Patrick Küppers: Fußball, ich habe einen Traum 2014

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Patrick Küppers: Fußball, ich habe einen Traum 2014

Beitragvon Anja » 24.03.2015, 13:40

Dieser Text will viel .. und scheitert an mangelnder Struktur. Es geht schon los damit, das in der Einleitung bis Seite 17 immer noch nicht geklärt ist, worum es in dem Essay gehen soll, in jedem halbwegs gescheiten Uni-Kolloquium hätte man da "Wo ist die Fragestellung?" zu hören bekommen. Definitionen oder Aufbau des Textes- ebefalls Fehlanzeige. Was Küppers unter "Poesie" versteht, bleibt unklar und schwammig, mal spricht er von Geisteswissenschaften, mal übergangslos von "den humanities", Nobert Elias (Konflikte) wird nebenbei in wenigen Zeilen erwähnt (S. 25), wird aber auf dem Klappentext als zentrale Referenz genannt, reines Name-Dropping, der Historiker Huizinga ist eine wesentliche Quelle.

Ausgangspunkt ist es, Fußball als eine Art Sprache zu sehen und zu beschreiben, diese Fußballsprache kann dann poetisch sein, Körperlosigkeit bzw. "Schweben über den Platz" gilt als Ideal.
Vermutlich richtet sich der Text an ein allgemeines Publikum, dafür ist er aber wieder zu sehr durchzogen mit Referenzen und wissenschaftlichen Begriffen. Über Formulierungen wie "fanden sich dann Kräfte" (S. 33) kann man eigentlich nur stolpern - was für Kräfte, wo kamen die her, wo ist eine Quelle oder ein Beleg? Nada.
Ein paar interessante Passagen sind durchaus drin (Fußball als Regulierung des Gewaltpotenzials im 19. Jahrhundert), Wettkampf als Ritualisierung, Internate in England. Über weite Strecken wechselns sich dann aber scheinbar willkürlich ausgewählte Zitate mit langatmigen Beschreibungen von Fußballtrends (Dribbel, Tricksen und Tore versus System und Organisation). Kernstück ist ein kurzer Aufsatz von Pasolini von 1971, der über 21 Seiten beschrieben und ausgeweitet wird - mit Schilderungen von EM-Spielen.
Das geht dann weiter mit Internationalsierung, Professionalisierung und Cantenaccio, Maradona und Stilmitteln ... auf Seite 81 von etwa 120 habe ich dann aufgegeben.
Anja
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