Leon de Winter - Leo Kaplan

Hier ist Raum für alles rund um Bücher: Eindrücke nach dem Lesen, Rezensionen, Fragen, Austausch...

Leo Kaplan von Leon de Winter

Beitragvon Bruna » 06.03.2001, 23:22


Daniela,
ich habe zwar erst 5 Kapitel, d.s. 82 Seiten des Buches gelesen - und bin hingerissen!
Für eine genauere Analyse ist es in Anbetracht der 543 Seiten, die ich langsam und genußvoll lesen werde, noch zu früh. Davon nach meinem Urlaub in 14 Tagen.
Am liebsten würde ich das Buch in einem "verschlingen". Aber nein, langsam und bewußt und nach jedem Kapitel einige Notizen machen. So will ich es genießen.
Liebe grüße Bruna
servus aus Wien,
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Leon de Winter

Beitragvon Daniela » 03.04.2001, 00:42

Das war heute mal eine Lesung so ganz nach meinem Geschmack!
Ihr Wienerinnen, die ihr diesen liebenswerten Schriftsteller am 12. April erleben dürft - freut euch! Das lohnt sich wirklich! Und für alle anderen: wenn er noch in euer Nähe kommt, dann würde ich mir die Chance nicht entgehen lassen...

Leon de Winter, das dunkle Haar sorgfältig etwas in Unordnung gebracht, mit Brille und Anzug, hatte uns erstmal drauf hingewiesen, dass das Bild auf dem Buchumschlag ihn um 15 Jahre jünger und 10 Kilo leichter zeigen würde. Er hätte "Leo Kaplan" selbst schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gelesen und nun, anlässlich seiner Lesereise, natürlich nochmals durchgelesen. Und er müsse sagen: dieser Schriftsteller vor fünfzehn Jahren, der hätte damals ein wirklich ordentliches Buch geschrieben! Er wäre jedenfalls vom Talent dieses Schriftstellers ganz angetan gewesen.

Dann hatte er eine längere Passage aus dem Buch vorgelesen - als ihn, nachdem er bei Hannah ausziehen musste, seine erste Frau ihn dem Loch anruft, das er zu dieser Zeit bewohnt. Ihn diese ohnehin schon ziemlich witzige Passage auch noch selber mit seinem reizenden Akzent vorlesen zu hören, hat unheimlich Spaß gemacht.

Danach konnte man ihm noch ein paar Fragen stellen... ich versuche mal, noch alles zusammenzubringen, was so gefragt wurde:

- Warum die Bücher erst jetzt ins Deutsche übersetzt worden wären?
Weil damals, als das Buch in den Niederlanden erschien, in Deutschland noch kein Hahn nach Literatur aus dem Nachbarland gekräht hätte. Mit der Buchmesse 1993 - Schwerpunkt Niederlande - habe sich die Situation drastisch verändert. (das ist sogar mir schon aufgefallen *g*)

- was denn nun aus der angekündigten Verfilmung von "Der Himmel über Hollywood" geworden wäre?
Da hätte er gerade einen Blick reingeworfen, es wäre ein guter Film geworden. Der allerdings schon Mitte März hätte fertig sein sollen. Was er definitiv nicht ist ;-) aus einem Grund, den ich schon wieder vergessen habe, hatten die Dreharbeiten länger gedauert als geplant. Seine Vermutung war, dass der Film eventuell im Herbst hier ins Kino kommen könnte. Es wäre ein schöner, leichter und heiterer Film geworden.

- er hätte doch auch mal geplant gehabt, in Europa große Filme zu drehen?
Ja, der Plan bestünde auch nach wie vor. Und im letzten Jahr hat er wohl auch 8 Monate lang daran gearbeitet, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. 100 Millionen. Aber: wie gewonnen, so zerronnen... wie im Buch ist die Finanzierung geplatzt.

