Was Tom so liest

Welche Bücher hast du im vergangenen Monat gelesen? Und wie bewertet? Hier ist der richtige Platz dafür!

Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 01.04.2015, 20:03

März

Volker Weidermann, Ostende (HB)
Ulrike Edschmid, Das Verschwinden des Philip S.
Norbert Scheuer, Die Sprache der Vögel
Hans Keilson, Komödie in Moll (HB)
Elizabeth Gaskell, North and South
Joseph Roth, Die Kapuzinergruft
Yannick Haenel, Die bleichen Füchse
Joseph Roth, Hotel Savoy
Botho Strauß, Herkunft
Jonathan Safran Foer, Extrem laut und unheimlich nah (HB)
Reiner Kunze, Die wunderbaren Jahre
Anne Weber, Ahnen
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon bluegrey28 » 03.04.2015, 08:38

Beeindruckend, Tom! Ich bin froh, wenn ich pro Woche 1 Buch schaffe :( . Wie hat Dir die Edschmid gefallen? Das Buch von Norbert Scheuer interessiert mich auch.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 03.04.2015, 10:13

bluegrey28 hat geschrieben:Beeindruckend, Tom! Ich bin froh, wenn ich pro Woche 1 Buch schaffe :( . Wie hat Dir die Edschmid gefallen? Das Buch von Norbert Scheuer interessiert mich auch.


Das Buch von Ulrike Edschmid hat mir sehr gut gefallen, weil es noch einmal den Blick auf eine Dynamik gerichtet hat, die im öffentlichen Bewusstsein einfach nicht mehr so präsent ist. Die Gewalt, die von der Seite des Staates ausging und natürlcih mit zur Eskalation und Radikalisierung beigetragen hat. Wir können uns heute glaube ich schwer vorstellen, wie autoritär und gewalttätig die Sicherheitskräfte noch in den 60er-Jahren agiert haben. Danke nochmals für den Tipp. Das Buch war für mich eine Horizonterweiterung und literarisch sehr gekonnt gestaltet!

Das gilt ganz ähnlich auch für das wunderschöne Buch von Norbert Scheuer. Daran haben mir aber nicht nur die wunderschönen Bilder seines Sohnes gefallen, sondern auch die sehr feine Art, mit der er psychologisch feinfühlig schildert, wie ein bereits traumatisierter junger Mann sich in der Belastungssituation eines Afghanistan-Einsatzes schließlich ganz verliert. Ein sehr feines Buch, wenngleich mir das Buch von Wildenhain als Roman insgesamt noch runder erschien.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon bluegrey28 » 03.04.2015, 10:57

Vielen Dank Tom! Freut mich sehr, dass Dir die Edschmid so gut gefallen hat. Ich habe ganz ähnlich empfunden wie Du - mir hat das Buch (oder besser wohl ihre Aufzeichnungen) eine Dimension zu meinem Blick auf die RAF hinzugefügt. Ich bin Jahrgang 67 und in der DDR aufgewachsen und habe seinerzeit zwar schon einiges über die RAF erfahren und später dann auch etliches darüber gelesen, was sicher auch nicht einseitig war, aber dieser kleine Roman war eine echte Horizonterweiterung, wie Du auch schreibst.

Danke auch für die Ausführungen zum Scheuer-Buch, ich werde es in die engere Auswahl nehmen.

Schöne Ostern!
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon penguin » 05.04.2015, 08:09

Das ist wirklich beeindruckend, alle 2-3 Tage ein Buch. Wie machst du das, Tom? Besonders schnell lesen oder ständig lesen? Ich schaffe auch nur maximal ein Buch pro Woche (wobei es auch Bücher gibt, die ich in einer Stunde gelesen oder für die ich zwei Monate gebraucht habe).
Edschmid habe ich mir jetzt auch auf die Wunschliste gesetzt.
Ich lese gerade: Si tu passes la rivière von Geneviève Damas
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 05.04.2015, 14:36

penguin hat geschrieben:Das ist wirklich beeindruckend, alle 2-3 Tage ein Buch. Wie machst du das, Tom? Besonders schnell lesen oder ständig lesen? Ich schaffe auch nur maximal ein Buch pro Woche (wobei es auch Bücher gibt, die ich in einer Stunde gelesen oder für die ich zwei Monate gebraucht habe).
Edschmid habe ich mir jetzt auch auf die Wunschliste gesetzt.


