Deutscher Buchpreis 2014

Hier ist Raum für alles rund um Bücher: Eindrücke nach dem Lesen, Rezensionen, Fragen, Austausch...

Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 02.09.2014, 10:55

Bruna hat geschrieben:bewundernswert wie ihr euch durch die longlist lest ;)
ich habe bisher nur den roman von marlene streeruwitz gelesen und dabei wird es wohl im bezug auf die long/shortlist bleiben


Das stimmt gar nicht, Bruna, du liest gerade das 2. Buch von der Liste :) :



Wie hat dir das Buch von Streeruwitz gefalllen? Ich möchte es auch unbedingt lesen.

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Bruna » 03.09.2014, 13:54

Dana du hast recht. Ist mir nachdem ich meinen beirtag abgeschickt hatte auch aufgefallen :D

Hm, was soll ich also zu Frau Streeruwitz sagen ;) - das Buch ist meiner Meinung nach viel weniger 'radikal' als ihre früheren Bücher. Ihre Figur Nelia Fehn ist mir im Umgang mit ihrem Verlegen (und den restlichen 'alten Herren') etwas zu naiv - was man aber natürlich einer unerfahrenen 20 jährigen Schriftstellerin auch zugestehen muss.
Der typische Streeruwitz-Stil passt sehr gut zu diesem Roman -ich bin diesesmal auch viel schneller in einen Lesefluss gekommen als bei früheren Büchern.
Insgesamt ist 'Nachkommen.' ein guter Roman, aber wirklick begeistert oder gar 'umgehauen' hat er mich leider nicht.
Genial finde ich die Idee, dass dieser Roman der Nelia Fehn in 'Nachkommen.' im Herbst wirklich erscheinen wird. Bin schon sehr neugierig darauf.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 04.09.2014, 10:42

Danke Bruna! Stimmt, über die Geschichte mit dem Roman von Nelia Fehn hatte ich irgendwo gelesen. :lol:

Das Buch von Bärfuss habe ich gestern beendet.

Wieder mal eine Entdeckung in diesem Jahr! Es war sehr interessant, dem Autor bei seinen Gedanken zum Thema Selbstmord zu folgen. Und dass man dabei auch einiges über Koala und seine Geschichte erfährt ist das Sahnehäubchen dazu, auch wenn in meinen Augen der Teil über die Gefangenenkolonie ein bisschen zu ausführlich geraten ist.
Das Buch steht auch bei mir auf dem 2. Platz, aber mit einem deutlichen Abstand zu Stanisic. Und das Ruanda-Buch werde ich bestimmt irgendwann auch lesen.



Bei mir geht es mit Hettche weiter ... immer schön auf Toms Spuren :)

Danach folgt dann E. Kinsky, da ich das Buch im Rahmen der Aktion LongListLesen 2014 zu lesen und rezensieren bekomme :)

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 05.09.2014, 06:22

Dana hat geschrieben:Danach folgt dann E. Kinsky, da ich das Buch im Rahmen der Aktion LongListLesen 2014 zu lesen und rezensieren bekomme :)



Oh wie schön, Dana! Da freue ich mich schon auf Deine Rezension!
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 05.09.2014, 20:27

Ich habe jetzt auch Franz Friedrichs Roman 'Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr' beendet. Ich bin von dem Roman sehr beeindruckt und freue mich, mit ihm eine interessante neue Stimme in der dt. Literatur kennen gelernt zu haben. Der Autor wagt viel, sein Buch ist ungewöhnlich, aber es ist ihm durchaus geglückt. Mich fasziniert diese Kombination aus phantastischen Elementen, die aber so erzählt werden, dass sie ausgesprochen realistisch erscheinen. Es ist eine Welt, wie man sie kennt und zugleich ist sie doch nicht genau unsere (gegenwärtige) Welt. Das Kernmotiv der verstummten Meisen und die Reaktion der Welt darauf ist gleichermaßen phantastisch wie auch realistisch. Das Buch hält viele Spannungen in der Schwebe und löst nicht alles auf, ohne dabei doch unbefriedigend zu sein. Für mich ein Roman, der es verdient hätte, auf der Shortlist zu stehen.

