Weber, Anne: "Luft und Liebe"

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Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Barbara » 10.03.2010, 04:12


Weber, Anne: „Luft und Liebe“

Zur Autorin:
Anne Weber ist 1964 geboren und lebt in Frankreich. Sie übersetzt aus dem Französischen ins Deutsche und umgekehrt; unter anderem Bücher von Genanzino. Für ihre Bücher „Zerberus“ und „Gold im Mund“ bekam sie Preise.
„Luft und Liebe“ ist eines der nominierten Bücher der diesjährigen Leipziger Buchmesse.

Zum Inhalt:
SIE, enttäuscht von der Liebe, trifft zufällig IHN: unscheinbar, nichts sagend und alles andere als ihr Traummann. Sechs Jahre braucht es, bis SIE IHN erhört und bis die beiden dann sehr schnell versuchen eine Familie zu werden. Mittlerweile hat SIE entdeckt, dass er ein „Ritter“ ist, der sie zu einer „Prinzessin“ werden lässt. Doch, wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt! Daher werden der einstige Ritter zum „Halunken“ und die einstige „Prinzessin“ zur „Rächerin“.

Meine Meinung:
Ob das Buch so herausragend ist, dass es im Rahmen einer Buchmesse nominiert werden muss, weiß ich nicht – ich wage es zu bezweifeln.
Die Geschichte für sich alleine genommen ist sehr platt, sehr konstruiert und überfrachtet. Wenn auch alle einzelnen Elemente so sicherlich tausendfach in der Realität vorkommen, wirken sie hier in ihrer „Zusammenkunft“ zu künstlich, zu übertrieben und sehr unrealistisch. Selbst wenn ich den Bonus der satirischen – übertriebenen Darstellung abziehe, ist es mir in der Bündelung immer noch zu viel.

Herausragend ist da eher die Art der sprachlichen Darstellung. Die Geschichte der beiden wird nicht einfach erzählt. Man wird als Leser Zeuge eines Zwiegesprächs zwischen Autor, seinem Werk und den darin agierenden Protagonisten. Demzufolge kommt es immer wieder zu einem Perspektivenwechsel, der aber schnell nachzuvollziehen ist und daher nicht störend wirkt. Der Sprachstil ist witzig, ironisch und sehr bissig. An einigen Stellen musste ich schmunzeln oder lachen. Die Art wie Anne Weber ihre Personen denken und sprechen lässt ist schon sehr unterhaltsam. Dennoch war ich froh, dass das Buch nur 189 Seiten hatte. Das war völlig ausreichend.
Als herausragendes Buch würde ich es nicht beschreiben, eher ein sprachlich sehr gut gemachtes „Badewannenbuch“.

Allerdings glaube ich, dass Anne Weber, ein sehr gutes Sprachgefühl hat und auch sehr gut mit der Sprache und ihren Möglichkeiten umzugehen und zu spielen weiß. Wenn es ihr dann noch gelingt, einen guten, fesselnden und intelligenten Plot zu entwickeln, kann daraus sicherlich ein tolles Buch werden.
In die oben genannten Bücher von ihr werde ich aber eventuell mal reinlesen.
"Das Lesen eines Buches ist die Zwiesprache mit der eigenen Seele!"
B.H.

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Re: Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Daniela » 20.03.2010, 22:26

Zu diesem Buch habe ich mir vorhin den aktuellen Literaturclub angesehen und würde gerne meine Eindrücke mit denen der Kritiker dort vergleichen.

Stefan Zweifel hat das Buch ja völlig verrissen, aber auf eine Art und Weise die ich einfach toll fand. Überfractet, überkonstruiert, das waren auch Kommentare, die von ihm so kamen. Unter anderem. (und als Antwort darauf, dass Alexander Kluge es als "mit leichter Hand" geschrieben beschrieb.)
besonders wurde auf einer Szene hingewiesen, in der es um die künstliche Befruchtung ging, und um das Potential die diese Geschichte eigentlich gehabt hätte - wenn es nicht verschenkt worden wäre.

Trotz allem haben die Kritiker es dann geschafft, mich auf das Buch neugierig zu machen. Weniger, weil ich ein Meisterwerk erwarte, als weil ich mir zu den Kommentaren selbst ein Urteil bilden möchte.

Barbara, hast du dir die Sendung schon angesehen? Was meinst du?

LG,
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Re: Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Barbara » 21.03.2010, 06:42

Liebe Daniela,

leider nicht. Schade. Aber eventuell schaue ich im Internet, ob die Sendung dort "nach zu schauen" ist.
Ich habe gestern die Leipziger Buchnacht auf MDR geschaut. Lieb, dass du eine Rückmeldung gibst, denn ich habe so gar nichts mehr über das Buch gehört oder gelesen.

Was die Leichitigkeit des Schreibens angeht, so denke ich schon, dass es Menschen gibt, denen die Art zu schreiben, wie Anne Weber es in ihrem Buch macht, leicht fällt. Ich kenne dies von mir. Mitunter habe ich früher in ähnlicher Art, aber nur ansatzweise, Briefe geschrieben.

