Adam Davies - Goodbye Lemon

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Adam Davies - Goodbye Lemon

Beitragvon Valentine » 11.02.2013, 13:56



Jack Tennant ist Anfang dreißig und blickt auf ein Leben zurück, das im wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von Misserfolgen besteht (die er größtenteils aber nicht selbst verschuldet hat). Eigentlich hatte er sich geschworen, nie wieder nach Hause zurückzukehren, aber auf Drängen seiner Freundin Hahva hin tut er es doch, als sein Vater einen schweren Schlaganfall erleidet und zwar aus dem Koma wieder erwacht, sich aber weder bewegen noch verständlich machen kann.

Die Rückkehr nach Maryland katapultiert Jack zurück in die Vergangenheit, und das mit einer Wucht, die ihn ziemlich aus der Bahn wirft. Seine Mutter ist noch genauso zwanghaft ordentlich, sein Bruder Press immer noch ein versoffener Loser, und auch daran, dass niemand je über Dexter spricht, den Mittleren der drei Söhne, der als Kind im See ertrunken ist, hat sich nichts geändert. Der einzige Beweis, dass es Dex überhaupt gegeben hat, ist einer seiner orangefarbenen Flipflops, den Jack wie einen Schatz hütet. Heimlich, versteht sich. Nicht einmal Hahva weiß davon - aber die weiß auch nicht, dass Jack ursprünglich einmal zwei Brüder hatte.

Mit all der Heimlichtuerei muss endlich Schluss sein und er muss sein Leben auf die Reihe kriegen, findet Jack. Dazu trinkt er erst einmal gemeinsam mit seinem Bruder jede Menge Schnaps und tut auch einige andere mehr oder weniger bescheuerte Dinge, die nicht unbedingt hilfreich sind bei der Auseinandersetzung mit seiner Familie und ihren Geheimnissen, bis ihm klar wird, worauf es ihm eigentlich wirklich ankommt.

Der Prolog macht neugierig auf das Buch. Jack beschreibt seinen Bruder, ganz so, als könne er sich detailliert an ihn erinnern, nur um ein paar Zeilen später zu schreiben, vielleicht sei er ja auch ganz anders gewesen und traurig festzustellen, dass er kaum noch etwas weiß über seinen Bruder. Die Macht der Erinnerungen, aber auch deren Unzuverlässigkeit oder ihr gänzliches Fehlen sind ein Hauptthema des Buches, in dessen Mittelpunkt der tragische Verlust eines Kindes steht, den keiner der Familienmitglieder je aufgearbeitet hat.

Leider gefiel mir das Ganze lange nicht so gut wie erhofft. Die Ansätze der Geschichte versprachen viel, aber die Charaktere waren mir zu stark überzeichnet, die Gags zu grell und auch mit der Sprache wurde ich nicht so recht warm (letzteres kann aber auch gut an der Übersetzung gelegen haben). Etwas weniger Alkoholkonsum oder Kneipengerangel hätten sicher auch nicht geschadet. Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was genau mich gestört hat, aber irgendwie war das Gesamtbild des Buches für mich nicht stimmig. Vielleicht lag es daran, dass Jack auf mich eher wie ein verquerer Teenager wirkte als wie ein Mann Mitte 30.

Schade eigentlich, denn Potential hätte der Plot durchaus gehabt (und wurde auch immerhin zu einem überzeugenden Ende gebracht).
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty - these are what we stay alive for.

(Dead Poets Society)
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