei mir durch Vorschusslorbeeren definitiv nicht. Ich behalte mir das Recht vor, auch etwas literaturkritisch Hochgelobtes nicht zu mögen ;-) Lobeshymnen reizen mich immer, ihnen auf den Grund zu gehen und zu schauen, ob mir das Buch auch so gut gefällt oder ob es wieder mal gar nix für mich ist.


Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Buch lese, das durch alle Feuilletons geistert, ist zwar höher - aber nicht die, dass ich mich zwinge, es zu mögen :-)


LG
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Re: Vielgelobte Bücher

Beitragvon Dana » 23.07.2004, 10:19


>[i]Was mich bei dem Buch auf die Frage bringt: wenn ein Buch im Voraus so gelobt wurde und es dir nicht gefällt - gibst du dem Roman dann trotzdem mehr Chancen, als wenn du noch nie was darüber gehört hättest? Nach dem Motto: es muss doch was dran sein? Geht mir jedenfalls so, ich zweifle dann auch immer daran, ob ich eventuell einfach nicht in der Lage bin, die Qualität zu erkennen...[/i]
>Nein, mehr Chancen hat ein Buch bei mir durch Vorschusslorbeeren definitiv nicht. Ich behalte mir das Recht vor, auch etwas literaturkritisch Hochgelobtes nicht zu mögen ;-) Lobeshymnen reizen mich immer, ihnen auf den Grund zu gehen und zu schauen, ob mir das Buch auch so gut gefällt oder ob es wieder mal gar nix für mich ist.
>Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Buch lese, das durch alle Feuilletons geistert, ist zwar höher - aber nicht die, dass ich mich zwinge, es zu mögen :-)


Hallo ihr beiden,


mir geht es mit den vielgelobten Bücher auch so wie dir, Valentine: ich stechen mir eher ins Auge u. wollen gelesen werden, nicht aber unbedingt gemocht.
Ich habe bei mir aber das Gegenteil beobachtet: ich tendiere, solchen Büchern eher Unrecht zu tun, indem meine Ansprüche an sie viel zu hoch sind. Das wäre mir zuletzt z.B. bei Franziska Gerstenberg fast passiert.


LG, eine schöne Sommerzeit euch,
Dana

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Re: Vielgelobte Bücher - Karen Duve

Beitragvon Anja » 26.07.2004, 15:38


>>[i]Was mich bei dem Buch auf die Frage bringt: wenn ein Buch im Voraus so gelobt wurde und es dir nicht gefällt - gibst du dem Roman dann trotzdem mehr Chancen, als wenn du noch nie was darüber gehört hättest? Nach dem Motto: es muss doch was dran sein? Geht mir jedenfalls so, ich zweifle dann auch immer daran, ob ich eventuell einfach nicht in der Lage bin, die Qualität zu erkennen...[/i]
>>Nein, mehr Chancen hat ein Buch bei mir durch Vorschusslorbeeren definitiv nicht. Ich behalte mir das Recht vor, auch etwas literaturkritisch Hochgelobtes nicht zu mögen ;-) Lobeshymnen reizen mich immer, ihnen auf den Grund zu gehen und zu schauen, ob mir das Buch auch so gut gefällt oder ob es wieder mal gar nix für mich ist.
>>Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Buch lese, das durch alle Feuilletons geistert, ist zwar höher - aber nicht die, dass ich mich zwinge, es zu mögen :-)
>Hallo ihr beiden,
>mir geht es mit den vielgelobten Bücher auch so wie dir, Valentine: ich stechen mir eher ins Auge u. wollen gelesen werden, nicht aber unbedingt gemocht.
>Ich habe bei mir aber das Gegenteil beobachtet: ich tendiere, solchen Büchern eher Unrecht zu tun, indem meine Ansprüche an sie viel zu hoch sind. Das wäre mir zuletzt z.B. bei Franziska Gerstenberg fast passiert.
>LG, eine schöne Sommerzeit euch,
>Dana



Den "Regenroman" kenne ich nicht, aber ihre Kurzgeschichten in "Keine Ahnung" sind fantastisch, finde ich!

Anja
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Re: Vielgelobte Bücher - Karen Duve

Beitragvon Mischa (NN) » 29.07.2004, 08:32


>
>Den "Regenroman" kenne ich nicht, aber ihre Kurzgeschichten in "Keine Ahnung" sind fantastisch, finde ich!



Stimmt und beide Romane sind im Vergleich mit diesen Geschichten ein Abstieg.


Grüße M.

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