Was Tom so liest

Welche Bücher hast du im vergangenen Monat gelesen? Und wie bewertet? Hier ist der richtige Platz dafür!

Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 07.04.2008, 17:13

Hallo zusammen,

da hier so viele ihre Monatsleselisten reinstellen, will ich auch was posten. Monatlich werde ich das nicht tun, das ist mir zu peinlich. So viele Bücher wie Ihr schaffe ich nämlich nicht. Außerdem will ich mich nicht verpflichten, monatlich zu schreiben...

Alas, hier kommt meine Leseliste der letzten Wochen (seit Leipzig, genau gesagt):

Julia Friedrichs, Gestatten: Elite ****
Ein höchst vergnügliches Buch zum Thema Elite-Diskussion. Die Autorin, eine junge Journalistin, hat sich nach einem Assessment-Centre bei McKinsey auf die Spur der Jungen und Erfolgreichen begeben und ihre Ausbildungsstätten besucht. Dies hat sie nicht als Undercover-Agentin getan, sondern als offen recherchierende Journalistin. Ihre Leitfragen waren: Was versteht man in Elitekreisen eigentlich unter "Elite"? Welche Ziele verfolgen die jungen Leute, die sich dazu zählen? Geht es dabei wirklich um die Besten? Das Buch liest sich prima, es kommt ohne Polemik daher und ist in meinen Augen auch recht ausgewogen. Alles in allem allerdings ein ernüchterndes Bild.


Martin Walser, Ein liebender Mann *****

Nach der Lesung in Leipzig mußte ich dieses Buch haben. Ich häte nicht geglaubt, daß Walser noch einmal ein so hinreißendes Buch schreiben würde. Leicht im Ton, mitunter ironisch verspielt, dabei nie böse oder bloßstellend, sondern mit viel Mitgefühl und Sinn für echte Tragik. Der dritte Teil hätte ein wenig kürzer geraten können. Aber alles in allem: Unbedingt lesen!


Margriet de Moor: Der Jongleur ***

Ich lese die Bücher von Margriet der Moor sehr sehr gerne und bin ihr über die Jahre treu als Leser gefolgt. Dies ist eher eine Novelle als ein Roman. Erzählt wird eine Dreiecksgeschichte in einer Künstlerpension in Amsterdam in den fünfziger Jahren. Das Buch ist gut erzählt, aber insgesamt doch ein wenig - nun ja - belanglos. An die bisherigen Romane von M de Moor kommt es nicht heran. Daher nur drei Sterne. Ich warte gespannt auf das neue große Buch, das an die "Sturmflut" anknüpft.

Botho Strauß, Die Unbeholfenen **
Dieses Buch habe ich bereits im letzten Jahr gelesen. Wegen der komplexen Thematik habe ich jetzt noch einmal danach gegriffen und Teile erneut gelesen. Das Buch kommt mit dem Untertitel "Bewußtseinsnovelle" daher. Eine Novelle ist es jedoch keineswegs, eher so etwas wie eine Gesprächsanordnung, vergleichbar etwa mit Schleiermachers Weihnachtsabend. Den Kern des Buches bildet ein längeres Gespräch der Hauptpersonen, in dem verschiedene philosophische uns soziale Konzepte vorgelegt werden. Was ich für literarisch für völlig mißlungen halte, ist als Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Gesellschaft nicht uninteressant. Botho Strauß benutzt die literarische Form hier vor allem dazu, seine ultra-konsvervativen Anschauungen zu verpacken. Was da an Analyse kommt, ist zum Teil tiefgreifend erhellend, zum Teil widerwärtig und ätzend. Vor allem problematisch ist bei Strauß wie bei allen Kritikern aus dieser regressiven Ecke, daß der Kritik keinerlei konstruktiven Elemente innewohnen. Wenn auch auf hohem Niveau, bleibt es also doch beim Gezeter und Gemecker einer Generation, deren Ideen und Gedanken historisch schon längst verloren haben und die sich nicht auf eine Diskussion über die Gestaltung der Zukunf einlassen möchten.

Marcel Beyer, Kaltenburg ****
Ein beeindruckendes Buch. Dazu schreibe ich noch einen eigenen Beitrag!

Alan Bennett, The Uncommon Reader ****
Ich habe lange nicht mehr so beim Lesen gelacht wie bei diesem kleinen Meisterwerk des britischen Autors Alan Bennett. Die Hauptfigur dieser bezaubernden kleinen Novelle ist niemand anderes als - Her Majesty the Queen. Durch Zufall entdeckt sie, daß jede Woche die mobile Bücherei vor dem Küchentrakt von Buckingham Palace Station macht. Einmal aufmerksam geworden, fühlt sie sich verpflichtet, ein Buch zu entleihen, mit ungeahnten Folgen. Ma'am entdeckt die Freuden der Literatur, und löst damit eine mittlere Staatskrise aus. Herrlich!

