von Martina » 16.04.2009, 14:09
Januar 2009
„Ausgerechnet Tulipa“ von ANNE FINE
Da habe ich mal ganz tief im SUB gewühlt. Anfang der 90er hatte ich eine Menge von ANNE FINE gelesen und war dann etwas übersättigt. Um so schöner, dass mir dieses Buch wieder sehr gut gefallen hat. Ich lese eigentlich keine Jugend- oder Kinderbücher, finde aber, dass FINE es schafft, alle Altersgruppen anzusprechen. Vor allem biedert sie sich nicht bei den Jüngeren an. Und die Thematik dieses Buchs hat auch nichts an Aktualität verloren.
„Der Großaktionär“ von PETROS MARKARIS
Die ersten drei Bände über den Kommissar Kostas Charitos haben mir sehr gut gefallen. Mir gefällt der Typ Charitos und vor allem auch, wie MARKARIS das jetzige Griechenland und die Auswirkungen der Diktatur beschreibt. „Der Großaktionär“ hat mich aber nicht so angesprochen. Ich fand die Story sehr an den Haaren herbei gezogen und irgendwie auch wirr. Hoffentlich wird der nächste Band wieder besser.
„Ein ganz normales Paar“ von ISABELLE MINIÈRE
Benjamin, angestellter Apotheker, wird von seiner Frau tyrannisiert. Nichts kann er ihr recht machen. Nur die kleine Tochter Marion lässt ihn das alles ertragen. Hier geht es um ein Ehepaar, bei dem die Frau der dominante Part ist. Was man hier liest, sind „Szenen einer Ehe“, bei denen der Mann dem Leser viel sympathischer und am Ende die Freude groß ist, dass er sich doch noch durchsetzt. Das liest sich alles gut, vieles ist sehr gut beobachtet, aber der große Wurf ist es aus meiner Sicht nicht.
„Eine seltsame Affäre“ von PETER ROBINSON
Alan Banks hat sich langsam von dem Anschlag auf sein Leben erholt, da erhält er einen Anruf seines Bruders, der ihn dringend sprechen möchte. Als er dort ankommt, ist aber niemand da. Wenig später wird seine Leiche gefunden. Das ist der 17. Band dieser Reihe und einer der Besten. Sehr spannend und gut erzählt. Kompliment, Mr. ROBINSON!
„Alle, alle lieben dich“ von STEWART O’NAN
Darüber hatte ich schon an anderer Stelle geschrieben.
„Easter Parade“ von RICHARD YATES
Die Eltern von Sarah und Emily trennen sich, als die Mädchen 9 und 5 Jahre alt sind. Pookie, ihre Mutter, kann einfach nicht sesshaft werden und zieht ständig mit den Mädchen um. Zum Vater halten sie trotzdem immer Kontakt. Sarah heiratet früh und bekommt drei Söhne. Emily, die Schönere und Begabtere, beginnt zu studieren, geht ohne Abschluss ab, fängt erst in einem Verlag an, später in einer Werbeagentur, hat immer wieder wechselnde Männerbekanntschaften, eine Ehe scheitert. Mit Ende 40 steht sie vor den Scherben ihres Lebens. Ihre Schwester Sarah ist inzwischen Alkoholikerin wie die Mutter. Mich hat dieser Roman sehr beeindruckt und bewegt, schildert YATES doch auf seine ganz besondere Art das Leben von Frauen nach dem Krieg in den USA.
Februar und März 2009
„Die 7. Stunde“ von ELISABETH HERRMANN
Joachim Vernau wird gebeten, an einer Privatschule das Fach „Teen Court“ zu leiten. Die Schüler sind jedoch alle etwas merkwürdig und er findet heraus, dass kurz vorher eine Schülerin gestorben ist. Es folgen weitere Mordanschläge. Vernau findet heraus, dass seine Schüler Live-Rollenspielen verfallen sind. Mir sind die Protagonisten weiterhin sehr sympathisch, aber die Story hat mir nicht so gut gefallen wie „Das Kindermädchen“. Liegt sicherlich daran, dass die Thematik recht Fantasy-lastig ist.