Von daher fand ich die Konstruktion des Buches auch nicht soo schlecht. Wie gesagt aber rein auf die Sprache bezogen, empfand ich das Buch gut. Über den Plot muss man gewiss nicht "streiten": Er war sehr platt und konstruiert und nun mit etwas Abstand, sogar trivial. Überfrachtet, ja auch, da zu viele verschiedene Problematiken geballt auf diese "Beziehung" einströmen und dann in einer Art, bei der ich nicht weiß, ob sie in einer solchen Konstellation im Alltag wirklich vorkommen würden. Daher ist der Inhalt für mich eher nicht authentisch.
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Re: Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Barbara » 21.03.2010, 09:17

Liebe Daniela,

ich habe die Sendung geschaut und kann mich einigen Aussagen anschließen. Anderen wiederum nicht. So kann ich Herrn Zweifel nicht zustimmen, wenn er sagt, dass sich die Protagonistin der Lächerlichkeit aussetzt, wenn sie ein Kind durch eine künstliche Befruchtung möchte. Das ist nicht lächerlich. Was da in den Menschen vorgeht, die diesen Weg wählen oder gehen müssen ist sicherlich alles andere als lächerlich. Er ist mit Scham und Tabuisierung und Peinlichkeit gepflastert.
Lächerlich ist hieran nichts, sondern es ist in dieser Handlung unpassend und vollkommen fehl am Platze, zumal die Beziehung noch sehr am Anfang steht und niemand zu einem so frühen Zeitpunkt diesen Weg gehen würde. Er ist eher die letzte Möglichkeit bzw. als letzte Chance nach vielen Jahren zu sehen. Diesen Bereich, so meine Meinung, hätte Frau Weber hier nicht mit hinein nehmen müssen. Und Herr Zweifel hat damit sicherlich die falsche Vokabel gewählt.

Während der Diskussion über das Buch kam mir auch der sehr triviale Gedanke, dass die Autorin mit dem Buch eventuell in sehr ironischer Weise dem Schreiben von Büchern und vor allem Romanen und hier denen, die das Thema Liebe versprachlichen, eine Spiegel vorhalten möchte. Dann ist es kein Kokettieren mit den angeblich nicht vorhandenen Fähigkeiten, sondern ein bewusstes Einsetzen dieser Fähigkeiten. Betrachtet man das Buch unter diesem Gesichtspunkt, so verlagert sich meine Einschätzung zum Positiven: Dann passt die sehr triviale Handlung und ihre überfrachtete Darstellung sehr gut. Dann bekommen viele grotesken Darstellungen ihren eigenen logischen Sinn: vor allem die der künstlichen Befruchtung. Diese treibt alles auf die Spitze der Ironie. Denn viele Bücher, gerade Liebesromane, zeigen dieses Strickmuster: Es geht alles sehr sehr schnell, fast oberflächlich. Liebe auf den hinterfragt nichts, nimmt nur und hebt die Logik von Zeit und Raum auf.

Mag sein, dass ich durch Jane Austens „Northanger Abbey“ auf die Idee kam, das Buch unter diesem Aspekt neu zu überdenken. Aber, so wird es für mich stimmiger und schlüssiger.

Ich bin gespannt, ob du es liest, Daniela und wenn, zu welchem Schluss Du letztlich gelangen wirst.
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Re: Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Daniela » 23.03.2010, 21:01

Danke, Barbara, schön, dass du dir die Sendung gleich angesehen hast, so dass wir noch drüber reden können, solange ich mich noch dran erinnern kann!

So kann ich Herrn Zweifel nicht zustimmen, wenn er sagt, dass sich die Protagonistin der Lächerlichkeit aussetzt, wenn sie ein Kind durch eine künstliche Befruchtung möchte. Das ist nicht lächerlich. Was da in den Menschen vorgeht, die diesen Weg wählen oder gehen müssen ist sicherlich alles andere als lächerlich. Er ist mit Scham und Tabuisierung und Peinlichkeit gepflastert.


GEnau das war eine der Stellen, auf die ich gespannt war/bin. Denn ich hatte mich gefragt, WIE das geschrieben sein muss, dass man damit der Lächerlichkeit ausgesetzt sein soll! Sicher hat sich nicht jeder so viel mit dem Thema auseinandergesetzt, aber ich hab dazu einige Leidenswege auf dem Weg zum Kinderglück sehr nah miterlebt, und Scham etc. war da noch nicht mal das Schwierige. Viel schwerer war jeweils die Hoffnung und dann wieder Enttäuschung, das kostet so immens viel Kraft...

Kaufen werde ich mir das Buch aber erstmal nicht, aber vielleicht lese ich es, wenn es als TB rauskommt. Dann sehen wir weiter. Northanger Abbey habe ich ja auch schon mal vor längerer Zeit gelesen, und wenn ich aktuell mehr Zeit hätte, würde ich ja mit einsteigen... der Gedankenansatz klingt jedenfalls interessant!

LG;
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Re: Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Barbara » 24.03.2010, 06:12

Liebe Daniela,

wenn Du Dir „Luft und Liebe“ nicht kaufen willst, kann ich Dir das Buch auch gerne nach Berlin schicken. Es dauert schließlich noch lange, bis es als TB rauskommt.

Da auch ich dies aus einigen Fällen der nahen Umgebung kenne, weiß auch ich um die vielen Gedanken und Emotionen, die mit künstlicher Befruchtung verbunden sind. Daher bin ich auch über Zweifels Worte gestolpert.
Du hast natürlich recht, den Aspekt hatte ich gar nicht erwähnt: Das ständige Bangen und Hoffen. Auch das hat gewiss nichts mit Lächerlichkeit zu tun.
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Re: Weber, Anne: "Luft und Liebe"

Beitragvon Daniela » 28.06.2013, 17:54

Wunderbar, auf das Archiv ist Verlass, auch, was die Beschreibung des Literaturclubs angeht - diese Sendung ist leider nicht mehr im Archiv.

Ich höre das Buch gerade, und bin froh, die Kommentare hier noch gefunden zu haben. In meinem Gedächtnis ist vor allem noch, dass es zu einer künstlichen Befruchtung kommt, aber so weitr bin ich noch nicht. Bislang hat es mich noch nicht wirklich in Bann gezogen - weder inhaltlich noch sprachlich.
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