Stephan Wackwitz, Osterweiterung *****
Stephan Wackwitz ist mir vor allem durch seine brillianten Bücher zur intellektuellen Geschichte der 68er bekannt, die beide aber zugleich Tiefenbohrungen in die deutsche Geistesgeschichte waren (Ein unbekanntes Land und Neue Menschen). Dieser neue Band vereinigt 12 Essays zu Reisen nach Mittelosteuropa, wo Wackwitz mehrere Jahre für das Goethe-Institut gearbeitet hat. Er führt uns durch Städte wie Krakau und Bratislava, aber auch zu ganz unbekannten Orten, die auf ihre Art alle tief mit der Geschichte und der Gegenwart verbunden sind. Wackwitz zeigt, wie unvollständig, ja amputiert Westeuropa lange Jahre war, indem es von den östlichen Ländern wie Polen, Rumänien, Ungarn usw. abgeschnitten war. Zugleich ahnt man etwas davon, wieviel wir durch den Eintritt dieser Länder in die EU wieder gewonnen haben. Das Buch macht Lust, sofort die Reisetasche zu packen.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Dana » 08.04.2008, 08:24

Tomke hat geschrieben:Marcel Beyer, Kaltenburg ****
Ein beeindruckendes Buch. Dazu schreibe ich noch einen eigenen Beitrag!


Oh ja, tu das, dann kann ich auch anknüpfen. ;) Die Anzahl der Sternchen stimmt schon mal überein :)

LG,
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Bücher sind wie Freunde: Man braucht nur wenige, aber gute.

Ich lese gerade:

A. L. Kennedy: Der letzte Schrei
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Alan Bennett

Beitragvon Anja » 10.04.2008, 13:25

Tomke hat geschrieben:da hier so viele ihre Monatsleselisten reinstellen, will ich auch was posten. Monatlich werde ich das nicht tun, das ist mir zu peinlich. So viele Bücher wie Ihr schaffe ich nämlich nicht. Außerdem will ich mich nicht verpflichten, monatlich zu schreiben...


Naja es geht ja nicht darum möglichst viel zu "schaffen", mal liest man mehr, mal weniger. Seit ich einen DVD-Player im Haus habe, gucke ich da auch viel- und ich hab ne Menge Nachholbedarf an verpassten Filmen. Außerdem ist zb Signor Rossi auf italienisch klasse - und ich hoffe noch auf besseres Wetter im Mai.

Alan Bennett, The Uncommon Reader ****
Ich habe lange nicht mehr so beim Lesen gelacht wie bei diesem kleinen Meisterwerk des britischen Autors Alan Bennett. Die Hauptfigur dieser bezaubernden kleinen Novelle ist niemand anderes als - Her Majesty the Queen. Durch Zufall entdeckt sie, daß jede Woche die mobile Bücherei vor dem Küchentrakt von Buckingham Palace Station macht. Einmal aufmerksam geworden, fühlt sie sich verpflichtet, ein Buch zu entleihen, mit ungeahnten Folgen. Ma'am entdeckt die Freuden der Literatur, und löst damit eine mittlere Staatskrise aus. Herrlich!


Von Alan Bennett hab ich mir gerade Die Lady im Lieferwagen bestellt - eins dieser herrlichen roten Wagenbach Salto Bändchen .... ;)
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Ralf » 10.04.2008, 14:05

Marcel Beyer, Kaltenburg ****
Ein beeindruckendes Buch. Dazu schreibe ich noch einen eigenen Beitrag!

Würd mich wirklich interessieren...
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Buzz » 30.04.2008, 15:09

Hallo Tom !

Ich habe Alan Bennett im März gelesen und kann dir nur 100 % zustimmen. Das Buch ist großartig !!
In meiner englischen Lesegruppe haben wir uns jetzt THE CLOTHES THEY STOOD UP IN und THE LADY IN THE VAN ausgesucht. Ich freue mich schon !

Mit großem Neid habe ich übrigens deinen Wohnort registriert. :o Da ist ein Waterstones doch nie mehr als einen Steinwurf entfernt, gell !? Liest du die BOOKS QUARTERLY ? Wann immer ich in der Stadt bin, versuche ich ein Exemolar zu ergattern und bekomme immer jede Mene neue Anreguungen. ( als wenn ich noch welchr bräuchte * schäm*)

Herzliche Grüße in meine most favourite city .
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Alan Bennett

Beitragvon Ralf » 19.05.2008, 19:39

Alan Bennett, The Uncommon Reader ****
Ich habe lange nicht mehr so beim Lesen gelacht wie bei diesem kleinen Meisterwerk des britischen Autors Alan Bennett.

Das gibt es übrigens im August 08 bei Wagenbach als "souveräne Leserin" (Salto)...
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 21.05.2008, 18:27

Buzz hat geschrieben:Hallo Tom !

Ich habe Alan Bennett im März gelesen und kann dir nur 100 % zustimmen. Das Buch ist großartig !!
In meiner englischen Lesegruppe haben wir uns jetzt THE CLOTHES THEY STOOD UP IN und THE LADY IN THE VAN ausgesucht. Ich freue mich schon !

Mit großem Neid habe ich übrigens deinen Wohnort registriert. :o Da ist ein Waterstones doch nie mehr als einen Steinwurf entfernt, gell !? Liest du die BOOKS QUARTERLY ? Wann immer ich in der Stadt bin, versuche ich ein Exemolar zu ergattern und bekomme immer jede Mene neue Anreguungen. ( als wenn ich noch welchr bräuchte * schäm*)

Herzliche Grüße in meine most favourite city .
Buzz


Hey Buzz,

schön von Dir zu lesen. Ja, ich kaufe schon häufig bei Waterstone's ein, aber das Magazin nehme ich nicht immer mit . Mein SUB ist im Moment einfach zu groß. Und durch die Three for Two-Aktionen lasse ich mich sowieso immer schon verleiten, zu viel zu kaufen...