- und warum?
Am 20. Dezember, um 16:45, habe sein Handy geklingelt. Seine Bank war dran, um ihm kurz die Pressemitteilung zu verlesen, die schon am Fax lag: die Bank würde ihre Beteiligung zurückziehen. Keine Diskussion mehr möglich...

- existieren noch mehr ältere Bücher von ihm, die noch ins Deutsche übersetzt werden?
ja. Aber die wären vor Leo Kaplan entstanden. und bei diesem Buch habe er das erste Mal seine Erzählfreude so richtig ausgelebt, habe auch mit Lust herumfabuliert. Die älteren Bücher wären formaler, strenger.

- und schreibt er an etwas Neuem?
Ja!!! Ein Roman mit dem Titel "Der Kaufmann von Venedig". Ja, irgendwer hätte ihn darauf hingewiesen, dass irgendwann schon mal ein Schriftsteller diesen Titel verwendet hätte. Auf jeden Fall hat er seinem Verleger versprochen, dass das Buch am 25. November erscheinen kann. Denn am 25. November ist vor 25 Jahren auch sein allererstes Buch erschienen. Und das will der Verlag dann zu einem großen Werbefeldzug nutzen: 25 Jahre Schriftsteller - also kostet das neue Buch 25 Tage lang 25 Gulden, danach 50! Wenn wir Glück haben, ist die deutsche Übersetzung dann im Frühling auch für uns erhältlich...

Es war wirklich eine sehr unterhaltsame Stunde mit diesem Autor, der - ich kanns nicht anders beschreiben - absolut knuffig wirkt. Am liebsten möchte man ihn (trotz Anzug) am Arm fassen, zur nächsten Bar schleppen und bei ein paar Bierchen eine feucht-fröhliche Unterhaltung anfangen.

Ich war wirklich sehr angetan, und werde ihn mir bei der nächsten sich mir bietenden Gelegenheit bestimmt nochmals ansehen!
Liebe Grüße,
Daniela
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Leo Kaplan

Beitragvon Tomke » 22.07.2002, 10:11

Hallo Daniela und Meike,
ich kann ja die Begeisterung über Leo Kaplan so gar nicht verstehen. Ich konnte es schier nicht zuende lesen. Zuvor hatte ich "Sokolovs Universum" gelesen und war begeistert. Daher wollte ich mich dann auch auf Leo Kaplan stürzen. Nach ungefähr 250 Seiten bin ich aufs Diagonallesen umgestiegen, weil ich's nicht mehr ertragen konnte. Unbestreitbar sind da großartige Szenen drin, und de Winter kann hervorragend erzählen. Aber das Buch ist m. E. mindestens 200 Seiten zu lang. Die Handlung und Entwicklung steht völlig. Die immer sich wiederholenden Schilderungen der Affären, die Leo eingeht, um sich in seiner Männlichkeit und Potenz zu bestätigen - auf der Suche nach der Einen, die er verlassen hat (oder sie ihn?), haben mich nicht nur unsäglich gelangweilt, sondern schließlich auch angewidert.
Schade ist, dass ich jetzt nicht so richtig Mut habe, noch einen anderen de Winter zu probieren, weil mein Bild von ihm so widersprüchlich ist... Was soll ich tun?
Gruß
Tomke
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Leo Kaplan von Leon de Winter

Beitragvon Meike » 10.10.2003, 15:22

Hallo!
Ich lese gerade Leo Kaplan und bin sehr angetan von dem Buch. Es ist nach Supertex und Hoffmanns Hunger das dritte Buch, das ich von Leon de Winter lese und von den dreien gefällt mir auch dieses am Besten. In den vielen miteinander verzahnten Geschichten fällt immer wieder auf, wie leicht zerbrechlich doch die Liebe ist. Durch einfache Dinge, Missverständnisse, wie eine Jacke im falschen Auto oder fehlende Kommunikation. Über den Satz "Sieht so aus, als sei Liebe allein nicht genug, wenn zwei Menschen mehr oder weniger glücklich zusammenleben wollen, oder was meinst du?" habe ich mit meinem Freund fast einen ganzen Abend dikutiert. De Winter beschreibt sehr eindrucksstark die Partnerschaften. Ich habe gerade das Kapitel über die Jugendliebe von Leo und Ellen gelesen, die "Liebe unter der Glocke" und habe das Gefühl ich müsste erstmal das Gelesene verdauen. Es sind so viele Einflüsse und kleine Entscheidungen die ein Leben nachher ausmachen.
Das Buch regt mich wahnsinnig zum NAchdenken an.