Ach, ich lese gar nicht besonders schnell. Ich bleibe einfach meistens dran und lese so im Schnitt ein bis zwei Bücher pro Woche. Und da ich mindestens zweimal pro Woche längere Autofahrten habe, schaffe ich dazu auch im Schnitt noch mindestens ein Hörbuch.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 30.04.2015, 18:16

April

Jan Costin Wagner, Das Licht in einem dunklen Haus (HB)
Klaus Modick, Konzert ohne Dichter
Peter Bieri, Wie wollen wir leben?
Jochen Schmidt, Schneckenmühle
Für uns gestorben – EKD Grundlagentext über die Bedeutung des Leidens und Sterbens Jesu
Christian Kracht, Imperium (HB)
Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel
Adalbert Stifter, Der Waldsteig
Adalbert Stifter, Nachkommenschaften
Artur Schnitzler, Fräulein Else (HB)
Oskar Panizza, Das Liebeskonzil (HB)
Reiner Stach, Kafka. Die frühen Jahre
Stefan Zweig, Brennendes Geheimnis (HB)

Sehr gut gefallen hat mir Klaus Modicks Roman über Vogeler und Rilke. Der arme Rilke kommt in dem Roman nicht gut weg, aber angesichts seiner immens viel größeren künstlerischen Bedeutung in der Nachwelt, wird er das wohl verkraften können. Es zeigt sich immer mal wieder, dass große Künstler und Schriftsteller nicht unbedingt liebenswerte Menschen waren...

Oskar Panizza fand ich mit seinem Liebeskonzil komplett unlustig und eigentlich nur blasphemisch. Dafür war Reiner Stachs Biographie über Kafkas frühe Jahre ein Genuss von der ersten bis zur letzten Seite. Wie schön, dass es davon noch zwei Bände gibt...

Lustigerweise taucht Kafka in dem Roman von Christian Kracht (Imperium) als namenlose Randfigur einmal auf. Und zwar als jugendlicher Kurgast auf der Insel Norderney, den wiederum eine der Nebenfiguren aus Krachts Roman sexuell zu verführen versucht. Eine ganz putzige Episode am Rande. Ich wußte bis dahin gar nicht, dass Kafka mal auf Norderney war, aber bei Reiner Stach erfährt man natürlich auch das... Ich nehme aber an, dass die Episode mit Aueckens frei erfunden ist.

Peter Bieris Buch habe ich zu lesen begonnen, ohne dass mir bewusst war, wer der Autor ist. ERst im Laufe des Buches ging mir auf, dass es sich um Pascal Mercier handelt (er bezieht sich an einigen Stellen auf seine Romane), den ich ja als Romancier unsäglich finde. Das hat mich natürlich auch nicht für sein philosophisches Buch erwärmen können. :lol:
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 31.05.2015, 17:26

Mai

Reiner Stach, Kafka. Jahre der Entscheidung
Arno Geiger, Selbstportrait mit Flusspferd (HB)
Andreas Maier, Der Ort
Franz Kafka, Das Urteil
Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues (HB)
Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel (HB)
Monika Czernin, Gebrauchsanweisung für Wien
Thomas Bernhard, Heldenplatz
Jan Costin Wagner, Das Schweigen (HB)
Martin Walser, Ein liebender Mann (HB)
Doris Knecht, Wald
Thomas Mann, Doktor Faustus (HB)

Der Mai steht noch weiterhin im Zeichen Kafkas - mit dem zweiten Teil der Biographie.

Daneben habe ich einige Neuerscheinungen sehr genossen. Der Roman von Arno Geiger hat mir besser gefallen als 'Uns geht's doch gut' - allerdings war das Hörbuch auch sehr gut gelesen, vielleicht lag's daran. Das neue Buch aus der Serie 'Ortsumgehung' von Andreas Maier war natürlich für mich ein MUSS, in diesem Band geht es allerdings weniger um Äußerlichkeiten als diesmal mehr um die Frage nach der Identitätsfindung des Protagonisten. Weniger spektatkulär als 'Die Straße', aber nicht weniger bedeutsam. Mit Monika Czernin, Thomas Bernhardt und Doris Knecht war ich dann literarisch wieder in Österreich unterwegs, was meinem Wien-Besuch geschuldet war. Mit Doris Knechts Buch habe ich mich etwas schwerer getan als mit seinen Vorgängern, weil die Handlung in diesem Roman sehr viel mehr steht - trotzdem hat mir das Psychogramm einer in die Mühlen der Finanzkrise geratenen Frau insgesamt gut gefallen. Und zwei Hörspielklassiker habe ich auch noch einmal gehört: Das Glasperlenspiel und Doktor Faustus. Beide beschäftigen sich ja mit der Frage der Weltdurchdringung durch das Künstlertum, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise. Beide Bücher halte ich auf ihre Weise für völlig unverzichtbar.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 01.07.2015, 05:29

Juni 2015

Irvin Yalom, Die Schopenhauer-Kur
Joseph Roth, Radetzkymarsch*****
Jo Nesbö, Der Fledermausmann (HB)
Barbara Honigmann, Chronik meiner Straße
Irvin Yalom, Das Spinoza-Problem
Peter Handke, Immer noch Sturm
Henrik Ibsen, Baumeister Solness
William Boyd, Eine große Zeit (HB)
Per Olov Enquist, Strindberg. Ein Leben
August Strindberg, Fräulein Julie
August Strindberg, Das rote Zimmer
Verena Güntner, Es bringen (HB)
Christine Brückner, Ehe die Spuren verwehen
Tom Rachman, Die Unperfekten (HB)

Im Juni gab es eigentlich nur zwei Bücher, die mich richtig überzeugt haben: Joseph Roths Radetzkymarsch (beim Wiederlesen) und einen Klassiker: Christine Brückners 'Ehe die Spuren verwehen'.