Gruß
Tom
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 21.05.2008, 18:50

Hier einmal ein Update zu meinen jüngst gelesenen Büchern. Bitte nicht wundern: Ich habe grade eine polnische Phase, weil ich angefangen habe, Polnisch zu lernen. Es wurde einfach Zeit für eine neue Sprache. Und Polnisch kann man hier gut anwenden, denn es wimmelt von Polen. ;)

Adam Soboczynski, Polski Tango****
Zunächst mal zum Autor: Dana, Du wirst Dich erinnern, daß die Lesung von M. Walser von jemandem moderiert wurde, der sich nicht vorgestellt hat. Dies war Adam Soboczynski von der ZEIT. Er hat dieses Buch geschrieben. Das Thema ist seine Suche nach seiner polnischen Identität. Die Eltern von Adam sind von Polen nach Deutschland gezogen, als Adam 6 Jahre alt war. Als knapp über Zwanzigjähriger macht er sich auf dem Weg in die Alte Heimat, um in Warschau, Krakau und Masuren der Frage nachzugehen, wer die Polen eigentlich sind und was ihn mit ihnen verbindet. Das Ergebnis ist ein oft lustiges, aber auch sehr tiefgehendes Buch über die deutsch-polnischen Beziehungen.

Steffen Möller, Viva Polonia. Als deutscher Gastarbeiter in Polen****
Das gleiche, nur retour: Steffen Möller ist ein junger Deutscher, der vor zwölf Jahren von Berlin nach Warschau zog, zunächst um Sprachunterricht zu erteilen. Mittlerweile ist er der einzige deutsche Comedy-Star in Polen, moderiert Fernsehsendungen und spielt einen deutschen Kartoffelbauer in einer polnischen Soap-Opera (M ja Milosc, heißt soviel wie L wie Liebe). In Polen kennt ihn jeder. In Deutschland jetzt wahrscheinlich auch. Das Buch erklärt die Besonderheiten des östlichen Nachbarn und ist wirklich herrlich zu lesen. Mir hat es viel Spaß gemacht, wenn ich auch an manchen Punkten etwas mehr historische Tiefenschärfe gewünscht hätte.

Polnische Prosa des 20. Jahrhunderts, hg. von Karl Dedecius***
Ein altes dtv-Taschenbuch. Wie bei allen diesen Sammlungen findet man Dinge, die man mag, andere, die man nicht mag. Ich habe ein paar Entdeckungen gemacht, die dann auf meiner Leseliste gelandet sind.

Stefan Zeromski, Vorfrühling***
Dies ist eine der Entdeckungen aus dem o.g. Buch. ;) Ein gar romantischer Roman um einen jungen polnischen Widerstandskämpfer (merke: Die jungen Polen waren IMMER im Widerstand!) im 19. Jahrhundert, der schwerverwundet auf einem Gutshof strandet und dort von der jungen und schönen Verwaltertochter (merke: Die jungen Polinnen sind IMMER schön!) gesundgepflegt wird. Es kommt, wie es kommen muß: Die beiden verlieben sich, aber es wird nichts, denn der Kämpfer muß außer Landes fliehen und die Schöne ist sowieso "unter Stand". Bei allem Klischee und bei aller Polenromantik ein herrlich und auch humorvoll geschriebenes Buch, das keineswegs nur in den Klischees steckenbleibt.

Jan Jozef Szczepanski, Vor dem unbekannten Tribunal**
Eine ganz anregende Sammlung von Essays zu verschiedenen Themen.

Valentin Rasputin, Der Brand**
Ausnahmsweise kein Pole, sondern Russe. In einer Waldarbeitersiedlung bricht im Warenlager ein Brand aus. Das Feuer wird gemeinsam von den Anwohnern gelöscht. Die dramatischen Ereignisse bringen soziale Konflikte und die Auflösung der sozialen Gemeinschaft ans Licht. War mir insgesamt ein wenig zu moralistisch. Auch waren die Brüche zwischen Rückblicken und der Erzählung der Brandnacht nicht besonders elegant.

Maria Kuncewiczowa, Der Förster***
Noch eine Entdeckung aus Dedecius' Prosaband. Die Handlung dieses "Romans" ist so hanebüchen, daß man sie eigentlich nicht erzählen kann. Grob gesagt geht es um eine deutsch-polnische Familie im litaurisch-russischen Grenzgebiet im 19. Jahrhundert. Der Großvater wird von Aufständischen ermordet, der Vater stirbt bei einer irrsinnigen Aktion, die Mutter ist häßlich und betet zur Jungfrau von Ostra Brama. Der Sohn, Kazimierz, jedoch erhält die Chance, in Warschau auf das russische Gymnasium zu gehen (Warschau ist von den Russen besetzt und es gibt keine höhere polnische Bildungsanstalt). Dort fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen dem russischen Establishment und seinen aufwallenden polnischen Nationalgefühlen und fängt schließlich ein Techtelmechtel mit seiner Tante (ausgerechnet!) an. Am Schluß kehrt er in die Wälder der Heimat zurück und wird Förster.
Die Handlung des Romans ist absurd, die Komposition nicht überzeugend. Trotzdem hat mir das Buch gefallen. Maria Kuncewiczowa erhählt ihre Geschicht in einem humorigen, fast ironischen Ton, der jedes Klischee zerstört. Dies ist kein Buch, in dem sich die geschundene polnische Volksseele am heroischen Befreiungskampf laben kann. Stattdessen wird die Absurdität der historischen Situation im Roman gespiegelt. Maira Kuncewiczowa gelingen ausgezeichnete Szenen und Passagen mit guten Pointen. Ich denke, sie ist eher als Prosaschriftstellerin denn als Romanautorin einzuordnen. Werde gerne mehr von ihr lesen.