Viele Grüße
Meike

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Re: Leo Kaplan von Leon de Winter

Beitragvon AllgemeinerUser » 10.10.2003, 18:49

Liebe Meike,
mir liegt das Buch auch sehr am Herzen und das aus fast den gleichen Gründen
wie bei Dir.Es gehört zu meinen Lieblingsbüchern und ich finde,dass dieses
Buch Leon de Winters bestes ist! ("Sokolows Universum" folgt darauf,
allerdings mit einigem Abstand")
Viel Spass wünsche ich Dir dann noch mit dem Rest der Lektüre!
LG
Valeska
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Leo Kaplan

Beitragvon Petra » 23.02.2004, 11:39

Hallo Daniela, Hallo alle zusammen,


da ich vor einiger Zeit von Daniela hier den Tipp bekommen habe "Leo Kaplan" von Leon de Winter zu lesen, wollte ich mich hier dazu mal kurz zu Wort melden, denn genau das Buch lese ich gerade! Und, was soll ich sagen, der Tipp war goldrichtig für mich! Mir gefällt das Buch ausgesprochen gut und es ist bestimmt nicht das Letzte was ich von de Winter lese, sondern lediglich das Erste!


De Winter schreibt außergewöhnlich offen und direkt, gerade wenn es um das EINE geht. Herzerfrischend. Aber nicht nur das, sondern die ganze Art, mit der er seine Figuren betrachtet, Nebenfäden knüpft (rosa Tischtuch - für alle, die das Buch schon kennen), aber auch das Verständnis des menschlichen Miteinanders und Drumherum, sowie die Wurzeln, die ein Mensch nicht abschütteln kann und ihn zu Handlungsweisen verleiten, die nicht gut tun.


Das wollte ich nur gerade los werden, als auch einen Dank an Daniela für den tollen Tipp!!


Was macht das Bein? Weiterhin gute Besserung!


Herzliche Grüße allseits,
Petra

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Re: Leo Kaplan

Beitragvon Arlene » 23.02.2004, 14:10


Hallo Petra, Daniela und alle zusammen!


Viel ist der Meinung von Petra nicht hinzuzufügen, denn mir gefällt das Buch auch sehr gut. Die Nebenhandlungen z. B. rosa Tischtuch, Leos versoffener Nachbar Jaap finde ich zwar verzichtbar, aber dafür gefällt mir umso besser die Beschreibung der Wurzeln, die die Protagonisten nicht abschütteln können, auch wenn sie es noch so gerne wollen. Stichwort ist hier das Leben unter der Glasglocke von Ellen und Leo.


Ich bin sehr gespannt wie das Buch weitergeht und ob Ellen mit ihren großen Lebenslügen "durchkommt" oder nicht. Ich hoffe ja sehr, das alles "auffliegt", denn sonst......hm, es würde mir schwer fallen zu akzeptieren, dass solche Riesenlügen ein Leben lang funktionieren können.


Übrigens fällt mit immer wieder auf, wenn ich Leon de Winter oder John Irving lese, dass beide die gleiche skurile Art zu schreiben und beide ein Faible für skurile Geschehnisse haben. Ist meine Feststellung völlig abwegig, oder geht es auch anderen so?


Auch von mir vielen Dank für den Tipp Daniela und weiterhin gute Besserung.