Meine persönliche Shortlist bis heute:
Stanisic
Hettche
Bärfuss
Friedrich

Jetzt mache ich mich an Herrn Köhlmeier und nächste Woche im Urlaub schaffe ich dann hoffentlich noch den Roman von Lutz Seiler. Und dann schaue ich mal, was wirklich auf der Shortlist steht... ;)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 07.09.2014, 18:16

Hut ab, Tomke.
Ich hatte nicht viel Lesezeit in letzter Zeit, laboriere also immer noch am Ziegelwagner. Sein Buchpreis-Artikel in der FAZ sollte auf die Shortlist. :lol:
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Daniela » 09.09.2014, 11:19

Irgendwie schafft der Buchpreis es dieses Jahr nicht, mich zum begeisterten Lesen zu animieren. Ich weiß auch nicht so recht, woran das liegt... hauptsächlich an mir, aber auch daran, dass viele der Titel mich einfach nur halb locken und nicht begeistern.

Im Gegensatz zu eurer Begeisterung werde ich zB mit Stanisic überhaupt nicht warm - Atalante, mich würde sehr interessieren, wie es dir damit ging! (bzw. ich geh dann heute abend mal bei dir nachlesen, du hast doch bestimmt was darüber geschrieben, oder?)

Und ansonsten... Kleine Kassa habe ich begonnen, lockt nicht zum Weiterlesen... ich hätte gerne mal wieder ein Buch, das mich so richtig mitreißt und begeistert!
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 09.09.2014, 17:02

Huhu Daniela, bei mir findest Du nichts über Stanisic, aber hier im Forum habe ich schon geschrieben, daß mich dieser Roman nicht zum Weiterlesen reizt. Nach einer guten Hälfte hatte ich einfach kein Interesse mehr.

Außer Tom hat noch keiner seine Shortlist-Spekulationen offenbart. Ich versuche es mal, wenn auch fast gänzlich unbelesen. Der letzte der Liste, Lutz Seiler, wird natürlich den Preis gewinnen.

Lukas Bärfuss: "Koala" (Wallstein, März 2014)

Franz Friedrich: "Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr" (S. Fischer, August 2014)

Thomas Hettche: "Pfaueninsel" (Kiepenheuer & Witsch, September 2014)

Esther Kinsky: "Am Fluß" (Matthes & Seitz Berlin, August 2014)

Charles Lewinsky: "Kastelau" (Nagel & Kimche, Juli 2014)

Lutz Seiler: "Kruso" (Suhrkamp, September 2014)

Oha, wieder nur eine Frau. Vielleicht geht das ja doch nicht so. :lol:
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 10.09.2014, 08:55

Die Shortlist ist da:

Thomas Hettche: Pfaueninsel (Kiepenheuer & Witsch, September 2014)

Angelika Klüssendorf: April (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2014)

Gertrud Leutenegger: Panischer Frühling (Suhrkamp, März 2014)

Thomas Melle: 3000 Euro (Rowohlt.Berlin, August 2014)

Lutz Seiler: Kruso (Suhrkamp, September 2014)

Heinrich Steinfest: Der Allesforscher (Piper, März 2014)

Mein einziger Trost dabei: Hettche ist darauf! Er hat es in meinen Augen verdient. Leutenegger weniger. All die anderen kenne ich nicht ...

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 10.09.2014, 09:58

Ich finde es gut, daß Hettche noch dabei ist. Sein Buch hatte ich mir sowieso vorgenommen. Auch Lutz Seiler spielt noch mit, da könnte meine Prophezeiung also doch noch eintreten.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 10.09.2014, 10:21

Atalante hat geschrieben:Ich finde es gut, daß Hettche noch dabei ist. Sein Buch hatte ich mir sowieso vorgenommen. Auch Lutz Seiler spielt noch mit, da könnte meine Prophezeiung also doch noch eintreten.


:lol: Daran habe ich auch gedacht.

Ich tippe auf Steinfest :evil:

Das Schlimme ist: Außer "April" reizt mich keines der Bücher von dieser Shortlist. Trotz Nominierung.