Soweit für den Moment.
LG
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Daniela » 23.05.2008, 09:16

Tom geht also nach London, um polnisch zu lernen. Auch nicht schlecht ;-)
Finde ich toll! Und auch, dass wir dadurch von dir einiges über die junge polnische Literaturszene erfahren (btw: liest du sie nur in deutscher oder auch in englischer Übersetzung? Wobei - wahrscheinlich wirst du ja wenig Übersetzungen ins Englische finden?)

Hast du bei den Neuerscheinungen schon MIKOLAJ LOZINSKI - Reisefieber entdeckt? Erscheint bei DVA, lockt mich zumindest sehr!

LG,
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 29.05.2008, 16:54

Ich lese bisher das meiste in dt. Übersetzung, einfach aus dem Grund, weil es mehr gibt. Zwar übersetzen gelegentlich auch englische Verlage junge polnische Literatur, aber Deutschland ist hier doch deutlich aufnahmefreudiger. Zudem gibt es viele Titel preisgünstig in alten DDR-Ausgaben antiquarisch.

Das Buch von Lozinski habe ich mir gleich vorgemerkt. Es klingt sehr interessant, wenn auch wenig "polnisch". Ein Autor, den ich gerade entdeckt habe, ist Stefan Chwin. Sein Buch "Tod in Danzig" ist trotz des blödsinnigen Titels hervorragend!

Mit bestem Gruß
Tom
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 28.10.2008, 07:29

Wird Zeit, daß ich hier mal wieder eine Liste einstelle... ;)

Laurence Paul Hemming, Worship as a Revelation ****
Der Autor ist das, was man einen "liturgischen Faschisten" nennen könnte, ein Anhänger der jüngst vom Papst wieder geförderten sog. "Alten Messe". Das könnte ein Ausschlußkriterium für dieses Buch sein, aber tatsächlich halte ich es für eine der tiefsten und anregendsten Auseinandersetzungen mit dem "Geist der Liturgie", die ich seit langem gelesen habe. Vieles wird vom Autor gegen den Strich gebürstet, und dabei kommt er zu überraschenden Schlußfolgerungen.

Joseph O'Neill, Netherland*****
Für den Booker nur auf der Longlist nominiert, aus unerklärlichen Gründen nicht bis auf die Shortlist gekommen. Der irische Autor erzählt die Geschichte von Hans und Rachel, einem jungen niederländisch-holländischen Ehepaar in New York nach dem 11. September. Als Rachel Hans verläßt und mit dem Sohn nach London zurückkehrt, füllt Hans seine Einsamkeit in New York, indem er sich der Cricketszene anschließt. Ein Buch mit vielen Facetten, weise, schön erzählt, nachvollziehbar. Ein Highlight für mich in diesem Jahr.

Stefan Chwin, Tod in Danzig*****
Noch ein Highlight. Der polnische Autor erzählt von den letzten Kriegsmonaten in Danzig und den Jahren nach dem Krieg. Er berichtet von Elend, Flucht und Tod der Deutschen und von den Polen, die die Stadt langsam in Besitz nehmen. Sprachlich gekonnt, unvoreingenommen, mit beeindruckenden Bildern. Ein großartiger Roman, der im Original nach der Hauptfigur "Hanemann" heißt, im Deutschen ist dem Verlag leider der Titel verunglückt. Ein weises Buch über die deutsch-polnischen Beziehungen.

Justin Cartwright, The Song before it is sung**
Die Freundschaft zwischen Adam von Trott zu Soltz und Isaiah Berlin ist der historische (wahre) Hintergrund für diesen Roman, der von einem jüdischen Philosophen und seiner Freundschaft zu einem dt. Adligen während der Nazizeit erzählt. Während der Philosoph sich in kritischen Gedanken und einem Salon-Widerstand gegen das Naziregime ergeht, schließt sich der junge deutsche Adlige dem Widerstand gegen Hitler an und endet am Galgen in einem Gestapo-Gefängnis. Die Geschichte gäbe einiges her, der Autor verschenkt aber die Chancen. Besonders mißglück ist ihm die Rahmenhandlung. Gegen Ende hat mich das Buch eher genervt.

Marcel Beyer, Flughunde***
Ein Roman um einen Tontechniker im Führerbunker! Nicht so stark wie "Kaltenburg", aber gut erzählt, mit einer ausgefallenen Handlung, die der Frage nachgeht, wie sehr die Verfolgung eines wissenschaftlich-technischen Zieles von der Wahrnehmung des historischen Kontextes ablenken kann.