Viele Grüße,
Arlene

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Re: Leo Kaplan

Beitragvon Petra » 23.02.2004, 15:23


Hallo Christine,


die Nebenfäden wundern mich selbst. Denn eigentlich ist sowas oft nicht mein Ding, denn wenn ein Buch zu abschweifend ist, dann verliere ich schon mal das Interesse. Aber ich finde diese Fäden hier zum einen amüsant, zum anderen auch irgendwie bei aller Belanglosigkeit tiefsinnig. Bewundernswert, wie der Autor es schafft, Verzweigungen im Leben so zu beschreiben!! Zumal sie eigentlich für die Protagonisten keine Bedeutung haben, aber sie dennoch irgendwie darin eingebunden sind...


Außerdem macht das die Geschichte für mich noch glaubwürdiger. Denn auch wenn ein Buch EIN Thema behandelt, so haben die Figuren - würde das im normalen Leben passieren - doch auch sonst Nebenfäden, die halt da sind, ob man es nun wünscht oder nicht. Ich finde das sehr interessant gemacht von Leon de Winter...


Was die Vergangenheit von Leo und Ellen angeht, so bin ich genauso fasziniert wie Du! Selten habe ich so verstanden, wie belastend die jüdische Vergangenheit für die Nachfolgegenerationen ist! Für mich blieb das immer nicht greifbar. Weil ich selbst nicht betroffen bin. Bei Jessica Durlachers "Die Tochter" habe ich es nicht so verstanden, obwohl das das Buch ja nur darum kreiste. Bei Leon de Winter kommt das für mich besser rüber, weil er deutlicher zeigt, was für Auswirkungen die Erziehung auf die Protagonisten hat. Sie möchten ihr eigenes Leben und möchten sich von dieser Vergangenheit der Eltern gar nicht begrenzen lassen, aber es passiert trotzdem. Ich finde, das hat de Winter ganz toll herübergebracht!!
Ob es Jessica Durlacher nun besser oder schlechter gelingt, ist sicher auch Ansichtssache. Interessant finde ich es auf jeden Fall, dass beide sich mit dem Thema in ihren Büchern auseinandersetzen und jeder auf seine Art. Zumal die beiden ja mehr verbindet, als dass sie Kollegen sind! ;-)


Soviel von mir noch dazu! Schönen Rosenmontag wünscht,
Petra

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Re: Leo Kaplan

Beitragvon Arlene » 23.02.2004, 18:38


Hallo Petra,


da ich im Gegensatz zu Daniela ja noch nicht so viel von Leon de Winter kenne, kann ich nur das letzte Buch "Malibu" empfehlen. Für mich war es der erste de Winter und du kennst ja meine Rezi in deinem Forum.
Nach Leo Kaplan möchte ich auch unbedingt noch weiteres von ihm lesen, ich schwanke da im Moment zwischen Hoffmans Hunger (weil es in Leo Kaplan so oft erwähnt wird), SuperTex und Sokolows Universum. Hmm...wahrscheinlich werde ich alle lesen, aber immer mit ein bisschen Abstand. Vielleicht können wir ja mal wieder eine Lesrunde verabreden, wir beiden Leseschnecken *gg*
Ich werde aber noch mal ein bisschen im Kollegenkreis nachfragen, was sich besonders lohnt, bei uns gibt es nämlich mindestens einen de Winter Fan.


Ach ja, Die Tochte von Jessica Durlacher liegt auch noch auf meinem SUB und lacht mich schon sooo lange an. Nach deiner Beschreibung rutscht sie jetzt wohl ein ganzes Stück höher.


Liebe Grüße
Arlene
die es lustig findet, dass wir das hier besprechen und nicht in deinem Forum

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Re: Leo Kaplan

Beitragvon Petra » 23.02.2004, 20:43


Hallo Christine,


ja, lass uns zwei Leseschnecken das auf jeden Fall machen! :-)))


Und sag mir auf jeden Fall auch bescheid, was der de Winter-Fan Dir nahelegt! Das interessiert mich brennend!!