Daneben hatte ich eine kleine Strindberg-Phase: neben Enquists Romanbiographie habe ich Strindbergs Stück 'Fräulein Julie' und seinen Roman 'Das rote Zimmer' gelesen. Der Roman ist als Ganzes wenig beeindruckend, die einzelnen Episoden haben es aber in sich und sind zum Teil großartig. Da merkt man, dass Strindbers Stärke eben doch in der Interaktion und den Dialogen liegt, nicht im großen epischen Entwurf.

Während mir Yaloms 'Schopenhauer-Kur' Spaß gemacht hat, fand ich sein 'Spinoza-Problem' regelrecht missglückt. Ähnlich enttäuschend war für mich auch Tom Rachmans Zeitungsroman 'Die Unperfekten'. Auch da waren zwar einzelne Kapitel ganz geglückt, aber auf Strecke war sein Roman schlicht langweilig und die übliche Journalistenprosa amerikanischer Unterhaltungsliteratur.

Das Buch von Christine Brückner habe ich gelesen, weil mich jüngst einmal die Frage umtrieb, was die Menschen der 50er Jahre eigentlich so lasen. Klar gibt es Namen wie Böll und Koeppen und Grass und andere der Gruppe 47 - aber waren das die Bücher, die die Menschen in der Breite damals lasen? Im Spiegel-Archiv fand ich dann eine Liste der Bestseller der 50er Jahre, und darauf auch Christine Brückners Roman. Das Buch hat mich tatsächlich sehr überzeugt und berührt. Ein sehr schöner Roman.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 04.08.2015, 10:17

Juli 2015

Ralf Rothmann, Im Frühling sterben
Jo Nesbö, Die Larve (HB)
Maxim Biller, Im Kopf von Bruno Schulz
Bertolt Brecht, Leben des Galilei (HB)
John Boyne, A History of Loneliness*****
Bertolt Brecht, Furcht und Elend des Dritten Reiches (HB)
Rudolf Steiner, Mein Lebensgang
Gerald Donovan, Winter in Maine (HB)
Hans Pleschinski, Königsallee (HB)
Amos Oz, Judas
Michail Bulgakow, Das hündische Herz
Hermann Hesse, Demian (HB)
Uwe Johnson, Ingrid Babendererde
Irene Ruttmann, Adèle*****
Gerbrand Bakker, Der Umweg (HB)

Der Juli war - überraschenderweise - ein sehr ergiebiger Lesemonat. Oft lese ich im Sommer viel weniger, aber diesmal gab es ein paar sehr schöne Bücher.

Ralf Rothmanns Roman über das Kriegsende ist keine leichte Kost, aber sehr zu empfehlen. Da der Autor eine Nominierung für den Buchpreis abgelehnt hat, wird er nicht auf der Longlist stehen. Ich hoffe aber, dass er trotzdem viele Leser findet.

John Boynes Buch über die schlimme Entwicklung in der katholischen Kirche in Irland zwischen 1970 und 2010 hat mich sehr beeindruckt. Umso mehr, als ich mir von dem Autor kein so gutes Buch versprochen hatte. Ich mochte ja seinen 'Boy in the Striped Pyjamas' nicht so gern. Dieses Buch über einen katholischen Priester ist aber ein TOP 2015 Buch für mich.

Amos Oz hat mich mit 'Judas' nicht so überzeugt. Das Buch enthält einige interessante Gedanken, als Roman ist es jedoch nicht geglückt.

Mit 'Ingrid Babendererde' bin ich erstmals in das Univesum Uwe Johnsons eingetaucht. Ein Anfang, der mir sehr viel Lust auf mehr gemacht hat.

Und last not least: Irene Ruttmanns neuer Roman über eine Liebe im Ersten Weltkrieg ist wunderschön erzählt, voller menschlicher Tiefe und Einsichten. Das Buch verdient viel Beachtung.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Dana » 06.08.2015, 11:02

Hallo Tom,

danke für den Hinweis auf Johnsons Ingrid Babendererde, den Titel kannte ich gar nicht.

Wie hat dir Im Kopf von Bruno Schulz gefallen? Ich habe es vor Jahren dank Claudia gelesen und fand es sehr gelungen, vorausgesetzt man kennt den Autor Bruno Schulz.

"Im Frühling sterben" habe ich auch mit Erschütterung und viel Interesse gelesen. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich ein Buch aus der Perspektive eines deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg lese. Wie ist es bei dir? Kennst du ähnliche Bücher? Interessant wäre z.B. ein Buch von einem Augenzeugen zu lesen, so wie z.B. Ernst Jüngers In Stahlgewittern über den 1. WK.

