Deutscher Buchpreis 2014

Hier ist Raum für alles rund um Bücher: Eindrücke nach dem Lesen, Rezensionen, Fragen, Austausch...

Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 11.08.2014, 07:47

In diesem Jahr bin ich, was die Kandidatenprognose betrifft, relativ ratlos.

Man könnte natürlich auf die üblichen Verdächtigen tippen, also auf Listenkandidaten vergangener Jahre mit einer Neuerscheinung. Spannender sind natürlich die der Allgemeinheit weniger bekannten Autoren.

Habt ihr bereits Favoriten?
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 11.08.2014, 09:29

Ich tappe noch ganz im Dunkeln und bin daher sehr gespannt, auf welche Bücher die Longlist meine Aufmerksamkeit richten wird. Das neue Buch von Seethaler (Ein ganzes Leben) hätte ich auf der Liste gesehen, aber nachdem ich es gelesen habe, bin ich da nicht mehr so sicher...

Und natürlich gehört Sasa Stanisic m. E. unbedingt auf die Liste, da 'Vor dem Fest' bisher für mich der herausragende Roman des Jahres ist... Ob sich die Jury aber dazu durchringt, den Gewinner aus Leipzig noch zu nominieren, wird man sehen.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 11.08.2014, 10:55

Hallo zusammen,

mir haben in letzter Zeit 3 Bücher ausgesprochen gut gefallen, alle Autoren eine richtige Entdeckung:



Eine äußerst böse Parabel auf die Arbeitswelt, in einer sehr passenden Sprache. Ich fand das Buch rundum gelungen!



Eine echte Überraschung: Ich hatte ein tiefsinniges, ernsthaftes Gespräch vor einer Herzoperation erwartet und befand mich plötzlich auf einer neu entstandenen Insel, bei einem Literaturkritiker, der für seine Rezensionen einen Rezensionscomputer namens EPHRAIM verwendet, dann wieder bei einem Sammler von Worten und Zufällen, der sich das Menü auf einer Kreuzfahrt von seiner Frau vorsingen läßt, oder bei einem Major, der sich nach seiner Freilassung barfuß und im Bademantel in ein Café sehen lässt, um dort Schweineohren zu essen.

Total skurrile, verrückte Figuren, die meistens durch eine Fußnote eingeführt werden, viele blinde Passagiere (Nabokov, Dickens, usw), eine spielerische Sprache, so viel Vergnügen hat mir noch kein Roman über die deutsch-deutsche Geschichte bereitet.

@Atalante, ich glaube, du hättest damit auch sehr viel Freude!



Da bin ich noch dran, das Buch ist total spannend und geheimnisvoll: Es spielt in der Bretagne während der deustchen Besatzung. Der Ich-Erzähler weiß, dass er sich da in Mission befindet, weiß aber nicht was für eine und für wen. Da gibt es noch einen komischen Holländer, der ihn ständig bedroht, ein Unbekannter mit einer eiserner Hand usw.
Es ist eine interessante Mischung aus Phantastik und philosophischen Gedanken ...

Alle 3 wären für mich Kandidaten für die Longlist :) , wobei Nawrat schon mal dabei war, wenn ich mich richtig erinnere.

LG,
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 11.08.2014, 13:00

Ich habe beim Perlentaucher nachgeschaut, welche deutsche Autoren in letzter Zeit besprochen wurden.

Wenn es dieses Buch auf der Liste schaffen sollte:



wird es vom Jury-Mitglied Wiebke Porombka wahrscheinlich nicht unterstützt ;)

Perlentaucher

Ansonsten gab es nichts, was ich brennend lesen möchte ...

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 11.08.2014, 13:32

Ich könnte mir auch vorstellen, dass dieses Buch noch Berücksichtigung findet:

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 12.08.2014, 11:27

Da fehlen aber noch ein paar Titel bis wir die Liste zusammen haben. ;)

Daniela, hast Du schon auf Amazon Deine Longlistversion zusammen gestellt?

Vielleicht schafft es ja auch Orths mit seinem neuen Roman "Alpha & Omega" auf die Liste. Er gehört allerdings auch zu den Wiederholungstätern.