Nur fair, dass wir das hier diskutieren!! *g*
Denn Daniela ließ mich schon früh wissen durch Ihre Begeisterung hier, dass Kaplan der absolute Tipp ist! Ich bin ihr da, wie übrigens oft, sehr dankbar!! In manchen Büchern geht unser Geschmack grundlegend auseinander, was ebenfalls sehr interessant ist. In anderen aber eben gerade nicht. Und ich stelle meine Lauscher immer gern auf Empfang, wenn Daniela etwas empfiehlt. Es kommt immer wieder interessantes dabei heraus! *zudanielaliebrüberwink*


Herzliche Grüße,
Petra

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Re: Leo Kaplan

Beitragvon binchen » 24.02.2004, 14:18


Hallo Ihr Leo-Anhängerinnen, hier treibt Ihr Euch also rum *g*,


Die Darstellung der Auswirkungen der jüdischen Wurzeln sind wirklich gelungen. bei Leo Kaplan. Sind in der Hinsicht auch wohl andere Bücher von ihm von Interesse? Ich kenne bisher nämlich nur Leo Kaplan, der mich auch in dieser Hinsicht begeistert hat. ( Die Nebengeschichten bei ihm finde ich auch sehr gelungen)


Allerdings hat mich dieses Thema auch bei Connie Palmen wieder eingeholt und das noch intensiver. I.M. hat in der Hinsicht ja auch einiges an Aufschluss zu bieten - und ich hoffe, ich verrate nicht zuviel, wenn ich da auf eine Ergänzung im nächsten Buch verweise ( erscheint in den nächsten Tagen - aber pssssssssst), die das noch vertieft.


Bisher sind mir eben nur diese niederländischen Titel zu dem Thema untergekommen. Gibt es im Deutschen Raum auch noch ähnliche Bücher, oder trauen sich deutsche Schriftsteller nicht daran?


Liebe winkende Grüße von
Binchen

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Re: Jüdische Wurzeln

Beitragvon Arlene » 24.02.2004, 15:20


Hallo Binchen,


>Bisher sind mir eben nur diese niederländischen Titel zu dem Thema untergekommen. Gibt es im Deutschen Raum auch noch ähnliche Bücher, oder trauen sich deutsche Schriftsteller nicht daran?


Tja, bei deutschen Schriftstellern bin ich im Moment überfragt. Es gibt allerdings von Stefanie Zweig ein Buch mit Dem Titel "Der Traum vom Paradies", das bei mir auf dem SUB liegt. Laut Info spielt es in der Gegenwart und geht um einen jüdischen Kinderarzt, der eine Nicht-Jüdin heiratet, die daraufhin zum Judentum konvertiert. Allerdings ist das wohl gar nicht so einfach.
Gelesen habe ich es nicht, und Stefanie Zweig ist natürlich eine andere Kategorie als Leon de Winter.


Da fällt mir ein Leon de Winters Frau Jessica Durlacher hat auch dieses Thema, aber sie ist auch Niederländerin!


Kennst du die Bücher von Pearl Abraham?
Ich kenne "Die Romanleserin", da geht es um ein Mädchen/eine junge Frau aus einer streng jüdischen Familie, die zu einem ganz strengen und orthodoxen Bereich des jüdischen Glaubens kommen, und dieses Mädchen versucht sich langsam davon ein wenig frei zu machen. Zum Beispiel liest sie Romane, die nichts mit ihrem Glauben zu tun haben, was ihre Familie schon skandalös findet. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, er spielt übrigens in Amerika.