Boyne und Ruttmann habe ich mir notiert, danke :-)

LG,
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Ich lese gerade:

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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 07.08.2015, 11:33

Dana hat geschrieben:Hallo Tom,
danke für den Hinweis auf Johnsons Ingrid Babendererde, den Titel kannte ich gar nicht.



Liebe Dana,

Das Buch ist so eine Art Vorgeschichte zu den 'Jahrestagen' - es spielt in Güstrow und erzählt die Geschichte von einigen Jugendlichen, die sich 1953 auf ihr Abitur vorbereiten. Es gibt in der Schule aber einen Konflikt zwischen den Anhängern des neuen Regimes und der kirchlichen Gruppe der 'Jungen Gemeinde', der vor der Prüfung sehr stark eskaliert. Der Text ist Uwe Johnsons erster Roman, allerdings hat er ihn nicht veröffentlicht, sondern das Buch erschien erst nach Johnsons Tod.

Wie hat dir Im Kopf von Bruno Schulz gefallen? Ich habe es vor Jahren dank Claudia gelesen und fand es sehr gelungen, vorausgesetzt man kennt den Autor Bruno Schulz.


Ja, das war ein interessanter Text, der viele Motive von Bruno Schulz lebendig werden lässt. Aber tiefer beeindruckt hat er mich nicht, zumal ich leider fast zeitgleich ein Interview mit Maxim Biller gelesen habe, das mit den Autor sehr unsympathisch gemacht hat.

"Im Frühling sterben" habe ich auch mit Erschütterung und viel Interesse gelesen. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich ein Buch aus der Perspektive eines deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg lese. Wie ist es bei dir? Kennst du ähnliche Bücher? Interessant wäre z.B. ein Buch von einem Augenzeugen zu lesen, so wie z.B. Ernst Jüngers In Stahlgewittern über den 1. WK.


Ich hatte schon einige Bücher aus dieser Perspektive gelesen, nicht zuletzt Jonathan Littells 'Die Wohlgesinnten' (Die Stahlgewitter von Jünger kenne ich auch). Daher hat mir das Buch im Hinblick auf die Wirklichkeit des Kriegsalltags nicht sehr viel Neues geboten. Allerdings war die besondere Perspektive die eines jungen Mannes, der eigentlich nicht mitmachen will, der aber durch die grausamen Spiele seiner Kameraden mit in das Inferno verwickelt wird. Mich wird die Geschichte von der Schnur am Auto sicher lange nicht loslassen. Und dann natürlich die Frage nach Freundschaft und Verantwortung.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 01.09.2015, 19:40

Und hier meine August-Liste:

Jo Nesbö, Koma (HB)
Andrew O’Hagan, The Illuminations
Horst Bienek, Die erste Polka
Stendhal, Rot und Schwarz (HB)
Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Stephan Wackwitz, Die Bilder meiner Mutter*****
Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts (HB)
Günter Eich, Träume (HB)
Horst Bienek, Septemberlicht
August Scholtis, Ostwind*****
Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen
Helmut Böttiger, Die Gruppe 47

Die beiden Romane von Horst Bienek sind Teil seiner Oberschlesischen Chronik in vier Bänden. Das sind sehr schön erzählte Geschichten, die die besondere Prägung Oberschlesiens schön darstellen. Zwei weitere Bände folgen. Ich lese die Romane sozusagen als Vorbereitung meines Urlaubs in Schlesien.

Herausragend waren zwei Bücher:
Stephan Wackwitz schreibt mit 'Die Bilder meiner Mutter' seine Familienchronik fort. Diesmal geht es konkret um die künstlerische Begabung seiner Mutter, die in Folge des Krieges und der repressiven Stimmung in den 50er und 60er Jahren nicht zur Entfaltung kommt. Wackwitz zeichnet hier - wieder einmal - anhand seiner eigenen Familie das Schicksal einer ganzen Generation nach. Das ist hochintelligent und mit sehr viel Tiefgang gemacht. Darüber hinaus ist das Buch sehr schön illustriert.

Ganz besonders ist auch der Roman 'Ostwind' von August Scholtis. Auch dies ein Buch aus Oberschlesien, bereits 1932 erschienen, sofort von den Nazis verboten. Nach dem Krieg zwar wieder aufgelegt, aber leider wohl mit dem Erfolg gekrönt, den der Roman verdient hätte. Denn das Land, um das es geht, ging mit der Vertreibung der Deutschen unter und lebt nur noch in der Erinnerung. Die Geschichte erzählt das Leben eines Schelmen, Kaczmarek, der eine typisch oberschlesische Mischung aus polnischen und deutschen Elementen ist und der sich auf unnachahmliche Weise durchs Leben schlägt. Erzählt wird aber auch die Geschichte des Untergangs der jahrhundertelangen Symbiose und Durchmischung von Polen und Deutschen in Oberschlesien, die mit der Gründung des Staates Polen, der Volksabstimmung und der dann folgenden Teilung Oberschlesiens ein vorläufiges Ende findet, bevor dann alles in Krieg und Vertreibung zerstört wird. Das Buch ist mit ganz außergewöhnlcihen literarischen Mitteln erzählt, also keine sentimentale Heimatliteratur, sondern mit Anleihen an Dada und Expressionismus. Eine tolle Entdeckung, leider im Moment nur antiquarisch zu haben.
Meines Erachtens gehört dieser Roman in eine Reihe mit Grass' Blechtrommel.