Nawrat kenne ich vom vorletzten Bachmann-Wettbewerb, da hat er ein Stück aus dem Roman gelesen. Und ich bedauere, daß Dir der Seethaler nicht gefällt, Tom. Da mich der Trafikant begeistert hat, war das Buch schon auf meiner Vormerkliste. Der Stanisic hingegen liegt zu einem Drittel angelesen in einer Ecke, in die ihn nicht nur die depressive Archivarin Schwermuth verbannt hat. Schlinks "Frau auf der Treppe" nervt im letzten Drittel so sehr wie er im ersten gefallen hat, deshalb ist der Roman für mich auch kein Kandidat.

Allerdings klingt der Hegewald in der Tat sehr gut. Danke für den Tipp, Dana.

Momentan lese ich Haas' Brennerova. Sehr amüsant, kann direkt auf die Shortlist. ;)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 12.08.2014, 12:42

Atalante hat geschrieben:Momentan lese ich Haas' Brennerova. Sehr amüsant, kann direkt auf die Shortlist. ;)


DAS glaube ich dir glatt, Atalante. :) Das ist jetzt eine tolle Überraschung: Ich wusste nicht, dass uns noch ein Brenner gegönnt wird :-) Danke!

Übrigens: Das Buch von Hegewald kann ich dir gerne leihen!

Und morgen sind wir schlauer was der DBP angeht, bin gespannt!

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Daniela » 12.08.2014, 18:57

Ich bin auch gespannt und kann maximal drei, vier Titel auf eine “die können dabei sein“Liste packen. WunschBücher habe ich keine, weil... Ich einfach keinen Überblick habe diesmal. Ich habe seit Wochen kein Buch mehr angefasst... Ich kann mich gerade so gar nicht überwinden...

Mal sehen, die Longlist hat mich ja schon früher mal aus einem Leseloch geholt. Schon alleine die “Jagd“, möglichst viele Titel in die Hände zu kriegen... mal sehen. Kann gerade nichts vorhersehen
Ist ein bisschen so, als hätten sie mir mit dem Namen auch die Leselust rausgeschnippelt.

(Wobei ich bis 1. September noch endlich!!! Ursula Krechel für unseren Lesekreis lesen muss...)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Daniela » 13.08.2014, 10:31

Hier ist sie nun also, die Liste aller Listen:

Lukas Bärfuss: "Koala" (Wallstein, März 2014)

Ulrike Draesner: "Sieben Sprünge vom Rand der Welt" (Luchterhand, März 2014)

Antonio Fian: "Das Polykrates-Syndrom" (Droschl, Februar 2014)

Franz Friedrich: "Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr" (S. Fischer, August 2014)

Thomas Hettche: "Pfaueninsel" (Kiepenheuer & Witsch, September 2014)

Esther Kinsky: "Am Fluß" (Matthes & Seitz Berlin, August 2014)

Angelika Klüssendorf: "April" (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014)

Michael Köhlmeier: "Zwei Herren am Strand" (Hanser, August 2014)

Martin Lechner: "Kleine Kassa" (Residenz, Februar 2014)

Gertrud Leutenegger: "Panischer Frühling" (Suhrkamp, März 2014)

Charles Lewinsky: "Kastelau" (Nagel & Kimche, Juli 2014)

Thomas Melle: "3000 Euro" (Rowohlt.Berlin, August 2014)

Matthias Nawrat: "Unternehmer" (Rowohlt, März 2014)

Christoph Poschenrieder: "Das Sandkorn" (Diogenes, Februar 2014)

Lutz Seiler: "Kruso" (Suhrkamp, September 2014)

Saša Stanišić: "Vor dem Fest" (Luchterhand, März 2014)

Heinrich Steinfest: "Der Allesforscher" (Piper, März 2014)

Marlene Streeruwitz: "Nachkommen." (S. Fischer, Juni 2014)

Feridun Zaimoglu: "Isabel" (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014)

Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser" (Rowohlt.Berlin, März 2014)


Auf den ersten Blick: durchaus interessante Sachen dabei. Ich hab ja gerade erst reingeguckt, weil... ich beim Kinderfußballcamp zusehen musste, das war eben unaufschiebbar ;-))