„Shakespeare an Company“ von SYLVIA BEACH
Aus für mich aktuellem Anlass habe ich dieses Buch aus den Tiefen des SUBs gezogen. SYLVIA BEACH erzählt hier, wie sie in Paris die Buchhandlung „Shakespeare & Company“ gegründet und was sie in all den Jahren bis zur Schließung im 2. Weltkrieg erlebt hat. Natürlich geht es vor allem darum, wie sie „Ulysses“ von James Joyce herausgegeben hat welche Schriftsteller in ihrer Buchhandlung. Das ist alles recht kurzweilig und interessant. Die jetztige Buchhandlung „Shakespeare & Company“ am Seine-Ufer hat übrigens außer dem Namen nichts mit dem Original zu tun.
„Wenn die Erinnerung trügt“ von DEBORAH CROMBIE
Die letzten beiden Bände hatten mir gar nicht gefallen, aber diesen fand ich wieder richtig gut. Gemma und Duncan entwickeln sich weiter, Ort der Handlung ist hauptsächlich Nottinghill und dann gibt es noch eine Verknüpfung mit der Vergangenheit. CROMBIE hat einen wirklich spannenden Krimi geschrieben.
„Mord ist schlecht fürs Geschäft“ von JEAN G. GOODWIND
In Bath verschwindet ein amerikanischer Tourist. Honey, Hotelbesitzerin in Bath und Mittelsfrau zwischen dem hotelverband und der Polizei, fängt an, selbst nachzuforschen. Da wird die Leiche des Vermissten gefunden und wenig später eine Weitere. Ich habe diesen Krimi gekauft, weil er vom Aufbau Verlag ist und weil mir das Cover gefallen hat. Der Hinweis „witzig“ hätte mich stutzig machen sollen. Kurzum: Schade um die Lesezeit. Dieser Krimi ist einfach nur albern.
„Brief an D.“ von ANDRÈ GORZ
Gorz, österreichischer Jude, geht nach dem Krieg nach Paris. Kurz vorher hat er in der Schweiz seine Frau kennen gelernt. Gorz erzählt in Form eines Briefes, wie er seiner Frau Dorine zum ersten Mal begegnet ist und was sie verbindet. 58 Jahre haben die beiden zusammen verbracht, bis sie gemeinsam Selbstmord begehen. Dieses Buch ist eine Art Vermächtnis. Mich haben die rund 100 Seiten zutiefst beeindruckt. Absolut empfehlenswert.
„Das Gedächtnis des Wassers“ von FRANCOIS GANTHERET
Nach über 30 Jahren kehrt Paul in sein Heimatdorf in den Savoyer Alpen zurück. Dort war damals seine Jugendliebe Claire ermordet worden. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Paul trifft dort nun auf Béatrice, die Claire sehr ähnelt, aber erst nach dem Tod der älteren Schwester geboren wurde. Hier geht es nicht vordergründig um die Aufklärung eines Mordes, sondern um Erinnerung und Verdrängung. GANTHERET erzählt diese Geschichte in einer sehr schönen Sprache, so dass dieser Roman ein wahrer Genuss ist.
„Die Frau meines Lebens“ von NICOLAS BARREAU
Antoine, Buchhändler in St. Germain, trinkt im Café de Flore einen Kaffee und sieht dort Isabelle, die Frau seines Lebens. Sie gibt ihm einen Zettel mit ihrer Telefonnummer, doch leider ist die letzte Ziffer nicht mehr lesbar und Antoine hat nur 24 Stunden Zeit um sie zu finden. Nun beginnt eine aberwitzige Jagd durch Paris. Die Story gleicht eher einem Drehbuch als einem Roman, aber wer Paris – und ganz speziell das linke Seineufer liebt – kommt voll auf seine Kosten. Ein Buch für einen verregneten Nachmittag. Ich wollte dann wissen, wie das Buch bei amazon France bewertet wurde und musste feststellen, dass es dort gar nicht erschienen ist! Aus dem Französischen übersetzt ist es aber schon. Wahrscheinlich ist die Geschichte für Franzosen zu befrachtet mit Klischees. Nett war’ s trotzdem.
„Herr Nakano und die Frauen“ von HIRONI KAWAKAMI
Darüber habe ich an anderer Stelle geschrieben. Mir hat’ s gut gefallen.