Jenny Erpenbecks Roman zur Flüchtlingsproblematik war dann mein erstes Buch von der Longlist zum Buchpreis. Die Autorin schreibt mit viel Engagement und Emphase über die Flüchtlingsproblematik. Für mein Empfinden ist ihr die Wichtigkeit des Stoffes zu sehr in die Feder gerutscht. Über weite Strecken liest sich das Buch eher wie eine Reportage, als Roman ist es m. E. nicht geglückt, wobei ich eines an konkretem Wissen über die Probleme der Bürokratie und der Asylverfahren mitgenommen habe.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 30.09.2015, 08:27

Im September gelesen/gehört:

Alina Bronsky, Baba Dunjas letzte Liebe
Horst Bienek, Zeit ohne Glocken
Horst Bienek, Erde und Feuer
Thomas Mann, Der Zauberberg (HB)
Sigismund Krzyzanowski, Der Club der Buchstabenmörder*****
Boris Sawinkow, Das fahle Pferd*****

Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer. Nabokov und das Glück
Jochen Schmidt, Der Wächter von Pankow

Im September bin ich wegen meines Urlaubs nicht so viel zum Lesen gekommen. Im Urlaub war ich einfach mit anderen Dingen sehr beschäftigt... :-) Immerhin habe ich mir auf den langen Fahrten Thomas Manns 'Zauberberg' wieder einmal als Hörbuch gegönnt.

Mit den beiden Romanen von Horst Bienek habe ich seine Oberschlesische Chronik in vier Bänden abgeschlossen. Die Romane haben mir sehr gut gefallen, leider bleiben am Schluss jedoch viele Schicksale offen, was mich doch ein wenig betrübt hat, denn ich habe die Romane ja auch deshalb weitergelesen, weil ich wissen wollte, wie es mit den Personen weitergeht. Zudem kommt auf den letzten Seiten noch ein etwas überzogenes politisches Manifest dazu, das ich nicht gebraucht hätte. Trotzdem: Die Serie hat mich insgesamt sehr überzeugt.

Eine echte Entdeckung waren zwei wunderbare russische Romane für mich: Sigismund Krzyzanowskis 'Club der Buchstabenmörder' und Boris Sawinkows 'Fahles Pferd'. Vor allem von Krzyzanowski würde ich gerne mehr lesen, aber derzeit gibt es nichts auf Deutsch.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Bruna » 01.10.2015, 07:45

Tom, "Der Club der Buchstabenmörder" klingt interessant. Werde ich mir bestimmt näher anschauen.

LG
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Bruna

derzeitige lektüre:: Hilde Spiel


zuletzt beendet:
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Dana » 08.10.2015, 10:03

Tomke hat geschrieben:Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer. Nabokov und das Glück


Genau DAS Buch möchte ich mir in diesem Quartal auch besorgen :) War es gewinnbringend?

Die beiden Russen muss ich mir auch aufschreiben ... nie gehört :(

LG,
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 08.10.2015, 17:16

Dana hat geschrieben:
Tomke hat geschrieben:Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer. Nabokov und das Glück


Genau DAS Buch möchte ich mir in diesem Quartal auch besorgen :) War es gewinnbringend?


Durchaus sehr nett zu lesen, aber nicht unbedingt ein 'must have'. Und sehr schön gemacht.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 01.11.2015, 16:59

OKTOBER 2015

Herman Melville, Moby Dick (HB)
Heinrich von Kleist, Die Marquise von O. (HB)
Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas (HB)
Friedrich Schiller, Maria Stuart (HB)
Vladimir Sorokin, Telluria*****

Nikolaj Leskow, Am Ende der Welt
Bruno Schulz, Die Zimtläden (HB)
Hermann Hesse, Demian
Herfried Münkler, Kriegssplitter*****

Michal Witkowki, Lubiewo

Im Oktober gab es neben ein paar Hörbüchern vor allem den exzellenten Roman 'Telluria' von Vladimir Sorokin. Von ihm kannte ich einige frühe Bücher, dann hatte ich ihn aus den Augen verloren, weil mir seine Bücher zu abgedreht wurden (und auch zu eklig). Aber im letzten Jahr bin ich mit 'Der Schneesturm' wieder eingestiegen. Was sich darin schon andeutete, hat er in 'Telluria' jetzt weitergeführt. Der Roman ist eine teils realistische, teils fantastische Reise durch das Europa der Zukunft, das in kleine Einzelstaaten zerfallen ist, nachdem die Weltordnung von heute zusammengebrochen ist. In einigen Staaten gibt es halbwegs frei Verhältnisse, in anderen regieren die Wahhabiten, allen gemeinsam ist aber, dass eine neue Droge, das Tellurium, zum gesuchten Stoff wird. Das Buch hat eine ungeheure thematische und stilistische Bandbreite, die Sorokin auf der Höhe seiner Kunst zeigt. Ganz große Literatur, und weitaus radikaler als etwa Michel Houellebecq!