Ich habe den Stanisic und Poschenrieder zu Hause (glaube ich zumindest... war der im Vorschaupaket? Atalante?) Draesner
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 13.08.2014, 10:50

Daniela hat geschrieben:Hier ist sie nun also, die Liste aller Listen:
Auf den ersten Blick: durchaus interessante Sachen dabei. Ich hab ja gerade erst reingeguckt, weil... ich beim Kinderfußballcamp zusehen musste, das war eben unaufschiebbar ;-))

Ich habe den Stanisic und Poschenrieder zu Hause (glaube ich zumindest... war der im Vorschaupaket? Atalante?) Draesner


Ich finde die Liste sehr ansprechend. Für mich sind Überraschungen und unbekannte Namen dabei, aber nach Durchsicht interessieren mich soviele Bücher wie sonst bei kaum einer der Langlisten.

Überraschend ist auch, dass 12 der 20 Titel bereits aus dem Frühjahrsprogramm sind. Das heißt natürlich auch, dass man bei vielen Büchern gleich loslesen kann...

Ich habe mal sortiert:

Gelesen habe ich Stanisic, Vor dem Fest.
Der hätte den Preis absolut verdient, aber da er bereits in Leipzig gekürt wurde, wird er ihn wohl nicht bekommen.

Auf jeden Fall interessieren mich:

Lukas Bärfuss: "Koala" (Wallstein, März 2014)
- darüber habe ich schon viel Gutes gehört.

Ulrike Draesner: "Sieben Sprünge vom Rand der Welt" (Luchterhand, März 2014)
- allein schon des polnischen Themas wegen für mich interessant.

Thomas Hettche: "Pfaueninsel" (Kiepenheuer & Witsch, September 2014)
- seinen Roman über Väter fand ich ausgzeichnet, daher kommt dies auch auf die Liste

Esther Kinsky: "Am Fluß" (Matthes & Seitz Berlin, August 2014)
- ob mir der essayistische Stil gefällt, weiß ich nicht. Aber das Lea Valley und den Lea Valley Walk kenne ich, daher sehe ich mir das auf jeden Fall an.

Michael Köhlmeier: "Zwei Herren am Strand"
(Hanser, August 2014)
- der Historiker in mir will das lesen. :-)

Gertrud Leutenegger: "Panischer Frühling"
(Suhrkamp, März 2014)
- ich erinnere mich sehr gut an die Stimmung in London, als die Flugzeuge schwiegen... Daher für mich ein Muss.

Charles Lewinsky: "Kastelau"
(Nagel & Kimche, Juli 2014)
- klingt ganz interessant

Matthias Nawrat: "Unternehmer" (Rowohlt, März 2014)
- nach Danas Lob kommt auch dies auf die Liste

Christoph Poschenrieder: "Das Sandkorn"
(Diogenes, Februar 2014)
- von dem Autor habe ich bisher noch nichts gelesen. Hatte er nicht einen Roman über Schopenhauer geschrieben? Das hier klingt aber thematisch interessant: Epoche Erster Weltkrieg with a twist...

Lutz Seiler: "Kruso" (Suhrkamp, September 2014)
- dto.

Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser" (Rowohlt.Berlin, März 2014)
- das erinnert mich an das schräge Buch 'Der Komet'. Abgedrehte österreichische Monarchisten? Und dann ein Autor, der so ausschaut? Her damit. :-D

Noch untentschlossen bin ich bei:
Franz Friedrich: "Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr" (S. Fischer, August 2014)

Nicht interessant finde ich auf den ersten Blick:

Antonio Fian: "Das Polykrates-Syndrom" (Droschl, Februar 2014)
Angelika Klüssendorf: "April" (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014)
Martin Lechner: "Kleine Kassa" (Residenz, Februar 2014)
Thomas Melle: "3000 Euro" (Rowohlt.Berlin, August 2014)
Heinrich Steinfest: "Der Allesforscher" (Piper, März 2014)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 13.08.2014, 15:37

Ich finde es schön, daß neun Neue dabei sind, es viele historische Themen gibt und zwei Österreicher die Liste mit Satiren bereichern.