„Milchzähne“ von INGNACIO MARTINÉZ DE PISÓN
Raffaele aus einem Dorf in der Toskana geht in den 30er Jahren nach Spanien um für die Faschisten zu kämpfen. Dort lernt er Isabelita kennen und heiratet sie. Gemeinsam bekommen sie drei Söhne. Ihr Vater hat eine Nudelfabrik und Raffaele gelingt es, diese zu einem erfolgreichen Unternehmen zu machen. Doch keiner weiß, dass Raffaele bereits in Italien eine Frau und ein behindertes Kind hat. Natürlich kommt das alles irgendwann ans Licht und Raffaeles dickköpfige Art führt nicht gerade dazu, Verständnis zu finden. Bereits „Die Zeit der Frauen“ hat mir von diesem Autor sehr gut gefallen, und auch hier gelingt ihm wieder eine wirklich tolle Familiengeschichte, die voller Irrungen und Wirrungen ist. MARTINÉZ DE PISÓN erzählt das alles mit viel schwarzem Humor. Wer sich für Spanien und die jüngste Geschichte dieses Landes interessiert, wird sicherlich Gefallen an diesem Roman finden.
„Empörungen“ von PHILIP ROTH
Darüber habe ich bereits geschrieben.
„Labyrinth der Masken“ und „Das Meer der Illusionen“ von LEONARDO PADURA
Das sind die beiden letzten Teile des Havanna-Quartetts. Die beiden anderen hatte ich bereits vor einiger Zeit gelesen. Mir haben Teil 3 und 4 sogar besser gefallen. Ich fand, dass das Leben auf Cuba in all seiner Tristesse doch sehr deutlicher geschildert wurde. Vor allem die Perspektivlosigkeit auf Cuba wird sehr intensiv beschrieben und immer wieder die Frage gestellt: Bleiben oder gehen. Dazu kommt dann noch eine interessante Krimihandlung. Für mich sind PADUAS Bücher eher Zustandsbeschreibungen von Cuba als spannende Krimis. Und als solche sind sie auch ein Gewinn.
„Fördewasser“ von KERSTIN WARSCHAU
Kommissarin Olga Island wird von Berlin nach Kiel versetzt und muss gleich den ersten Mordfall lösen. Eine schon fast unkenntliche Leiche wird im Wasser gefunden. Bald darauf gibt es noch einen Totem. Das ist wieder ein guter deutscher Krimi! Olga Island ist eine interessante Figur, Kiel als Handlungsort noch nicht abgenutzt und schreiben kann KERSRTIN WARSCHAU auch. Ich hoffe, es wird weitere Bände geben!
„Krankmeldungen“ von GWENDOLINE RILEY
Esther, 20 Jahre alt, teilt sich mit ihrer Freundin eine Wohnung in Manchester. Sie ist Schriftstellerin und lebt von diversen Jobs. In einer sehr reduzierten Sprache erzählt Esther von ihrem Leben in Manchester und der Gefühlswelt der 20jährigen. Da ist man froh, nicht mehr so jung zu sein…
„Sonntage im Licht“ von SUSAN VREELAND
SUSAN VREELAND erzählt hier die Geschichte der Entstehung des Bildes „Frühstück der
Ruderer“ von Auguste Renoir. Und ich finde, das macht sie ganz hervorragend. Sie erzählt von Renoir, der mittellos in Paris lebt und unbedingt dieses Bild malen möchte. Die Zeit dafür aber knapp bemessen ist, weil das Licht nicht lange so ist wie es sein soll und weil es mühsam ist, die richtigen Modell zu finden und sie über Wochen jeden Sonntag bei Laune zu halten. VREELAND erzählt von den Anfängen der Impressionisten, von der Grüppchenbildung, den Freund- und den Feindschaften untereinander. Ihr gelingt es sehr gut, die Stimmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts einzufangen – ganz speziell natürlich in Paris. Es handelt sich hier um einen Roman und nicht alles ist wirklich so gewesen wie VREELAND es beschreibt. Doch das Grundgerüst des Romans entspricht der Realität. Mich hat diese Geschichte wirklich gepackt und ich habe im nachhinein noch viel zu diesem Bild und der Zeit recherchiert. Es handelt sich hier nicht um Literatur, aber wer gerne mal einen richtig schönen Roman liest, ist hiermit gut bedient.