Pat Conroy - Beach Music

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Pat Conroy - Beach Music

Beitragvon Valentine » 04.06.2012, 11:54



Jack McCall ist nach dem Selbstmord seiner Frau mit seiner kleinen Tochter Leah aus den USA geflohen, hat sich in Rom niedergelassen und den Kontakt zu seiner Familie völlig abgebrochen, um wieder zu sich selbst zu finden und Leah ohne Hypotheken aus der Vergangenheit großzuziehen. Einige Jahre später holt ihn sein altes Leben aber dennoch ein. Sein alter Freund Mike, inzwischen erfolgreicher Filmproduzent, will einen Film über die gemeinsame Jugendzeit in den Sechzigern drehen und Jack als Co-Drehbuchautor engagieren, und wenig später meldet sich einer von Jacks Brüdern mit der Hiobsbotschaft, dass ihre Mutter todkrank ist und Jack nach Hause kommen soll.

Widerwillig lässt er sich auf den Trip in die Heimat ein und spürt trotz allem, dass er dort immer noch zu Hause ist und dass er Leah ihre Wurzeln nicht komplett vorenthalten darf. Mit jahrelanger Verspätung beginnt er, alte Traumata aufzuarbeiten und versucht, den Schlüssel zu Shylas tödlichem Sprung von der Brücke zu finden, der offenbar in den grausigen Erfahrungen ihrer Eltern während des Holocausts liegt.

Wenn ich das Buch in einem Wort zusammenfassen müsste, wäre es "ausufernd". Ausgehend von Jack in der Gegenwart schlägt die Handlung diverse Haken in die Vergangenheit, sowohl in die von Jack als auch die seiner Mutter und seiner Schwiegereltern, geht ein oder zwei Generationen zurück und setzt daraus ein Puzzle zusammen, das letztendlich sowohl den Grund für Shylas Freitod als auch für Jacks eigene Probleme preisgibt.

So recht bin ich mir nicht im klaren, ob ich das, was hier an schweren Schicksalen, an seelischen und physischen Grausamkeiten und an menschlicher Verkorkstheit zusammenkommt, nun "too much" finde oder nicht - aber es ist so wortgewaltig und eindringlich beschrieben und durch ebenso eindrucksvoll geschilderte Lebensfreude, Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe zur Natur und zu guter Küche (wenn Jack kocht, was er häufig tut, läuft mir das Wasser im Mund zusammen) aufgewogen, dass ich insgesamt eine ziemlich positive Bilanz des Buches ziehe. Ja, manches mag etwas übertrieben oder hollywoodig sein, aber es steckt auch viel Wahres, gut Beobachtetes und ganz viel Menschliches darin. Und Conroys Liebe zur Sprache macht das Lesen einfach zum Genuss.
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty - these are what we stay alive for.

(Dead Poets Society)
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