Gelesen habe ich bisher ein Bruchteil von Sasa Stanisic, was ich wohl nicht weiter ausgebaut werde.

Außer Antonio Fian und Michael Ziegelwagner möchte ich Michael Köhlmeier, Thomas Hettche und Charles Lewinsky lesen.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 14.08.2014, 10:18

Die Buchhandlung hatte gestern vier Titel da, die mich interessierten:

Matthias Nawrat
Lukas Bärfuß
Ulrike Draesner
Gertrud Leutenegger

Die Buchhändlerin hat das Buch von Ulrike Draesner sehr gelobt und meinte, das sei ihr Favorit für den Preis.
Mit Nawrat habe ich begonnen (und bin auch schon fast durch, es ist ja schmal): ein wirklich bewegendes, intensives und sehr hintergründiges Buch.

Heute beginne ich dann mit Leutenegger. :-)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 14.08.2014, 11:26

Hallo zusammen,

ich mag die Liste auch, sie ist voller Entdeckungsmöglichkeiten, deswegen begebe ich mich mich schon mal auf die Reise ...

Zufälligerweise habe ich das Buch von Leutenegger, "Panischer Frühling" da. Danach schaue ich weiter.

Für Nawrat, freue ich mich sehr, auch wenn ich mir bewußt bin, dass es kein Gewinnerbuch ist. Das Lesen lohnt sich aber ... Was meinst du Tom?

LG,
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 14.08.2014, 12:13

Dana hat geschrieben:Für Nawrat, freue ich mich sehr, auch wenn ich mir bewußt bin, dass es kein Gewinnerbuch ist. Das Lesen lohnt sich aber ... Was meinst du Tom?


Ja, unbedingt. Es ist ein ganz eigener Ton, ich brauchte einige Zeit, bis ich drin war, da es ja sehr ungewöhnlich erzählt ist. Aber dann hat es mich berührt. Gerade dafür, dass auch solche frischen Stimmen mal eine Aufmerksamkeit bekommen, ist der Buchpreis gut. Gewinnen wird er wohl nicht, aber vielleicht mit seinem übernächsten Buch. ;)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 14.08.2014, 15:16

Auch sehr schön.



Das Porträt von Lucioni zeigt den Maler Paul Cadmus.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 18.08.2014, 07:45

Ein kleines Update zum Longlistlesen:

Ich habe jetzt fünf Bücher von der Longlist gelesen, eins davon noch nicht zuende:

Sasa Stanisic
Matthias Nawrat
Gertrud Leutenegger
Lukas Bärfuss
Ulrike Draesner

Stanisic lasse ich mal ein wenig beiseite. Sein Buch ist überragend und keines der bisher sonst gelesenen kommt auch nur ansatzweise daran heran.

Matthias Nawrat: Ein ungewöhnlich erzähltes, intensives und berührendes Buch. Ich bin froh, es gelesen zu haben. Aber eine Chance, auf der Shortlist zu stehen, hat er wohl nicht?

Gertrud Leutenegger: Dieses Buch habe ich gerne gelesen - die Eröffnungsszene (Flugverkehr über London ruht wegen der Aschewolken) habe ich noch gut in Erinnerung. Das Buch hat mich an viele Orte geführt, die ich gut kenne. Gleichwohl hat mich die Kombination der Erzählstränge aus der London-Erzählung mit der Kindheit der Ich-Erzählerin nicht wirklich überzeugt. Kein Shortlist-Titel, aus meiner Sicht.

Lukas Bärfuss: Dieser kleine, feine Roman hat mich von den vier für mich neuen Büchern am meisten überzeugt. Eine literarisch-biographische Spurensuche nach dem Selbstmord seines Bruders führt den Erzähler über dessen Spitznamen (Koala) bis tief in die australische (Natur-)Geschichte. Ein sehr souveräner Erzähler, der mich sehr beeindruckt hat.