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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Daniela » 10.09.2014, 19:18

Ich bin kein Maßstab. Ich sollte wohl Steinfest lesen, dass passt in meine Krimileserei...
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Bruna » 10.09.2014, 20:08

Ich bin auch kein Maßstab und werde von dieser Shortlist gar nichts lesen.
Dafür habe ich von der durch Krankheit verhinderten Bachmannpreis-Teilnehmerin Karen Köhler die Leseprobe zu ihren Erzählungen ‘Wir haben Raketen geangelt‘ gelesen und bin sehr beeindruckt. Werde dieses Buch voraussichtlich lesen. Zunächst lese ich aber das ziemlich umfangreiche (Kindle)Einleseheft zu ‘Das achte Leben‘ von Nino Haratischwili. Das könnte ein wirklich beachtlicher Schmöker sein (nicht nur was den Umfang des Buches betrifft). Und seit ich die beiden Donna Tartt Romane gelesen habe bin ich auf der Suche nach einem ähnlich guten Schmöker ;)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Ralf » 11.09.2014, 06:23

Dana hat geschrieben:Das Schlimme ist: Außer "April" reizt mich keines der Bücher von dieser Shortlist. Trotz Nominierung.
LG,
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Liebe Dana,
vielleicht änderst du noch deine Meinung.
Zu April: ja, schön daß die Klüssendorf nach "Mädchen" nochmal dabei ist, ich würde aber einfach eine "Fortsetzung" davon erwarten, ohne Näheres dazu zu wissen. Ich habe es damals gerne gelesen, werde auch April wieder gerne lesen, aber ich wünsche mir zum Herbst eben immer wieder was Neues, etwas, das ich noch nicht kenne.
Und deshalb ist es mir ein wenig ein Rätsel, warum keiner von euch L Seiler erwähnt, für mich war er von Anfang an der Favorit und das interessanteste Buch von allen. Das ist doch ein sehr schönes Buch. Ein Inselroman, das trifft es durchaus: die Insel abseitig, am "Rand der Welt", die Menschen darin auch abseitig, am Rande.
Es liest sich sehr gut, hat ne ganz eigene Stimmung, übers Abwaschen erfährt man auch einiges ;)
Ich wäre glücklich, wenn dieses Buch das Rennen machen würde und ich glaub schon, daß es den meisten Lesern sehr gefallen würde...
LG Ralf
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Dana » 11.09.2014, 08:55

Hallo Ralf,

ja, du hast recht, Neues sollte man auf diesen Listen suchen ...

Deine Meinung war das i-Tüpfelchen für meine Umentscheidung, nachdem ich so viele begeisterte Meinungen & Rezensionen gehört und gelesen habe. Danke!

Tatsache ist, dass ich mich zur Zeit schon auf einer Insel befinde, und zwar auf der Pfaueninsel. Da ist es auch sehr schön, umgeben von exotischen Pflanzen & Tieren, in Gesellschaft von Königen, Zwergen, Riesen usw. Außer der interessanten Geschichte der Insel erfährt man viel über die Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt. Literarische Bonbons fehlen auch nicht, so z.B. verkehrt Peter Schlemihl auf der Insel :)

H. Böttiger vergleicht in der ZEIT sehr schön beide Bücher:

Wer will, kann mit Seiler und Hettche zwei unterschiedliche ästhetische Prinzipien gegeneinandersetzen und die eigenen Kriterien daran schärfen: Hettches raffinierte, diskursgewandte und anspielungsreiche, genau abgezirkelte kleine Form gegen Seilers poetisch-existenziellen Weltentwurf, in dem am Beispiel der DDR-Insel Hiddensee im Sommer 1989 Fragen der Freiheit, der Freundschaft und der menschlichen Beziehungen aufgeworfen werden.


Für ihn ist Kruso der eindeutige Favorit.

Seine Analyse der Shortlist, "Selten ein so starker Favorit" finde ich sehr lesenswert.