Außerdem habe ich von Pearl Abraham noch "Abschied von Amerika" auf dem SUB, da geht es um ein ähnliches Thema.
Ach ja, ich sollte mal schneller lesen und konsequenten SUB-Abbau betreiben *gg*


Liebe Grüße,
Arlene

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Re: Jüdische Wurzeln

Beitragvon Daniela » 24.02.2004, 23:36


Hallo ihr Beiden,
ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass die Niederländer dieses Thema häufiger und auch bei allem ernsten Thema "unterhaltsamer" aufbereiten. Es ist gerade dieser Punkt, das "Unterhaltsame", das glaube ich den größten Unterschied ausmacht. Leon de Winter hatte bei einer Lesung einmal gesagt, dass es ihm am Herzen läge, komplexe Themen verständlich aufzubereiten.


Und Jessica Durlacher kann ich ebenfalls sehr empfehlen ;-))


LG, Daniela

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Re: Leon de Winter und Jessica Durlacher

Beitragvon Valentine » 26.02.2004, 13:06


Leon de Winter habe ich ja auch vor kurzem für mich entdeckt und jetzt rasch hintereinander "Malibu", "Sokolows Universum" und "Der Himmel von Hollywood" gelesen. Zu "Malibu" und "Sokolow" hab ich mich auch kürzlich hier ausgelassen, an beiden Büchern hatte ich großen Spaß. Laut Klappentext soll der "Himmel von Hollywood" (zumindest prä-Malibu) de Winters bestes Buch sein; das würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Mir ging es ähnlich wie Daniela es in ihrer Rezi beschreibt: ich brauchte die ersten hundert Seiten, bis ich mich eingelesen hatte und nicht mehr in Versuchung war, das Buch wegzulegen. Zu Anfang berührte mich der Abstieg des Tom Green recht wenig, und seine Betrügereien ließen mich ziemlich kalt. Doch dann, nach dem Leichenfund, konnte ich plötzlich kaum noch aufhören zu lesen und habe mich großartig unterhalten. Die Krönung war natürlich der Schluß: ätsch, alles nur ausgedacht ;-)


De Winters jüdisches Erbe schimmert in seinen Büchern ständig irgendwo durch. Viele seiner (Haupt-)Figuren sind Kinder von Holocaust-Überlebenden. Mir gefällt es, wie er diese sicherlich eigene Erfahrung eher beiläufig einstreut, sie als gegebene Tatsache mit den daraus resultierenden Verhaltensweisen und Problemen darstellt, ohne die Moralkeule herauszuholen und in selbstmitleidige Larmoyanz zu verfallen, was mich z.B. bei Lily Brett ziemlich genervt hat. Die jüdischen Wurzeln sowie der Verrat durch nahestehende Menschen stellen bei de Winter ein Muster dar, das in Variationen wiederkehrt (zumindest in den drei Büchern, die ich bis jetzt von ihm kenne). Ich vermute mal, daß er da aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpft?! Das Tolle bei ihm ist, daß er diese Grundthemen so abwechslungsreich variiert, daß an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Er bringt es fertig, immer wieder neue Figuren und Geschichten zu schaffen, ohne sich zu wiederholen.


Jessica Durlacher dagegen liegt mir weniger. "Die Tochter" habe ich angelesen und beiseite gelegt. Ich kam in die Geschichte einfach nicht hinein und konnte mich nicht besonders mit den Protagonisten anfreunden. Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt - vielleicht wäre es interessant, ihr noch eine Chance zu geben und es noch einmal zu versuchen. Möglicherweise gehört Durlacher aber auch zu den Autoren, bei deren Büchern meine Meinung sich nicht unbedingt mit anderen Forumlern hier deckt ;-) Ist doch immer wieder eine interessante Sache, wie Petra schon festgestellt hat...


LG
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Re: Leo Kaplan

Beitragvon Christa Schuenke » 27.02.2004, 01:05


>Bisher sind mir eben nur diese niederländischen Titel zu dem Thema untergekommen. Gibt es im Deutschen Raum auch noch ähnliche Bücher, oder trauen sich deutsche Schriftsteller nicht daran?
>Liebe winkende Grüße von
>Binchen


Hallo, Binchen,


wenn Du Dich für eine wirklich komische, allerdings auch ziemlich harte Behandlung der Shoa interssierst, kann ich nur Edgar Hilsenraths wunderbaren Roman "Der Nazi und der Frisör" empfehlen - ein wirklch großartiges Buch von diesem tollen deutsch-jüdischen Erzähler.


