Endlich: ein neuer Roman von Irene Ruttmann

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Endlich: ein neuer Roman von Irene Ruttmann

Beitragvon Tomke » 17.06.2015, 10:09

Einige hier haben ja vor einigen Jahren Irene Ruttmanns Buch 'Das Ultimatum' gelesen. Mir hat es seinerzeit (und auch beim späteren Wiederlesen) sehr sehr gut gefallen. Ich war immer etwas traurig, dass Irene Ruttmann keine weiteren Romane geschrieben hat (ich kenne sonst nur ein paar Kinderbücher von ihr). Regelmäßig höre ich sie auch auf HR2-Kultur in der Sendung 'Literatur im Kreuzverhör'.

Nun erscheint doch wieder ein Roman von ihr, und zwar schon im Juli:
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Irene Ruttmann, Adèle

Beitragvon Tomke » 26.07.2015, 16:58

Den kleinen Roman von Irene Ruttmann habe ich jetzt gelesen. Ein wunderschönes Buch, von einer Leichtigkeit und zugleich menschlichen Wärme, dass es eine Freude ist.

Der junge Soldat Maximilian wird als Sanitäter im Ersten Weltkrieg 1916 in ein kleines französisches Dorf versetzt. Dort trifft er auf die junge Adèle, mit der ihn eine kurze, aber intensive Affäre verbindet. Sie spricht kaum Deutsch, er kaum Französisch, so bleibt die Kommunikation zwischen ihnen auf wenige Worte, Gesten und den Austausch von Zärtlichkeiten beschränkt. Trotzdem bietet Adèle dem jungen Max so etwas wie Wärme und eine Zuflucht inmitten eines fürchterlichen Krieges. Max, der zwar bildungshungrig und kunstinteressiert ist, jedoch von zuhause aus keine Bildungsmöglichkeiten erhalten hat, versucht zu deuten, in was für eine Familie er dort geraten ist. Er ist unsicher - auch weil er nicht weiß, ob er den Franzosen trauen darf. Als sie ihn bitten, ein wertvolles Gemälde zu verstecken, fürchtet er sich vor dem Risiko, dass er dabei eingehen muss. Aber es ist Krieg. Nichts ist planbar, Beziehungen können nicht langfristig angelegt werden, auch wenn Max natürlich von einem Leben mit seiner Adèle träumt. Er wird an die Ostfront verlegt, der Kontakt bricht ab, und Adèle bleibt eine kostbar gehütet Erinnerung, die in der Familie ihre Spuren hinterlässt.

Die Stärke von Irene Ruttmann liegt in ihrer einfachen und zugleich eleganten Prosa, in der tiefen Menschlichkeit ihrer Erzählung. Wie sie eine Liebesgeschichte inmitten des Kriegsgrauens so zart und zugleich so ernst erzählt, das ist ganz große Kunst. Wem Robert Seethalers Trafikant gefallen hat und wer denn vielleicht in 'Ein ganzes Leben' ein bisschen die Wärme vermisste - der ist hier bei Irene Ruttmann genau richtig.

Ich hoffe sehr, dass das Buch auf der Longlist des Buchpreises Beachtung findet.
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Re: Endlich: ein neuer Roman von Irene Ruttmann

Beitragvon Atalante » 29.07.2015, 15:15

Danke für Deine Rezension, Tom. Das Buch habe ich in meine Longlist aufgenommen.
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Re: Endlich: ein neuer Roman von Irene Ruttmann

Beitragvon Daniela » 13.01.2016, 11:23

Ah, siehst du, dieses Buch kommt auch noch auf meine Liste fürs Vorjahr, das habe ich zwischendurch ja auch mal gelesen.... allerdings hat es mich eher enttäuscht....
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