LG,
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 13.09.2014, 15:20

Ralf hat geschrieben:Und deshalb ist es mir ein wenig ein Rätsel, warum keiner von euch L Seiler erwähnt, für mich war er von Anfang an der Favorit und das interessanteste Buch von allen. Das ist doch ein sehr schönes Buch. Ein Inselroman, das trifft es durchaus: die Insel abseitig, am "Rand der Welt", die Menschen darin auch abseitig, am Rande.
Es liest sich sehr gut, hat ne ganz eigene Stimmung, übers Abwaschen erfährt man auch einiges ;)
Ich wäre glücklich, wenn dieses Buch das Rennen machen würde und ich glaub schon, daß es den meisten Lesern sehr gefallen würde...
LG Ralf


Hallo Ralf,

schön, hier wieder einmal von Dir zu lesen!

Dass ich Lutz Seiler bisher nicht erwähnt habe, liegt vor allem daran, dass sein Buch erst so spät erschienen ist (später als die meisten anderen Bücher der Longlist). Daher konnte ich es bisher noch nicht lesen, bin jetzt aber zu zwei Dritteln damit durch.

Ich habe jetzt zehn der Titel gelesen, und meine persönliche Shortlist hätte so ausgesehen:

1. Stanisic
2. Hettche
3. Seiler
4. Bärfuss
5. Friedrich

Gelesen, aber nicht auf die Shortlist gesetzt: Nawrat, Poschenrieder, Leutenegger, Ziegelwagner, Köhlmeier, Draesner.

Einen sechsten Titel für die Shortlist kann ich leider nicht nennen, denn die anderen Bücher haben mir zwar teilweise gut gefallen, aber für shortlistwürdig halte ich sie eigentlich nicht. So wundert mich auch ein wenig, dass Gertrud Leutenegger es auf die Shortlist geschafft hat, aber vielleicht mag die Tatsache, dass sie weiblich ist und aus der Schweiz kommt, für sie gewirkt haben. ;)

Ich hatte eigentlich erwartet, dass auch Köhlmeier auf meiner Shortlist stehen würde, aber sein Buch über Churchill und Chaplin hat mich leider gar nicht angesprochen. Davon hatte ich mir doch deutlich mehr erwartet.

Steinfest und Melle sind für mich Zählkandidaten. Wirklich ernst nehme ich auf der Shortlist eigentlich nur Thomas Hettche und Lutz Seiler. 'Kruso' scheint von den meisten als klarer Favorit gesehen zu werden, aber ich bin mir da noch nicht so ganz sicher. Nach ca. zwei Dritteln des Romans kann ich zwar erkennen, dass es ein sehr gutes und wichtiges Buch ist, aber zugleich habe ich auch das Gefühl, dass der Autor den Handlungsfluss nicht richtig voranbringt. Das Buch stockt ein wenig und ich nehme an mir einen gewissen Unwillen wahr, der nicht nur mit den vielen sehr unappetitlichen Details der Erzählung zu tun hat (ich sage nur: Der Lurch :lol: ). Der Erzähler hat mir zur Genüge deutlich gemacht, worum es ihm geht, er dürfte jetzt gerne mal ein bisschen voran machen mit seinem Personal... In dieser Hinsicht finde ich die Pfaueninsel vielleicht als literarisches Werk doch etwas geglückter, auch steckt Thomas Hettche mit seinem Thema ja ein ebenso großes Feld ab, ist also inhaltlich keineswegs weniger gewichtig. Ich nehme aber an, dass Lutz Seiler trotzdem die besseren Chancen hat, den Preis zu gewinnen. Einfach weil er über die Themen schreibt, über die Literaturkritiker gerne lesen. :mrgreen:
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 13.09.2014, 15:28

Dana hat geschrieben:H. Böttiger vergleicht in der ZEIT sehr schön beide Bücher:

Seine Analyse der Shortlist, "Selten ein so starker Favorit" finde ich sehr lesenswert.