Ulrike Draesner: Dieses Buch habe ich zu etwas mehr als einem Drittel gelesen. Trotz des Themas (deutsch-polnische Vergangenheit, Traumata der Kriegskinder, Flucht und Vertreibung) finde ich es nur mäßig interessant. Die Autorin stellt recht ansprechende Passagen gegen üble Kalauer und scheinbar lustig-flottes Erzählen, mit dem sie mir aber leider eher auf die Nerven geht. Wenn sich das nicht ändert, werde ich den Rest wohl nur noch querlesen. Für mich - angesichts des Themas - leider eine Enttäuschung.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Claudia » 19.08.2014, 12:04

Hallo zusammen,

ich stelle fest, dass ich eine Menge der Autorinnen und Autoren, die auf der longlist des DBP 2014 stehen, gar nicht kenne.

Habe mich jetzt mal durch alle Appetithäppchen (bei Amazon) gelesen.
Diese Bücher möchte ich gern lesen:

Sasa Stanisic: Vor dem Fest (besitze ich bereits)
Ulrike Draesner: Sieben Sprünge am Rand der Welt (in der Stabi vorbestellt)
Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling (ebenfalls vorbestellt)
Thomas Hettche: Pfaueninsel

Noch nicht sicher bin ich bei
Charles Lewinsky: Kastelau
Matthias Nawrat: Unternehmer

Die übrigen Romane interessieren mich weniger. Wann ich das alles lesen soll, weiß ich auch nicht. Momentan habe ich sieben (!!) Bücher aus der Stabi entliehen. Die waren natürlich alle gleichzeit zur Ausleihe bereit, nachdem ich teilweise Monate darauf gewartet hatte…
Herzliche Grüße, Claudia.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 19.08.2014, 12:47

Hallo Claudia,

ich bin ja ein bisschen neidisch. Die Stadtbibliothek hier hat kein einziges der nominierten Bücher im Bestand. :( Wirklich ein ziemlich schwaches Bild. Mal sehen, ob sich das in der nächsten Zeit noch ändert, aber dann werden die Bücher auch erst einmal ausgeliehen sein...

Ich habe Ulrike Draesner nicht abgebrochen, sondern noch einmal weiter gelesen. Zum Glück. Es kommen noch sehr gute Kapitel. Da die Autorin jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Person erzählt und dabei auch den Stil sehr stark ändert, gibt es Kapitel, die ich sehr stark finde, zugleich aber auch Kapitel, die mir sehr auf die Nerven gingen - vor allem im ersten Teil. Spricht das jetzt für die Autorin, die so wandlungsfähig ist, oder gegen das Buch??? 8-)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 21.08.2014, 08:05

Longlist-Lesen #5: Ulrike Draesner

Das Buch habe ich nun beendet. Selten habe ich so ein zwiegespaltenes Urteil nach der Lektüre eines Buches gehabt wie bei diesem Roman. Für die Kriegskapitel verdiente die Autorin fünf Sterne. Für die anderen Teile nur einen Stern. Daher in summa: drei Sterne.

Nachdem ich jetzt fünf Bücher von der Longlist gelesen habe, hier einmal mein persönliches Ranking:

1. Stanisic
2. Bärfuss
3. Nawrat
4. Leutenegger
5. Draesner

Als nächstes auf der Liste: Ziegelwagner ;)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 28.08.2014, 06:16

Ziegelwagner lese ich ebenfalls zur Zeit. Stellenweise spritzig, dazwischen ziemlich zäh. Ich fühle mich ein wenig an Henscheids Vollidioten erinnert, ganz dunkel, da diese Lektüre schon lange zurückliegt. Vorab-Urteil nach einem Drittel: Da habe ich deutlich mehr erwartet. Das Beste bis jetzt: Cover und Titel.

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 28.08.2014, 10:27

Hallo Atalante,

mir ging es mit dem Buch ähnlich. Es hat mir gefallen, ich habe es gerne gelesen, fand es witzig und in einigen Punkten auch ganz klug beobachtet. Wie sich die Welt ansieht, wenn man erst einmal eine schräge Idee zum Dreh- und Angelpunkt seiner Weltsicht macht, ist ganz nett beschrieben. Insgesamt aber war es dann auch nicht sehr viel mehr als das... Ich bin froh, diesen Autor kennengelernt zu haben, aber ein preiswürdiges Buch ist es nicht, weshalb ich es auch nicht auf meine persönliche Shortlist setzen würde.