Jerzy Andrzejewski, Die Karwoche****
Eine Novelle aus dem von Deutschen besetzten Warschau im zweiten Weltkrieg. Eine junge Jüdin versteckt sich, um dem Getto zu entgehen, bei Bekannten und wird schließlich doch denunziert. Eine beklemmende Geschichte über Kollaboration, Vertrauen, Mißgunst und das heikle Thema des polnischen Antisemitismus.

Edmund Gosse, Father and Son*****
Ein weiteres "Jahresbuch". In England lange ein Klassiker, heute fast vergessen. Erschienen ist diese Autobiographie 1907. Edmung Gosse erzählt von seiner Kindheit in einer kleinen religiösen Gemeinschaft, den sogenannten Plymouth Brethren. Sein Vater, ein bekannter Naturwissenschaflter, ist Prediger und Leiter der Gemeinde, seine Mutter stirbt früh an Krebs. Obwohl Edmund seinen Vater liebt, fügt sich sein kritischer und neugieriger Geist nicht in die Enge der Gemeinschaft ein. Sein Vater gerät durch die Therien Darwins immer mehr unter Druck. Während der Vater den Weg in die Abkapselung von der Welt wählt, trennt Edmund sich unter vielen Schmerzen von der geistig eingeschränkten Welt seiner Kindheit. Kein Blick zurück im Zorn, sondern ein ehrlicher Bericht einer Selbstfindung eines intellektuell aufrichtigen Menschen.

Elke Heidenreich/Bernd Schröder, Rudernde Hunde***
Nett.

Andrew O'Hagan, Be near me*****
Ein exzellenter Roman um einen katholischen Priester, der in einem schottischen Dorf an seiner Einsamkeit leidet. In dieser Situation kommt er in Kontakt zu einigen Jugendlichen. Die Beziehung gerät ein wenig außer Kontrolle, und plötzlich sieht sich der Priester mit der Anklage konfrontiert, einen Jungen sexuell belästigt zu haben. Ein heikles Thema, hier aber hervorragend und sensibel erzählt.

Michael Dobbs, The Lords' Day***
Hübscher Krimi: Beim State Opening of Parliament nehmen islamistische Terroristen die Queen und das Oberhaus als Geiseln...

Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel*****
Immer wieder wunderbar: Frau Treibel, selbst durch Heirat in höhere Gesellschaftskreise aufgestiegen, versucht mit allen Mitteln eine Heirat ihres Sohnes "unter Stand" zu verhindern. :D :D

Uwe Tellkamp, Der Turm*****
Dazu läuft ja eine längere Diskussion.

Hermann Hesse, Der Steppenwolf*
Hesses Auseinandersetzung mit den großen Themen "Natur und Geist" und "Künstlertum und Bürgertum". Es war wieder einmal ein Selbstversuch, ob Hesse auch nach zwanzig Jahren noch die gleiche Ablehnung bei mir hervorruft. Tut er. Es ist der übliche pubertäre Quatsch, den er mir anbietet. Einfach unreife Literatur, sowohl sprachlich wie auch philosophisch.

Bruno Schulz, Die Zimtläden****
Eine Entdeckung. Bizarr, ungewöhnlich, wild ausufernd. Bruno Schulz erzählt Geschichten aus seiner Kindheit in einer ostpolnischen Kleinstadt, surreal und verfremdet. Toll übersetzt von Doreen Daume!

Viele Grüße
Tom
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Daniela » 28.10.2008, 20:50

Tomke hat geschrieben:Wird Zeit, daß ich hier mal wieder eine Liste einstelle... ;)

immer wieder schön zu lesen ;-9

Hermann Hesse, Der Steppenwolf*
Hesses Auseinandersetzung mit den großen Themen "Natur und Geist" und "Künstlertum und Bürgertum". Es war wieder einmal ein Selbstversuch, ob Hesse auch nach zwanzig Jahren noch die gleiche Ablehnung bei mir hervorruft. Tut er. Es ist der übliche pubertäre Quatsch, den er mir anbietet. Einfach unreife Literatur, sowohl sprachlich wie auch philosophisch.
[/quote]

Siehste, das hattest du ja glaub ich bei Bertrams Kafka-Thema kurz erwähnt, dass du Hesse liest, und ich bin damals nicht dazu gekommen, die Frage zu stellen, ob das ein Scherz sein soll.. schließlich ist deine Hesse-Aversion hier noch wohlbekannt (und zumindest von mir geteilt...)

War das auch Lesegruppenthema? Forum läuft heute leider schon wieder so langsam, dass ich die wenigen Minuten, die ich noch wach bin, mit Suchen verbringen möchte...

LG, Daniela
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 29.10.2008, 11:51

Daniela hat geschrieben:War das auch Lesegruppenthema?