LG,
Dana


Wobei Helmut Böttiger auch hier wieder der Versuchung erliegt, sich zu Büchern zu äußeren, die weder auf der Longlist noch auf der Shortlist stehen, sondern über die er eben auch gerne mal reden möchte... :mrgreen:
Zuletzt geändert von Tomke am 13.09.2014, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Ralf » 13.09.2014, 16:14

Tomke hat geschrieben:Einen sechsten Titel für die Shortlist kann ich leider nicht nennen, denn die anderen Bücher haben mir zwar teilweise gut gefallen, aber für shortlistwürdig halte ich sie eigentlich nicht. So wundert mich auch ein wenig, dass Gertrud Leutenegger es auf die Shortlist geschafft hat, aber vielleicht mag die Tatsache, dass sie weiblich ist und aus der Schweiz kommt, für sie gewirkt haben. ;)

Steinfest und Melle sind für mich Zählkandidaten. Wirklich ernst nehme ich auf der Shortlist eigentlich nur Thomas Hettche und Lutz Seiler. 'Kruso' scheint von den meisten als klarer Favorit gesehen zu werden, aber ich bin mir da noch nicht so ganz sicher. Nach ca. zwei Dritteln des Romans kann ich zwar erkennen, dass es ein sehr gutes und wichtiges Buch ist, aber zugleich habe ich auch das Gefühl, dass der Autor den Handlungsfluss nicht richtig voranbringt. Das Buch stockt ein wenig und ich nehme an mir einen gewissen Unwillen wahr, der nicht nur mit den vielen sehr unappetitlichen Details der Erzählung zu tun hat (ich sage nur: Der Lurch :lol: ). Der Erzähler hat mir zur Genüge deutlich gemacht, worum es ihm geht, er dürfte jetzt gerne mal ein bisschen voran machen mit seinem Personal...


Da hast du ja schon eine ganze Menge gelesen und einen guten Überblick...
Hettche interessiert mich auch sehr, auch Dana dürfte den mittlerweile gelesen haben, spät. nach diesem WE. Mal sehen, wann der mir in die Hände fällt. Leutenegger hatte mich zunächst so gar nicht interessiert, nachdem ich aber heute vormittag oder gestern im Radio einem vorgelesenen Ausschnitt gelauscht habe und wenn das ganze Buch in dem Ton ist, dann muß ich nur noch klären, ob es sich so schön liest wie es sich anhört. Ich war überrascht, wie mir das gefallen hatte, da ich sonst gar kein Hörtyp bin, sondern den Text lesen muß. Den Ausschnitt hatten die gut gewählt, war sehr schön.
Ansonsten: gerade der Lurch war doch faszinierend, hatte meine Version davon bildhaft vor Augen, riechen mußte ich ja nicht. Ich mochte diesen unappetitlichen Ausschnitt (und andere) durchaus, es gibt ja so manche Situation in dem Buch, in der ich mich nicht sehen möchte :?
Am neugierigsten wäre in nun als nächstes auf den Hettche...

Ach, und der Friedrich beginnt mich auch so langsam zu interessieren, sowas entwickelt sich immer im Laufe der Wochen, abhängig davon, wieviel ich drumrum aufnehme...
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 14.09.2014, 08:12

Ralf hat geschrieben:
Tomke hat geschrieben:Nach ca. zwei Dritteln des Romans kann ich zwar erkennen, dass es ein sehr gutes und wichtiges Buch ist, aber zugleich habe ich auch das Gefühl, dass der Autor den Handlungsfluss nicht richtig voranbringt. Das Buch stockt ein wenig und ich nehme an mir einen gewissen Unwillen wahr, der nicht nur mit den vielen sehr unappetitlichen Details der Erzählung zu tun hat (ich sage nur: Der Lurch :lol: ). Der Erzähler hat mir zur Genüge deutlich gemacht, worum es ihm geht, er dürfte jetzt gerne mal ein bisschen voran machen mit seinem Personal...


Tja, nur wenige Seiten später tut Seiler genau das. Der Klausner hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Ich bin beeindruckt. ;)

Leutenegger hatte mich zunächst so gar nicht interessiert, nachdem ich aber heute vormittag oder gestern im Radio einem vorgelesenen Ausschnitt gelauscht habe und wenn das ganze Buch in dem Ton ist, dann muß ich nur noch klären, ob es sich so schön liest wie es sich anhört. Ich war überrascht, wie mir das gefallen hatte, da ich sonst gar kein Hörtyp bin, sondern den Text lesen muß. Den Ausschnitt hatten die gut gewählt, war sehr schön.