Herzliche Grüße,


Christa

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Der Nazi und der Friseur

Beitragvon binchen » 27.02.2004, 10:57


liegt auf meinem SUB - Muss ihn wohl ein wenig höher schubsen -


Danke für den Tipp liebe Christa
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Re: Leon de Winter und Jessica Durlacher

Beitragvon Petra » 27.02.2004, 13:58


Hallo Valentine,


vielen Dank für Deine Anregungen hier zu weiteren Büchern von de Winter!! Die habe ich mir gedanklich direkt alle notiert!! :-)


Von Durlacher und de Winter kenne ich je nur ein Buch bisher. Von Durlacher sogar nur als Hörbuch. Unten ein Link zur Rezension zur ungekürzten Lesung von "Die Tochter" im Hoerbuecher4um. Leon de Winters Art gefällt mir auch besser, auf den ersten Blick. Aber von beiden bin ich neugierig auf mehr. Zumal mich das Thema "Jüdische Vergangenheit" sehr interessiert. Es mag vielleicht ein "alter Hut" sein. Aber auch heute noch leiden viele Menschen unter den Folgen. Das machen beide Autoren auf ihre Art deutlich. Ich finde das ganz große klasse. Und ich freue mich auf weiteres von diesen beiden bereichernden Autoren!


Liebe Grüße,
Petra

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Beitragvon Anja » 27.02.2004, 15:10

*
Zuletzt geändert von Anja am 05.06.2013, 21:24, insgesamt 2-mal geändert.
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Leo Kaplan- Zwischenstand!

Beitragvon Danni » 07.07.2004, 21:40

Hallo!
Bin jetzt auf Seite 260! Mein Kommentar ganz kurz nur: Verschlinge jede Seite und bin ärgerlich nicht mehr Zeit zum Weiterlesen zu haben.
LG von Danni!
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Re: Leo Kaplan- Zwischenstand!

Beitragvon Marion M » 08.07.2004, 14:07


Da verstehe ich dich gut - ich bin ja bekennender De-Winter-Fan. LEO KAPLAN habe ich erst vor ein paar Wochen gelesen und fand es auch ein hinreissendes Buchfür mich sein bestes...Zuerst hatte ich ein bißchen Probleme reinzukommen. "Warum kann Leo Kaplan nicht mal den Schwanz in der Hose lassen" habe ich mich gefragt ... aber im Laufe des Buches kriegt ja alles einen Sinn und die Geschichten und Verwicklungen sind doch zu schön


Marion M

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Re: Leo Kaplan- Zwischenstand!

Beitragvon Daniela » 09.07.2004, 22:12


Hallo Danni,
ich kann mich Marion hier nur anschließen ;-) Wie weit bist du denn mittlerweile gekommen? Das Ende des Buches fand ich zwar nicht mehr soooo überragend (das geht mir bei seinen Büchern eigentlich durch die Bank so, fällt mir dabei ein...) - aber ich warte schon sehnsüchtig darauf, dass mal was Neues von ihm rauskommt, aber ich denke, ein, zwei Jahre werden wir da schon noch warten müssen ;-)


LG; Daniela

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Hab den "Leo" fertig!

