Hwang SOK-YONG: Die Geschichte des Herrn Han

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Hwang SOK-YONG: Die Geschichte des Herrn Han

Beitragvon Daniela » 11.10.2005, 23:37


Hwang Sok-yong - Die Geschichte des Herrn Han (TB), dtv Herbst 2005, 137 Seiten

Die Nachbarn wissen nicht viel über Herrn Han; er ist in das kleine Zimmer eingezogen, lebt da sehr ärmlich, verdient sein Geld als Leichenwäscher und trinkt. Freunde oder Familie scheint er nicht zu haben. Als er schließlich schwer erkrankt, bricht sofort der Streit um sein Zimmer aus; und da seine wenigen Güter schon vor seinem Tod geräumt werden, findet sich auch das Notizbuch mit den Adressen der drei Menschen, die seinen Tod doch noch betrauern - und so erfahren wir dann auch die Geschichte dieses Arztes, der sich nicht dem Parteiendruck fügen wollte, der deshalb dann 1950 nicht an die Front geschickt wurde, sondern unter Aufsicht zurückbehalten, um die Parteikader zu behandeln.
Da er sich, gegen ausdrücklichen Befehl, auch um zivile Verwundete kümmerte, wurde er gefoltert und schließlich zum Tode verurteilt. Nur durch ein Wunder überlebt er; und die Hoffnung ist groß, dass die Streitmächte Südkoreas nun bald auch bis Pjönjang vordringen werden. Doch bis dahin muss er sich verstecken; in einer herzzerreißenden Szene verabschiedet er sich am Fluss von seiner Familie, in der Hoffnung, in wenigen Tagen bereits zurückkehren zu können - er sollte sie nie wiedersehen.
Aber auch im Süden wird er nicht mit offenen Armen aufgenommen; hier gilt er als Spion, arbeitet illegal, wird denunziert, wieder ins Gefängnis gesteckt und unvorstellbar gefoltert. Auch das überlebt er - aber als gebrochener Mann...
Als einzige echte Kritik vorweg: ein sehr "literarisches" Buch ist "Die Geschichte des Herrn Han" nicht. Es ist kein sorgfältig ausgearbeitetes Psychogramm, keine Innenschau - als Leser wird man nicht auf die emotionale Reise ins Innenleben der Protagonisten mitgenommen, sondern erhält sehr sachlich, sehr ruhig und nie effekthascherisch die wesentlichen Episoden des Lebenswegs berichtet.
Und auch wenn dieses - im Original bereits 1970 erstmals als Fortsetzungsroman erschienene - Büchlein gerade mal 130 Seiten hat, ich habe daraus auch eine ganze Menge über die Geschichte dieses geteilten Landes erfahren.
Nun bin ich besonders neugierig auf das umfangreichere Werk "Der ferne Garten" geworden, das ebenfalls bereits in meinem Regal steht (und auch noch einen Bezug zu Berlin hat).
Wer sich für Asien interessiert wird die Lektüre mit Sicherheit lohnenswert finden!
Daniela

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