Wird es nächste Woche sein, daher habe ich es gelesen, aber ich hatte auch - wie gesagt - mal wieder Lust, mein Urteil zu überprüfen. Wird bestimmt eine interessante Diskussion.
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polnische Literatur

Beitragvon Anja » 04.11.2008, 15:34

Mich würde interessieren, was polnische leser/innen von Steffen Möllers Buch über Polen aus der Sicht eines deutschen Einwanderers halten - hast du vielleicht zufällig darüber mal mit jemandem aus Polen gesprochen ?
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 06.01.2009, 10:39

Ich habe länger keine Liste hier reingestellt, daher jetzt ein kleines "Update":

Bernhard Schlink, Die Heimkehr **
Nicht besonders gelungen, die Handlung an den Haaren herbeigezogen.

Robert Harris, The Ghost **
Eher lahmer Thriller über einen Ghostwriter, der in ein politische Intrigenspiel gerät.

Reinhold Schneider, Winter in Wien****
Die posthum herausgegebenen Aufzeichnungen des großen katholischen Dichters, Denkers und Philosophen Reinhold Schneider aus seinen letzten Lebensmonaten in Wien. Großartig!

Frank Zumbach (Hg.), Paddys Weihnachtsparty - Weihnachtliche Erzählungen aus Irland ***
Nett.

F. D. E. Schleiermacher, Die Weihnachtsfeier
Ein Weihnachtsklassiker, den ich mir jedes Jahr zu Weihnachten wieder einmal vornehme. Erzählt wird vom Heiligabend einer erweiterten Familie und ihren Gesprächen unter dem Weihnachtsbaum. Der bedeutende romantische Theologe und Philosoph entwickelt darin verschiedene Deutungen des Weihnachtsgeschehens.

Adalbert Stifter, Bergkristall
Eben ein solcher Weihnachtsklassiker, immer wieder schön. Am besten an Heiligabend bei einbrechender Dämmerung zu lesen. ;)

Henrik Ibsen, Gespenster***
Das krasse Gegenteil. Deprimierend auf der ganzen Linie, zusammenbrechende Lebenslügen und mißglückte Beziehungen.

Stefan Chwin, Der goldene Pelikan*
Ich gebe Daniela recht: Dieses Buch ist ganz und gar mißglückt. Kein Vergleich mit Hanemann (Tod in Danzig).


Eduard von Keyserling, Wellen *****
Ein kleines Meisterwerk der psychologischen Beschreibung. Zugleich eine schöne Erinnerung an meinen Urlaub auf der Kurischen Nehrung.

Michail Bulgakow, Die weiße Garde*****
Ein grandioser Revolutionsroman, den ich vor einigen Jahren schon einmal gelesen hatte. Ich mag das Buch wesentlich lieber als das bekanntere "Meister und Margarita"

Vor Weihnachten habe ich ebenfalls wieder einige Hörbücher gehört:

Heinrich von Kleist, Der Findling
Thomas Mann, Die Buddenbrooks
Knut Hamsun, Mysterien
Schiller, Don Carlos
Schiller, Kabale und Liebe

LG
Tom
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Daniela » 06.01.2009, 20:14

Tomke hat geschrieben:
Stefan Chwin, Der goldene Pelikan*
Ich gebe Daniela recht: Dieses Buch ist ganz und gar mißglückt. Kein Vergleich mit Hanemann (Tod in Danzig).


Hallo Tom,
DAS beruhigt mich allerdings ;-) Dachte schon, der schreibt immer so...


Tomke hat geschrieben:Vor Weihnachten habe ich ebenfalls wieder einige Hörbücher gehört:
Heinrich von Kleist, Der Findling
Thomas Mann, Die Buddenbrooks
Knut Hamsun, Mysterien
Schiller, Don Carlos
Schiller, Kabale und Liebe

LG
Tom


Thomas Mann - Die Buddenbrooks, welche Ausgabe hast du denn da gehört? kannst du bitte mal verlinken? Bin nämlich noch am Überlegen, ob ich mir die hier holen soll:


LG, Daniela
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 07.01.2009, 11:18

Daniela hat geschrieben:Hallo Tom,
DAS beruhigt mich allerdings ;-) Dachte schon, der schreibt immer so...


Nee, keineswegs, aber ein bißchen wundert mich dieser riesige Qualitätsunterschied schon!

Thomas Mann - Die Buddenbrooks, welche Ausgabe hast du denn da gehört? kannst du bitte mal verlinken? Bin nämlich noch am Überlegen, ob ich mir die hier holen soll:


Ich habe das gleiche Hörspiel, allerdings in einer älteren Ausgabe noch als Cassetten. ;) Die Produktion ist m. W. schon aus den fünfziger Jahren, aber ganz hervorragend gelungen. Ich empfehle es sehr!
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Adalbert Stifter, Bergkristall

Beitragvon Anja » 07.01.2009, 17:28

Tomke hat geschrieben:Adalbert Stifter, Bergkristall
Eben ein solcher Weihnachtsklassiker, immer wieder schön. Am besten an Heiligabend bei einbrechender Dämmerung zu lesen. ;)


Das habe ich auch im letzten oder vorletzten Winter gelesen, es gibt so eine hübsche kleine rote Ausgabe vom Fischer Verlag (ISBN 3596509475) , zusammen mit Abdias.

Bild
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Leseliste Januar 2009

Beitragvon Tomke » 04.02.2009, 18:12

Hi,

hier ein paar Infos zu meiner Lektüre im Januar. War recht ergiebig!

Eduard von Keyserling, Fürstinnen****
Ein weiterer kleiner Roman des "baltischen Fontane", nicht ganz so rund wie die "Wellen", aber trotzdem sehr schön zu lesen.

