Nella Larsen: Seitenwechsel (Passing)

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Nella Larsen: Seitenwechsel (Passing)

Beitragvon Anja » 09.03.2015, 11:19

Auf Empfehlung von Dana habe ich am WE "Seitenwechsel" gelesen, 1929 im us-amerikanischen Original und 2011 auf deutsch (in einer außerordentlich hübschen Ausgabe vom Dörlemann Verlag, aber das nur nebenbei).

Es ist eine Geschichte um zwei erwachsene Frauen (Claire und Irene), die jeweils ein farbiges Elternteil haben, aber so helle Haut, dass sie als Weisse durchgehen ("to pass"). Eine wächst als Waise bei entfernten Verwandten auf, die andere bleibt unter Schwarzen und lebt in Harlem, beide sind verheiratet. Rassismus gehört für beide zum Alltag. Sie sehen sich nach vielen Jahren in Chicago wieder, schon bei diesem Wiedersehen wird deutlich, dass das eine Art Hassliebe ist, die sie verbindet.
Dann ist der Roman auch eine klassische Dreiecksgeschichte, ein Mann, zwei Frauen. Es geht aber in erster Linie um Identität, wie man sich selbst wahrnimmt, wie einen andere wahrnehmen, wie man aus diesen beiden Ebenen, die sich gegenseitig beeinflussen, das eigene Selbst konstruiert und definiert.

Das klingt vielleicht unspektakulär, ist es aber nicht. Das Buch ist sehr gut aufgebaut, die Personen sind hervorragend gezeichnet, die Sprache ist klar auf den Punkt und als i-tüpfelchen sind auch die ambivalenten Haltungen und Beziehungen der drei Hauptfiguren so angedeutet, dass den Lesern Raum gelassen wird. Insofern ist auch das Ende konsequent.

Den englischen Text gibt es in mehreren Formaten als kostenloses ebook, auch die Übersetzung von Adelheid Dormagen finde ich sehr gelungen, ich bin nur bei einem Sazu hängen geblieben:
https://archive.org/details/passing00lars

Das Buch hat viel Medienaufmerksamkeit bekommen, unter anderem hier:
http://www.deutschlandfunk.de/klassiker-zu-afro-amerikanischen-fragen.700.de.html?dram:article_id=215693
http://www.perlentaucher.de/buch/nella-larsen/seitenwechsel.html
Anja
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