Ebenfalls überzeugt hat mich Herfried Münklers brilliante historische und zeitgeschichtliche Analyse von Kriegen und Gewalt im 20. Jahrhundert. Zwar hätte dem Buch gutgetan, die einzelnen Kapitel besser aufeinander abzustimmen (offenbar sind sie für dieses Buch neu zusammengestellt worden - daher gibt es einige Redundanzen und inhaltliche Ungereimtheiten). Aber insgesamt eine sehr erhellende Lektüre, die auch für die zukünftige Entwicklung einiges zu denken gibt.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 30.11.2015, 17:30

NOVEMBER 2015

Patrick Modiano, Im Café der verlorenen Jugend
Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum
Eduard von Keyserling, Die Soldatenkersta (HB)
W. G. Sebald, Austerlitz (HB)
Hugo von Hoffmansthal, Der weiße Fächer (HB)
Hans Fallada, Kleiner Mann, was nun (HB)
Karl Ove Knausgard, Lieben
Ferdinand Peroutka, Wolke und Walzer

Im November habe ich nicht sehr viel gelesen, wobei ich viel Lesezeit mit dem Buch von Steffen Martus über die Aufklärung verbracht habe, das ich aber noch nicht beendet habe (sind auch über 1000 Seiten).

Ein Höhepunkt war Navid Kermanis wundervolles Buch über das Christentum.



Eine echte Entdeckung für mich war der Roman 'Wolke und Walzer' von Ferdinand Peroutka, im Elfenbein Verlag erschienen und sehr schön gemacht. Offenbar ein tschechischer Klassiker, der bisher in Deutschland nicht bekannt war. Das Buch bietet ein Panorama vor allem der tschechischen Geschichte vom Einmarsch der Deutschen 1939 bis nach dem Krieg.



Meinen ersten Modiano habe ich auch gelesen, ich denke aber, dass dem kleinen Büchlein keine weiteren folgen werden. Und Knausgard - den zweiten Band seiner Autobiographie habe ich wieder gerne gelesen, mit längeren Pausen zwischendrin, trotzdem aber interessiert und teilweise komplett seinem Sog verfallen. Da mache ich auf jeden Fall weiter...
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Dana » 04.12.2015, 14:40

Tomke hat geschrieben:OKTOBER 2015


Im Oktober gab es neben ein paar Hörbüchern vor allem den exzellenten Roman 'Telluria' von Vladimir Sorokin. Von ihm kannte ich einige frühe Bücher, dann hatte ich ihn aus den Augen verloren, weil mir seine Bücher zu abgedreht wurden (und auch zu eklig). Aber im letzten Jahr bin ich mit 'Der Schneesturm' wieder eingestiegen. Was sich darin schon andeutete, hat er in 'Telluria' jetzt weitergeführt. Der Roman ist eine teils realistische, teils fantastische Reise durch das Europa der Zukunft, das in kleine Einzelstaaten zerfallen ist, nachdem die Weltordnung von heute zusammengebrochen ist. In einigen Staaten gibt es halbwegs frei Verhältnisse, in anderen regieren die Wahhabiten, allen gemeinsam ist aber, dass eine neue Droge, das Tellurium, zum gesuchten Stoff wird. Das Buch hat eine ungeheure thematische und stilistische Bandbreite, die Sorokin auf der Höhe seiner Kunst zeigt. Ganz große Literatur, und weitaus radikaler als etwa Michel Houellebecq!


Lieber Tom,

deine Leselisten bringen mein Herz ständig zum Hüpfen :)
Sorokin habe ich erst letztes Jahr entdeckt, als ich durch Zufall "Schneesturm" gelesen hatte und begeistert war. Daraufhin hast du mir "Die Schlange" empfohlen, ein Buch, dass zur Zeit unauffindbar ist :(
Sorokin war mit Telluria in diesem Jahr im Stuttgarter Literaturhaus und ich hatte die Gelegenheit dabei zu sein. Es war eine Lesung besonderer Art. Um der stilistischen Bandbreite gerecht zu werden, war hier ein Kollektiv von 8 Übersetzern am Werk, unter dem Namen "Hammer und Nagel" :)
Es ist ein Buch, dass mir spätestens der Weihnachtsmann bringen muss ;)

