Elizabeth Gilbert - Eat, Pray, Love

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Elizabeth Gilbert - Eat, Pray, Love

Beitragvon Valentine » 13.03.2012, 12:55



Nach einer wahrhaft scheußlichen Scheidung ist Liz am Boden zerstört. Sie leidet unter Depressionen und ist völlig ausgelaugt von einem langwierigen, hässlichen Kampf mit dem Mann, den sie einmal geliebt hat. Die Beziehung mit David, in die sie sich direkt im Anschluss gestürzt hat, konnte auch nicht halten, was sie anfangs versprach, und so beschließt Liz, sich eine Auszeit zu nehmen, zu reisen und Abstand von allem zu gewinnen.

Zunächst führt ihr Weg nach Rom, wo sie sich den Traum, Italienisch zu lernen, vor Ort erfüllen möchte - zunächst in einer Sprachschule, dann mehr und mehr im Gespräch mit den Einheimischen - und darüber hinaus das Genießen lernt, was angesichts der italienischen Küche auch nicht schwerfällt.

Nächste Station ist ein Ashram in Indien. Krasses Kontrastprogramm zum "dolce vita" in Rom. Statt kulinarischer Genüsse und Sightseeing sind hier Meditation, Mantras und Tempelbodenschrubben angesagt, der Tag beginnt um drei Uhr früh, und die spirituellen Erfahrungen, die Liz sich erhofft hat, stellen sich nicht einfach so ein.

Das letzte Drittel ihres Reisejahres verbringt sie auf Bali, wo ein Medizinmann undefinierbaren Alters und eine Heilerin ihre wichtigsten Ansprechpartner sind, bis sie ganz unerwartet einen faszinierenden Mann kennenlernt.

Angesichts der Thematik hatte ich befürchtet, das Buch könne arg esoterisch-versponnen daherkommen. Das ist jedoch glücklicherweise überhaupt nicht der Fall. Transzendenz und Spiritualität spielen zwar natürlich eine wichtige Rolle, aber nur im persönlichen Kontext. Die Autorin versucht nicht zu bekehren und reklamiert auch keine Allgemeingültigkeit ihrer religiösen Ansichten und Erfahrungen. Im Gegenteil, immer wieder wirbt sie für Toleranz zwischen den Religionen.

Dieser autobiographische Bericht über ein Jahr Auszeit vom Leben einer New Yorker Journalistin wirkt sehr ehrlich und authentisch. Liz Gilbert verschweigt weder Fehler noch Zweifel, verfällt aber auch nicht in selbstmitleidiges Gejammer, sondern schildert ihre persönliche Entwicklung auf sympathische und sehr humorvolle Art und schafft es dabei auch wunderbar, die Atmosphäre ihrer Reiseziele lebendig werden zu lassen. (Persönlich kenne ich zwar nur Rom, aber das hat sie sehr schön eingefangen.)

Für mich ein überraschend gutes erstes Buch im neuen Jahr.
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty - these are what we stay alive for.

(Dead Poets Society)
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