Beitragvon Danni » 11.07.2004, 01:12


So, nu ist das Werk vollbracht! Ich bin begeistert von dem eindrucksvollen Buch! Leider finde ich nicht diese großartigen Worte für eine "Rezi", mit denen Ihr hier so um Euch schmeißt! ;o)
Ganz am Anfang und kurz x mittendrin dachte ich, was will dieser Leo Kaplan denn eigentlich, fühlte mich kurz (nur ganz kurz, bissel gelangweilt), aber dann war ich integriert. Sehr interessant auch Näheres über das Jiddische zu erfahren! Mir kam der Leo oft sehr oberflächlich und kurzdenkend vor, aber aus ihm ist ein Mann mit vielen Gefühlen, Reue und dem Zugeständnis seiner Liebe zu seinen Angehörigen (besonders zu Ellen!)geworden. Sympathisch halt! Schade, daß wegen einer Lüge und Leo`s Kränkung (wegen der Abtreibung) der Weg der beiden "Hauptdarsteller" auseinander gegangen ist. Trotzdem hätte ich noch gerne gewußt, ob es nach dem "Versöhnen" in dem Hotel am See doch noch ein Wiedersehen gegeben hat, und wer Betty denn nun eigentlich war, die ja schließlich letztendlich bei ihm eingezogen war? Aber das dürfen sich die Leser nun selbst zusammenreimen!
Kurz und gut, endlich x wieder ein lesens- und empfehlenswertes Buch!
LG von Danni!
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Leon de Winter: Leo Kaplan

Beitragvon Valentine » 28.12.2005, 21:39


Wie neulich schon angedeutet, habe ich jetzt endlich "Leo Kaplan" gelesen. Ein großartiges Buch, unterhaltsam, lebensnah, nachdenklich, wunderbare Gedankengänge über die Liebe (darunter eine sehr schöne Passage über die Verlustängste, die meist mit großer Liebe einhergehen) und das Leben an sich, und dann diese herrlichen Querverbindungen und Ereignisketten, wie de Winter sie auch zu Beginn von "Malibu" geschildert hat - die Geschichte eines rosa Tischtuchs verbindet Menschen, die auf den ersten Blick überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Was in anderen Büchern schon fast kitschig "passende" Zufälle sind, wird hier unumgänglich, ergibt sich einfach so.


Leo selbst ist in der Tat nicht immer sympathisch (seine notorische Herumhurerei...), doch gerade das macht ihn wie auch die anderen Figuren so lebensecht.


Unheimlich viel ist drin in diesem Buch, viele kleine Geschichten, tiefe Traurigkeit und Situationskomik (Leos Suche nach den Bildern von seinem Onkel *ggg*). Das Ende kam für mich auch ein bisschen abrupt, hat mich aber nicht übermäßig gestört, dafür gefiel mir die Erzählweise ansonsten viel zu gut.


Eines der letzten TOPs für 2005!


LG
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Re: Leon de Winter: Leo Kaplan

Beitragvon Petra » 29.12.2005, 16:24

Hallo Valentine,
da kann ich die Finger nicht stillhalten! *g*
„Leo Kaplan“ wollte ich auch lange lesen, da Daniela es hier einst, als es erschien, so wahnsinnig gelobt hatte! Ich weiß noch, dass sie es ganz zu Anfang eines Jahres gelesen hatte und schon vom Buch des Jahres XY sprach, wohl in dem Wissen, dass in so einem Lese-Jahr viel passieren kann.
Letztes Jahr hatte ich dann das Vergnügen mit Leo. Es ist also jetzt rd. 1,5 Jahre her, als ich es las. Und ich bin immer noch hin und weg! Oft fällt mir Leo ein, als sei er ein echter Mensch. Wenn das nicht von lebensnaher Schilderung zeugt!
Auch die vielen, vielen Nebengeschichten in dem Buch fand ich einfach famos! Sie würden mich bei Autoren, die nicht so toll erzählen können wie Leon de Winter, wohl eher langweilen. Hier sind sie das Sahnehäubchen! Wunderschön und unvergesslich – für mich alle mal!
Liebe Grüße,
Petra
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Re: Leon de Winter: Leo Kaplan

Beitragvon Valentine » 04.01.2006, 11:31


Dann bin ich schon mal sehr gespannt auf Deinen Eindruck von "Malibu". Schon allein der Anfang ist ziemlich genial :-)


LG
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