LG,
Dana
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 02.01.2016, 10:47

So, und hier nun der Dezember:

Cees Nooteboom, Allerseelen
Elisabeth de Waal, Donnerstags bei Kanakis
Johannes Bobrowski, Levins Mühle*****
Laurence Sterne, Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman (HB)
Jo Nesbö, Der Sohn
G. E. Lessing, Nathan der Weise (HB)
Matthias Kamann, Gott liebt die störrischen Esel
Franz Kafka, Das Schloss (HB)
Colm Toibin, Marias Testament
Eduard von Keyserling, Dumala (HB)
Gilbert Adair, Blindband (HB)
Christian Lehnert, Windzüge

Cees Nooteboom habe ich für unsere Lesegruppe gelesen. Das Buch hat mir gut gefallen, mich aber nicht unbedingt begeistert.

Den Roman von Elisabeth de Waal habe ich vor allem gelesen, weil er einen Bezug zu Edmund de Waals 'Hase mit den Bernsteinaugen' hat. Das Buch ist eine ganz hübsche Geschichte aus dem Wien der Nachkriegsjahre und beleuchtet die Probleme, die rückkehrende Exilanten zu bewältigen hatten. Ansonsten hat es aber leider auch ein bisschen den Mief der 50er Jahre in sich.

Eine wirkliche Entdeckung war Johannes Bobrowskis Roman 'Levins Mühle' in der schönen Neuausgabe bei Wagenbach. Das ist herrliche Prosa!

Das neunteilige Hörspiel zu Tristram Shandy gab es im BR zum Download. Ich bin der Sache ganz gerne gefolgt, muss aber sagen: Das Buch liest man besser selbst. Der Witz des Autors kommt dabei für mich besser zum Tragen.

Nesbös Sohn war einfach wieder klasse. Ich mag den Autor und seinen Stil. Zwar war dies kein Roman aus der Harry Hole-Serie, aber Thema und Atmosphäre waren doch sehr nah dran (Korruption im Polizeiapparat).

Colm Toibins Buch über Maria hat mich vom Thema her natürlich interessiert. Toibin erzählt von einer ganz anderen Maria als von der, die wir aus der Bibel kennen. Sie ist zornig, skeptisch, beäugt ihren Sohn eher misstrauisch und keineswegs 'gläubig'. Als literarischen Text fand ich das ganz anregend, als Beitrag zur Diskussion um die 'echte' Maria eher weniger.

Die 'Windzüge' von Christian Lehnert sind eine neue Sammlung seiner Gedichte.

Insgesamt gelesen und gehört in 2015: 152 (Vorjahr: 132) - was vor allem auch an den vielen Hörbüchern liegt, die ich gerne beim Autofahren genieße.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Dana » 25.01.2016, 12:12

Tomke hat geschrieben:
Dana hat geschrieben:
Tomke hat geschrieben:Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer. Nabokov und das Glück


Genau DAS Buch möchte ich mir in diesem Quartal auch besorgen :) War es gewinnbringend?


Durchaus sehr nett zu lesen, aber nicht unbedingt ein 'must have'. Und sehr schön gemacht.


Guck mal was ich gefunden habe. (Wie der Vater so der Sohn?? :-))

Lila Azam Naganeh

LG,
Dana, die sich auf die Lektüre freut
Bücher sind wie Freunde: Man braucht nur wenige, aber gute.

Ich lese gerade:

A. L. Kennedy: Der letzte Schrei
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 01.02.2016, 07:32

Januar 2016

Paul Keller, Waldwinter
Joseph Roth, Hiob
Sandor Marai, Die Glut (HB)
Martin Walser, Ein sterbender Mann
Tomas Halik, Ich will, dass du bist
Anna Enquist, Streichquartett

Ingrid Noll, Hab und Gier (HB)
Stefan Zweig, Die Mondscheingasse (HB)
Bov Bjerg, Auerhaus (HB)
Steffen Martus, Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert. Ein Epochenbild
Fjodor Dostojewskij, Schuld und Sühne (HB)
Viktor Martinowitsch, Paranoia
Michael Köhlmeier, Das Mädchen mit dem Fingerhut
Friedrich Schiller, Die Räuber (HB)

Joseph Roth habe ich für unseren Lesekreis wiedergelesen. Das Buch hat mir wieder wunderbar gefallen.

Martin Walsers Roman war nett zu lesen, aber kein besonderes Highlight. Der Brief, den Dana verlinkt hat, trifft es ganz wunderbar. Walser, wie man ihn kennt, witzig, pointiert, aber ohne neues Thema.

Anna Enquist konnte mich mit diesem Buch nicht so begeistern wie mit der 'Betäubung'. Auch Bov Bjerg war keine echte Entdeckung. Dafür aber wurde der Roman von Viktor Martinowitsch für mich zu einem einem ersten TOP-Buch.