Anne Holt, Der norwegische Gast (Hörbuch)*
Dazu hatte ich bereits geschrieben. Die Handlung nicht besonders aufregend, schlecht übersetzt und noch schlechter gelesen. Eine Qual.

Wolfgang Vorländer, Sprung am Trapez.**
Im Untertitel heißt dieses Buch "Auf der Suche nach einer tragfähigen Gottesbeziehung". Auch wenn ich in den ersten Kapiteln einiges sehr anregend fand, glitt Vorländer doch zusehends in eine mir unangenehme Psychologisierung ab, die geistlich nichts mehr zu bieten hatte. Schade.

Michail Bulgakow, Aufzeichnungen eines jungen Arztes*****
Ein autobiographisches Werk des großen russischen Erzählers. Atemberaubend!

Manfred Hausmann, Abschied von der Jugend****
Hausmann habe ich früher mal sehr gerne gelesen, später empfand ich ihn etwas angejahrt. Diese Buch hat mir aber jetzt wieder hervorragend gefallen. Natürlich merkt man ihm sein Alter ein wenig an, aber im Kern ist es sehr weise und klug geschrieben. Erzählt wird die Geschichte einer Reise durch Island, auf der ein nicht mehr ganz junges Ehepaar sich in der Beziehung neu positioniert und herausfindet, was Freiheit und Reife in einer Beziehung bedeuten.

Volker Weidermann, Lichtjahre. Eine kurze Geschichte der dt. Literatur seit 1945***
Manchmal flott, manchmal ein bißchen belanglos, manchmal klug - eine schnodderige Durchreise durch die deutsche Literatur der letzten sechzig Jahre.

Michail Bulgakow, Morphium/Die rote Krone. Autobiographische Erzählungen****
Atmosphärisch dichte Erzählungen mit einem ähnlichen Thema wie die "Tagebücher" - Krankheit, Sucht, Tod.

Ralf Rothmann, Hitze**
Trotz einiger intensiver Schilderungen ein insgesamt schwacher Roman.

Erich Kästner, Fabian****
Wunderbar ätzende Großstadtsatire über den moralischen Verfall in der Weimarer Republik. Kein Wunder, daß die Nazis diesen Roman haßten. Ich habe ihn sehr genossen. Lest wieder Kästner!

Tomek Tryzna, Zauberer***
Ein sehr schöner Roman über das Leben im kommunistischen Polen, erzählt aus der Sicht eines Jungen, der durch muntere Einfälle das wirtschaftliche Schicksal seiner Familie verbessern will. Klappt aber nicht. Der polnische Orginaltitel "Idz, kochaj!" heißt soviel wie "Geh, liebe!" und trifft den Ton des Buches gut. Ganz entfernt erinnert es an Die Asche meiner Mutter - trotz der vielen Schwierigkeiten fehlt es nicht an Herz und Humor.

Tove Janssen, A Winter Book**
Atmosphärische Erzählungen der Schwedin Tove Jansson, die u.a. auch die "Mumins" geschrieben hat. Schön erzählt, aber irgendwie nicht für mich ...

Tadeusz Konwicki, Chronik der Liebesunfälle***
Eine Schüler-Liebesgeschichte mit fast tragischem Ausgang. Wie schon in einigen anderen polnischen Büchern fand ich auch hier ein gekonntes Spiel mit der romantischen Tradition, gebrochen allerdings durch Humor und modernere literarische Techniken.

Gerade in Arbeit: Michail Bulgakows Tagebücher 1922-1925. ;)
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Valentine » 05.02.2009, 10:44

Was Fabian im besonderen und Kästner im allgemeinen angeht, kann ich Dir nur zustimmen. Ein tolles Buch - und ich liebe Kästners Erzähltonfall.
Medicine, law, banking - these are necessary to sustain life.
But poetry, romance, love, beauty - these are what we stay alive for.

(Dead Poets Society)
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 09.03.2009, 18:34

Hier - mit ein wenig Verspätung - meine Februarliste:


Thomas Mann, Tristan
Vor vielen Jahren gelesen, jetzt gerne wieder.

Thomas Mann, Der Tod in Venedig
dto.

Michail Bulgakow, Tagebücher 1922-1925

Patrick Süskind, Die Taube
Scheußliches Buch. Völlig unglaubwürdig.

Michail Bulgakow, Aufzeichnungen auf Manschetten
Eine weitere Schrift aus dem Themenkreis der autobiographischen Aufzeichnungen, die sich vor allem mit den ersten Versuchen als Schriftsteller beschäftigt. Die Kraft der "Aufzeichnungen eines jungen Arztes" erreicht Bulgakow hier aber nicht ganz.

Theodor Fontane, Der Stechlin
Wie in vielen seiner Bücher ist Fontane auch hier die Figur des alten Stechlin am besten gelungen. Ein hinreißender Roman, voller Weisheit und großartigem Humor.

Vladimir Nabokow, Durchsichtige Dinge

Ismail Kadare, Chronicle in Stone
Ein Top des Jahres für mich. Eine großartige Entdeckung. Kadare erinnert sich an seine Kindheit in Südalbanien während des 2. Weltkrieges.