Ich habe jetzt folgende Titel der Longlist gelesen und würde sie - gegenwärtig - in folgende Reihenfolge bringen:

1. Stanisic
2. Hettche*
3. Bärfuss
4. Nawrat
5. Poschenrieder
6. Leutenegger
7. Ziegelwagner
8. Draesner

*noch unter Vorbehalt, da noch nicht beendet.

Es folgen noch Köhlmeier und Seiler. Ob ich dann noch mehr lese, hängt wohl davon ab, ob auf der Shortlist etwas steht, das ich noch nicht gelesen habe. Esther Kinsky, Charles Lewinsky und Friedrich kommen noch in die engere Wahl. Bei den anderen Titeln bin ich aber eher skeptisch.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 28.08.2014, 10:44

Hallo zusammen,

ich kann inzwischen auch eine kleine Rangliste erstellen:

1. Sasa Stanisic – Vor dem Fest
Ich habe es bis zur letzten Zeile genossen, sowohl inhaltlich auch sprachlich. Ausgezeichnet!

2. M. Nawrat – Unternehmer
Ein spannendes Buch, sprachlich sehr gut umgesetzt, ein Autor der verspricht, aber kein Shortlist-Kandidat

3. Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling
Das Buch hat mich auch nicht ganz überzeugt. Die Spaziergänge durch London (zu dem ich auch keinen richtigen Bezug habe) haben mich irgendwann nur gelangweilt und habe mich nach dem Sinn des Ganzen gefragt: Um die Erzählungen irgendwie einzubetten?
Am interessantesten fand ich gerade diese kleinen Kindheitserinnerungen zwischendurch, vor allem die von Jonathan. Schade, dass die nicht ausgebaut wurden. Sie hätten Stoff für einen Roman geliefert.

Es war nett, mal etwas von dieser Autorin gelesen zu haben, sie kann schreiben, keine Frage, aber für mich reicht es. Ich hoffe, es gibt bessere Shortlist-Kandidaten.
---------------------------

Ich lass mich überraschen und lese als Nächstes das, was unsere Buchhandlung heute vor Ort hat :-)

Reizen würden mich:

Bärfuss, Köhlmeier, Streeruwitz usw :-)
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Ich lese gerade:

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 30.08.2014, 14:09

Dana hat geschrieben:Ich lass mich überraschen und lese als Nächstes das, was unsere Buchhandlung heute vor Ort hat :-)


Und wie das mit den Plänen so ist ... die Buchhandlung hatte ALLE Bücher vorrätig, bis auf "Polykrates-Symbol", das wohl z.Zeit vergriffen sei ...

Mitgenommen habe ich Hettche & Bärfuss. Letzteres lese ich schon: beeindruckend!

LG,
Dana
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 02.09.2014, 09:04

Ich bin gerade bei Buch Nr. 9 von der Longlist: Franz Friedrich, Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr. Bin erst auf Seite 70 aber sehr beeindruckt.

Bisher kristallisiert sich bei mir heraus:

Die Shortlist-Favoriten:
Stanisic, Bärfuss, Hettche, Franz

Eher nicht shortlistverdächtig, aber trotzdem lesenswert:
Nawrat, Poschenrieder, Leutenegger, Ziegelwagner

Ein Problemfall ist für mich Ulrike Draesner. Das Buch hat tolle Kapitel, aber auch ganz schlechte. Ich würde es nicht auf die Shortlist setzen, bin aber ziemlich sicher, dass es draufstehen wird. Und wegen des Themas und der Autorin fürchte ich sogar, dass es eine heiße Kandidatin für den Preis ist. Das Buch passt voll in eine Linie mit den Büchern von Ursula Krechel oder auch Julia Franck, die den Preis schon gewonnen haben.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Bruna » 02.09.2014, 10:11

bewundernswert wie ihr euch durch die longlist lest ;)
ich habe bisher nur den roman von marlene streeruwitz gelesen und dabei wird es wohl im bezug auf die long/shortlist bleiben
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