Das Buch von G. Leutenegger ist durchaus sehr schön mit einigen sehr intensiven und atmospährisch dichten Beschreibungen Londons. Das hat mir gut gefallen, wenngleich mich der Roman als Ganzes auch nicht bis ins Letzte überzeugt hat. Aber es lohn sich gewiss, ihn zu lesen.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 05.10.2014, 17:54

Also morgen gewinnt Kruso, würde ich sagen.

Ich lese mich gerade durch einen sehr zähen Köhlmeier und habe die Hoffnung, ob es mich packt, noch nicht aufgegeben. ;)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Tomke » 06.10.2014, 08:12

Atalante hat geschrieben:Also morgen gewinnt Kruso, würde ich sagen.

Ich lese mich gerade durch einen sehr zähen Köhlmeier und habe die Hoffnung, ob es mich packt, noch nicht aufgegeben. ;)


Köhlmeier hat mich leider auch überhaupt nicht gepackt. Das Buch blieb für mich fern und uninteressant.

Ich rechne auch damit, das Kruso gewinnt, wobei ich persönlich den Preis an Thomas Hettche vergeben würde.
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Ralf » 06.10.2014, 16:57

Atalante hat geschrieben:Also morgen gewinnt Kruso, würde ich sagen.

Ja, Lutz Seiler hat mit Kruso den Buchpreis 2014 bekommen.
Mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen, ein besonderes Buch, eine eigene Welt auf der Insel, schön zu lesen: mich freuts...
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Daniela » 07.10.2014, 11:12

Kruso also. Hm. Naja, wenn das Buch wirklich so sehr herausragt.... dann nehme ich das mal so hin. Ich muss es erst lesen (hab es in der Onleihe schon vorbestellt).
Aber schon wieder DDR? Muss man, um den Buchpreis zu gewinnen, wirklich unbedingt entweder über DDR oder 2. Weltkrieg oder am besten beides zusammen schreiben?

Atalante hat geschrieben:Also morgen gewinnt Kruso, würde ich sagen.

Ich lese mich gerade durch einen sehr zähen Köhlmeier und habe die Hoffnung, ob es mich packt, noch nicht aufgegeben. ;)


Tja... ich hatte sie auch bis zuletzt, diese Hoffnung. Vergebens ;-)
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Atalante » 07.10.2014, 11:44

Ah, die werde ich mir auf jeden Fall ansehen, nachdem ich den Roman rezensiert habe.

Auf Deinen Kommentar zu meinem Schlink-Kommentar warte ich ja noch, Daniela. ;) Haben wir dessen Roman eigentlich hier im Forum schon angesprochen?

Bisher habe ich bis auf Toms Äußerungen nur viel Lob zu Köhlmeiers Roman mitbekommen. Teilweise wurde allerdings äußerst schlampig gelesen, z.B. hatte die FAZ-Rezensentin wohl zu viel Freude an der Vorstellung wie der übergewichtige Churchill bäuchlings über ein weißes Plakat kreiselt. :mrgreen:
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Re: Deutscher Buchpreis 2014

Beitragvon Bruna » 07.10.2014, 12:31

Daniela hat geschrieben:Aber schon wieder DDR? Muss man, um den Buchpreis zu gewinnen, wirklich unbedingt entweder über DDR oder 2. Weltkrieg oder am besten beides zusammen schreiben?


Daniela, das habe ich mir auch gedacht ;) - und Krankheits-Bücher kommen wohl bei der Jury auch gut an.
Mich interessiert KRUSO vom Thema überhaupt nicht und werde den Roman also auch nicht lesen.

ZWEI HERREN AM STRAND fand ich letztendlich nicht SO schlecht. Buchpreiswürdig ist dieser Roman sicher nicht, aber nach einem zähen Beginn hat mir das Buch dann doch ganz gut gefallen.
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