Werner Heitler, Man and Science
Ein kritisches Buch eines Physikers über die Tendenz der modernen Wissenschaft, metaphysisch zu verkümmern. Heitler legt sehr überzeugend dar, daß ein rein materielistisches Weltbild ein Aberglaube der Naturwissenschaft ist und sorgsam betriebene Naturwissenschaft notwendigerweise metaphysische Fragestellungen aufwirft. Eine sehr anregende Lektüre, wenngleich auch aus naturwissenschaftlicher Sicht etwas angejahrt: Das Buch erschien schon 1963. Interessant ist aber, daß die grundlegende Diagnose der Tendenzen in der Gesellschaft damals wie heute gleich sind.

Hörbücher:
Friedrich Schiller, Wilhelm Tell
Vladimir Nabokov, Lolita
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon LeseratteZH » 05.04.2009, 09:41

Warum findest du die Taube unglaubwürdig? :?:
Ich lese gerade: Vrenelis Gärtli von Tim Krohn
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 19.10.2009, 13:04

Ich habe hier ja seit Monaten nichts berichtet, also hier ein Schnelldurchlauf:

Michal Heller, Der Sinn des Lebens und der Sinn des Universums
Marilynne Robinson, Gilead
Christoph Peters, Ein Zimmer im Haus des Krieges
Sebastian Faulks, Engleby
Jan Parandowki, Himmel in Flammen
Goethe, Faust
Adam Zamoyski, Poland - A History
Julia Frank, Die Mittagsfrau
Henry James, Die Aspernschriften
Sebastian Barry, The Secret Scripture
Eduard von Keyserling, Schwüle Tage
Walter Kappacher, Der Fliegenpalast
Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais
Thomas Urban, Die Deutschen und ihre Nachbarn: Polen
Marina Lewycka, Two Caravans
Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Heinrich Böll, Haus ohne Hüter
Klaus Mann, Mephisto
Günter Grass, Im Krebsgang
George Orwell, In Defence of English Cooking
Aleksandar Hemon, The Lazarus Projekt
Victor Klemperer, Tagebücher 1933-1936
Herta Müller, Die Atemschaukel
Anna Katharina Hahn, Kürzere Tage
Patrick Roth, Mulholland Drive oder Maria am Grabe
Friedrich Schiller, Die Räuber
Arno Surminski, Die Vogelwelt von Auschwitz
Theodor Fontane, Ellernklipp
Arno Surminski, Sommer vierundvierzig
Marlen Haushofer, Die Wand
Herta Müller, Heimat ist das, was gesprochen wird.

Die fettgedruckten Titel zählen zu meinen Höhepunkten in diesem Lesejahr.




Hörbücher:
Goethe, Novelle
Marcel Reich-Ranicki, Mein Leben
Friedrich Schiller, Maria Stuart
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Tom's Top Bücher 2013

Beitragvon Tomke » 29.12.2013, 15:59

Ich führe ja hier keine Monatsleselisten. Aber hier eine Übersicht über meine Top-Bücher 2013

Die Reihenfolge ist chronologisch nach Lesedatum und drückt keine Rangfolge aus:

1. Jonathan Littell, Die Wohlgesinnten
2. Doris Knecht, Besser
3. Patrick Roth, Sunrise. Das Buch Joseph
4. Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel
5. Peter Schneider, Die Lieben meiner Mutter
6. Andreas Maier, Die Straße
7. Thomas Glavinic, Das größere Wunder
8. John Williams, Stoner
9. Robert Seethaler, Der Trafikant
10. Joanna Bator, Wolkenfern

Und schließlich *tusch* *trommelwirbel* mein Buch des Jahres 2013:
Christian Lehnert, Korinthische Brocken

(gelesen/gehört insgesamt: ca. 110)
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 04.03.2015, 13:49

JANUAR 2015

Ian McEwan, The Children Act
Terezia Mora, Alle Tage
Thomas Mann, Der junge Joseph (HB)
Tschechow, Die Dame mit dem Hündchen
Karl Ove Knausgård, Sterben
Thomas Mann, Joseph in Ägypten (HB)
Meister Eckhart, Deutsche Predigten
Stephan Thome, Gegenspiel
Thomas Mann, Joseph der Ernährer (HB)
Vladimir Nabokov, Gelächter im Dunkel
Wolfgang Koeppen, Der Tod in Rom (HB)
Henning Mankell, Vor dem Frost (HB)
Deutsche Kurzprosa der Gegenwart (Reclam Verlag)

FEBRUAR 2015

Henning Mankell, Der Mann, der lächelte (HB)
Szilard Borbely, Die Mittellosen
Lydia Tschukowskaja, Untertauchen
Ursula Ackrill, Zeiden, im Januar
Ernst Jünger, In Stahlgewittern (HB)
Teresa Präauer, Johnny und Jean
Michael Wildenhain, Das Lächeln der Alligatoren
Tomas Halik, Nicht ohne Hoffnung
Sibylle Berg, Der Tag, als meine Frau einen Mann fand
Karen Köhler, Wir haben Raketen geangelt
Joseph Roth, Hiob
Judith Zander, Dinge, die wir heute sagten (HB)
Anna Maria Schenkel, Tannöd (HB)
Michel Houellebecq, Unterwerfung
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