Kathrin Passig über Bücher lesen, kaufen, besitzen, behalten

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Kathrin Passig über Bücher lesen, kaufen, besitzen, behalten

Beitragvon Daniela » 08.12.2010, 19:42

http://www.online-merkur.de/seiten/lp201012bde.htm

... und darum, ob man Bücher wirklich noch in gedruckter Form vorliegen haben will und muss usw. Geht natürlich auch deutlich um das Thema E-Book, aber gerade ihre Gedanken über das Leseverhalten im Sachbuchbereich etc. fand ich schon sehr interessant.
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Re: Kathrin Passig über Bücher lesen, kaufen, besitzen, behalten

Beitragvon Atalante » 09.12.2010, 12:30

Ein interessanter Artikel, Daniela, dem ich in vielem erst einmal zustimmen möchte.

Was jedoch das Lesen von Sachbüchern betrifft, frage ich mich, wer überhaupt jemals solche von Anfang bis Ende liest? Ich gehöre nicht dazu, obwohl ich durchaus viel mit dieser Literatur zu tun habe. Meist lese ich nur einen bestimmten Abschnitt, der in einem anderen Buch zitiert wurde. Wenn mir ein Buch insgesamt lesenswert erscheint, werde ich Vor- und Nachwort, Inhaltsverzeichnis und dann die für mich interessanten Kapitel lesen. Das war's. Die Lebenszeit ist begrenzt.

Dass Bücher bald das Schicksal von Video- und Musik-Kassetten teilen werden, glaube ich nicht. Der Schallplattenvergleich hinkt ein bisschen, besonders wenn ich die leuchtenden Augen von Zwanzigjährigen sehe, sobald sie vor elterlichen Schallplattenmetern stehen. Da hört man auch schon mal die Absicht, sich einen Plattenspieler zu kaufen.

Auf keinen Fall möchte ich die markierten Stellen aller bisherigen Leser sehen. Beim gemeinsamen Lesen eines Buches, wäre eine solche Option vielleicht hilfreich. Ansonsten ist dies meist doch eine sehr intime Sache. ;)
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Re: Kathrin Passig über Bücher lesen, kaufen, besitzen, behalten

Beitragvon Ralf » 10.12.2010, 08:01

Ein netter Artikel, aber ich habe doch zu vielem eine ganz andere Meinung und würde widersprechen. Ein Buch lese ich einfach viel konzentrierter, nehme mir einfach die Zeit/Ruhe, als etwas am Monitor/Bildschirm. Meist sind da mehrere Fenster auf, wird nur überflogen, mal kurz die mails checken usw. Die Abwechslung ist einfach immer da. Und wenn ein Artikel länger als ein paar Seiten ist, verliere ich schnell die Lust. Oder den Spiegel, den ich in Händen halten kann: dort lese ich deutlich mehr Artikel, als wenn ich die komplette Spiegelausgabe per Computer lesen kann: da suche ich in der ganzen Ausgabe vielleicht nur zwei Artikel raus, das wars dann.
Davon abgesehen: ein Buch ist beständiger als die elektronische Form. So wie Pergament beständiger ist/war also "Holz", das schnell zerbröselt. Bücher, die einige Hundert Jahre alt sind, sind oft heute noch in gutem Zustand, mit Büchern die dem Säurefraß unterliegen, gibts große Probleme.
Ich möchte jetzt nicht den passenden Artikel raussuchen, aber Datenträger sind sehr kurzlebig. Ich besitze sowohl Disketten mit 5,25'', also auch 3,5'' - aber was soll ich noch damit anfangen, habe kein Laufwerk mehr. Wenigstens auf ein paar ganze wenige würde ich wirklich sehr gerne zugreifen, aber der Aufwand ist mir zu groß. Die heutigen CDs/DVDs werden auch in einigen Jahren hinfällig sein, jeder sollte sich dessen bewußt sein. Nicht nur die Haltbarkeit, auch neue Technologien werden sich dann wieder etabliert haben: also alles elektronische ist langfristig für die Tonne (wenn nicht in 5 Jahren, dann eben in 20 usw). Die armen Archive, wie sollen sie Millionen von Datenträgern für Jahrhunderte lesbar halten.