Sehr zwiespältig bin ich bei Steffen Martus' Mammutwerk zur Aufklärung. Darin fand ich viel Interessantes, viele schöne Kapitel, viele Einzelaspekte. Weil der Autor aber ein Epochenbild liefern wollte, hat er sehr viel Material in seine 1000 Seiten gepackt. Und weil er sich einem klaren Konzept von 'Aufklärung' verweigert, also keinen Grundgedanken als Ordnungsprinzip anwendet, bleibt seine Darstellung allzu oft im Aufzeigen alles dessen, was Aufkläurung eben AUCH war, stecken. Das hat das Lesen etwas ermüdend gemacht. Dem Buch hätte es gut getan, mehr zu gewichten, mehr zu ordnen und damit auch mehr zu werten.

Sehr schön und intensiv war wieder Köhlmeiers kleines Buch, allerdings auch sehr traurig.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Tomke » 29.02.2016, 14:03

Februar 2016

Georg Büchner, Leonce und Lena (HB)
Charles Dickens, Große Erwartungen
Martin Hüls, Was Steine erzählen
Matthias Nawrat, Die vielen Tode unseres Opas Jurek*****
Joseph Roth, Die Kapuzinergruft (HB)
Michail Ossorgin, Eine Straße in Moskau*****
Nis-Momme Stockmann, Der Fuchs (FLOP)
Roman Ehrlich, Das kalte Jahr
Henry James, Die Aspern-Papiere (HB)
Thomas Mann, Buddenbrooks (HB)
Joseph Roth, Beichte eines Mörders
Friedrich Hölderlin, Hyperion
Luise Rinser, Jan Lobel aus Warschau

Der Monat hatte Höhen und Tiefen. ;)

Für mich war Nis-Momme Stockmanns Roman 'Der Fuchs' ein echter Flop. Das Buch begann zwar recht interessant, auf Strecke nervte mich aber der Autor mit seiner überkünstelten Sprache und völlig abstrusen Handlung. Nach 250 Seiten war für mich Schluss.

Ebenso konnte mich auch Charles Dickens mit seinen Großen Erwartungen als Wiederholungslektüre für einen Lesekreis nicht zu begeistern.

Dafür gab es auch zwei Höhepunkte: Den herrlichen Roman über Opa Jurek von Matthias Nawrat sowie das wundervolle Buch über eine Straße in Moskau von Michail Ossorgin. Beide Bücher empfehle ich herzlich weiter.

Eine neue Entdeckung war für mich Roman Ehrlich, der all das konnte, was Nis-Momme Stockmann nicht zustande brachte: eine Geschichte so fein und zart zu erzählen und auf die Kraft der Erzählung selbst zu vertrauen, ohne einen stilistischen und handlungsmäßigen Budenzauber veranstalten zu wollen.

Friedrich Hölderlins Hyperion war eine wirklich horizonterweiternde Lektüre, allerdings auch nicht gerade leichtgängig.

Jetzt lese ich gerade Guntram Vespers 'Frohburg', was mir sehr gut gefällt. Das wird allerdings auch noch eine Weile brauchen.
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Re: Was Tom so liest

Beitragvon Dana » 03.03.2016, 12:36

Tomke hat geschrieben:Februar 2016

Georg Büchner, Leonce und Lena (HB)
Charles Dickens, Große Erwartungen
Martin Hüls, Was Steine erzählen
Matthias Nawrat, Die vielen Tode unseres Opas Jurek*****
Joseph Roth, Die Kapuzinergruft (HB)
Michail Ossorgin, Eine Straße in Moskau*****
Nis-Momme Stockmann, Der Fuchs (FLOP)
Roman Ehrlich, Das kalte Jahr
Henry James, Die Aspern-Papiere (HB)
Thomas Mann, Buddenbrooks (HB)
Joseph Roth, Beichte eines Mörders
Friedrich Hölderlin, Hyperion
Luise Rinser, Jan Lobel aus Warschau


Eine neue Entdeckung war für mich Roman Ehrlich, der all das konnte, was Nis-Momme Stockmann nicht zustande brachte: eine Geschichte so fein und zart zu erzählen und auf die Kraft der Erzählung selbst zu vertrauen, ohne einen stilistischen und handlungsmäßigen Budenzauber veranstalten zu wollen.



Hallo Tom,

ich erwarte immer mit Freude deine Monatslisten, auch wenn ich dann jedes Mal frustriert und neidisch bin :-)
Roman Ehrlich ist mir auch aufgefallen, als er 2014 (?) auf der DBP-Liste stand.

"The Aspern Papers" habe ich schon mind. 3 Mal gelesen, ich wusste gar nicht, dass es auch als HB gibt.

Joseph Roth mag ich auch sehr, ich hatte mir für die nächste Zeit "Juden auf Wanderschaft" vorbereitet.

Und eine rhetorische Frage an dich: kannst du das Buddenbrooks-HB noch nicht auswendig? :)

LG und bis sehr bald ;)
Dana
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