Vielleicht kurz ein kleines Erlebnis von vor ein paar Tagen: Da lese ich von einer Literaturquelle, und erinnere mich "mensch, das Buch hast du doch". Und tatsächlich, ich fand ein uraltes Fachbuch, wollte es schon vor ein paar Jahren wegwerfen, weil ich damals kaum was damit anfangen konnte, außerdem ist es etwas zerschlissen. Heute, Jahre später, habe ich einen ganz anderen Hintergrund, neues Wissen/Zusammenhänge, plötzlich hat es großen Wert, es ist nicht mehr erwerbbar, zum Glück hatte ich es nicht weggeworfen. Sowas kann man nicht vorher sehen, wäre es aber kein Buch gewesen, sondern nur eine Datei auf der Festplatte: weg... Sowohl physisch weg, aber ich hätte mich auch nicht erinnert. Dagegen behaupte ich mal, daß ich überwiegend weiß, welche Bücher ich habe...

Es ist übrigens auch so, daß ich nicht nur mit den Augen lese, sondern durch die haptische Wahrnehmung auch aufnehme. Kann sein, daß das Gelesene dann tatsächlich anders wirkt. Bei mir ist das zumindest so, muß ja nicht für alle gelten ;) Es kam schon häufiger vor, daß ich ein Buch in der einen Auflage gar nicht mochte, dann, in einer anderen (anderes Papier, anderer Schrifttyp usw.) plötzlich liebte. Also...!

Man sieht: ich will das Buch

Atalante hat geschrieben:Was jedoch das Lesen von Sachbüchern betrifft, frage ich mich, wer überhaupt jemals solche von Anfang bis Ende liest? Ich gehöre nicht dazu...


Aber selbstverständlich kann man Sachbücher von vorne bis hinten lesen, ich gehöre also dazu. Wenn wir gerade beim Gedruckten sind, hier ein paar hübsche Bücher, weil der Spiegel gerade darüber geschrieben hat, die durchaus geeignet sind, von vorn bis hinten gelesen zu werden, sie alle sind inhaltlich lesenswert finde ich, und beim Blättern findet man viel Interessantes:

Oder anderes Beispiel: Biografien - nur über den Todestag lesen? Also auch von vorne bis hinten.

Anders als beim Sachbuch ist das natürlich bei Fachbüchern, wenn man sich nicht in ein völlig neues Thema einarbeiten muß, dann natürlich nur kapitel- oder gar abschnittsweise lesen, klar.

Lange Rede, kurzer Sinn, man kann beim Thema durchaus verschiedener Meinung sein, aber bei dem Artikel hab ich eben bei vielen Dingen ne andere Meinung... ;)
LG Ralf
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Re: Kathrin Passig über Bücher lesen, kaufen, besitzen, behalten

Beitragvon penguin » 10.12.2010, 08:25

Ich würde es da eher wie Ralf halten als wie Frau Passig. Natürlich muß man sich irgendwann einmal entscheiden, ob Bücherregalmeter die höhere Miete rechtfertigen, aber diesen Zeitpunkt schiebe ich gern noch ein paar Jahre auf :-)

Was das Nachschlagen in Lexika betrifft, mache ich grundsätzlich beides - erst eine Internetrecherche und dann das Wälzen der Fachwörterbücher. Ich blättere auch nach wie vor lieber in einem Lexikon / Wörterbuch als im Internet.

Wie sagt man im Englischen so schön: Books do furnish a room. Und wer anderer Meinung ist, dem empfehle ich das schöne Buch von Susan Hill, Howards End is on the Landing, das hier im Forum auch schon besprochen wurde, z.B. hier:
viewtopic.php?f=6&t=182&p=25963&hilit=howards+end#p25963
Ich lese gerade: Si tu passes la rivière von Geneviève Damas
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Re: Kathrin Passig über Bücher lesen, kaufen, besitzen, behalten

Beitragvon penguin » 29.06.2016, 14:05

Ich muss das doch noch mal hochholen, ich lese nämlich gerade "Howards End is on the Landing" wieder, nachdem mir das Buch in einem Blog begegnet ist, und stelle fest, dass auch ich daraufhin mehrere Autoren für mich neu entdeckt und ihre Bücher gekauft habe ... es ist ein durchaus nachdenkliches und nachdenkenswertes Buch.
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