Gelesenes von MARTINA

Welche Bücher hast du im vergangenen Monat gelesen? Und wie bewertet? Hier ist der richtige Platz dafür!

Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Martina » 03.11.2008, 15:57

Oktober 2008

„Eldorado“ von LAURENT GAUDÉ




Gaudé hat ein gutes Thema gewählt. Illegale Einwanderung nach Europa und die damit verbundene Suche nach einem vermeintlich besseren Leben wird die reichen Länder sicherlich in Zukunft noch stärker beschäftigen. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass das Thema etwas realistischer umgesetzt wird. Gaudé überzeichnet m. E. die Charaktere und tut der ganzen Thematik so keinen Gefallen. Sehr gut gefallen hat mir aber wieder seine Sprache.


„Der Frauenheld“ von RICHARD FORD




Das war mein erstes Buch von Richard Ford. Eine gute Bekannte hatte es mir als Einstieg empfohlen und es hat Lust auf weitere Bücher von ihm gemacht. In dieser Novelle gelingt es Ford sehr gut, die Unterschiede zwischen Amerikanern und Europäern auf den Punkt zu bringen und ein Bild der amerikanischen Mittelschicht zu zeichnen. In einer klaren, einfachen Sprache erzählt Ford die Geschichte von Martin Austin, der beruflich in Paris zu tun hat, dort die Französin Josephine kennen lernt und meint, in sie verliebt zu sein. Seine Ehe scheitert, aber auch seine Erwartungen an ein neues aufregenderes Leben werden nicht erfüllt.
Eine Empfehlung.


„Habgier“ von FAYE KELLERMAN




Endlich wieder ein richtig guter Krimi von Faye Kellerman. Den letzten Band fand ich furchtbar, aber mit „Habgier“ hat sie bei mir einen Nerv getroffen. Dieses Mal gibt es auch keine so furchtbar brutalen Morde, sondern sie schildert vor allem ganz klassische Polizeiarbeit. Im Mittelpunkt steht auch wieder Pete Decker., wobei sein Privatleben nur wenig Raum findet. Die Story ist spannend und gut erzählt.

„Verdammnis“ von STIEG LARSSON




Dazu muss ich sicherlich nicht mehr viel sagen. „Verblendung“ hatte mir sehr gut gefallen, „Verdammnis“ fand ich aber entschieden schwächer. Alleine die Tatsache, dass auf den ersten 200 Seiten „Verblendung“ noch einmal zusammengefasst wurde, fand ich langweilig. Dann wurde es zwar spannend, aber insgesamt fand ich den zweiten Teil entschieden schwächer als den ersten.

„Der Sünde Sold“ von INGE LÖHNING




Eine Empfehlung meiner Krimibuchhändlerin. Mit dem Hinweis: „Ignorieren Sie den blöden Titel und den Namen der Autorin.“ Ich muss gestehen, dass ich von alleine genau deshalb nie nach diesem Buch gegriffen hätte, doch sie hat mal wieder genau meinen Geschmack getroffen. Das ist ein ausgesprochen gelungenes Debüt einer deutschen Autorin. Ein spannender Plot und eine ordentliche Sprache. Ich freu mich schon auf den Nachfolgeband.

"Die achte Todsünde“ von BARBARA KROHN




Auch diese Autorin ist ein Tipp meiner Krimibuchhändlerin. „Die achte Todsünde“ ist bereits der dritte Band dieser Reihe, in deren Mittelpunkt die Journalistin Sonja Zorn steht, die der Liebe wegen zu einem neapolitanischen Kommissar nach Neapel zieht. Barbara Krohn hat in Neapel gelebt und das merkt man auch. „Die achte Todsünde“ ist spannend und man erfährt wieder viel über Neapel. Und schreiben kann Barbara Krohn auch. Gute Krimikost.

„Kennen wir uns nicht?“ von SOPHIE KINSELLA




Ja, ich mag Sophie Kinsella und stehe auch dazu. Ihre Protagonistin Becky Bloomwood ist mir regelrecht ns Herz gewachsen. In „Kennen wir uns nicht?“ führ sie eine neue Hauptfigur ein und meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Das ist alles ganz nett, hat aber bei weitem nicht die klasse der Becky-Romane.

„Brit & Brown“ von LAYLA SHAH




Das war für mich ein Volltreffer. LAYLA SHAH erzählt in diesem (autobiografischen?) Roman die Geschichte einer Familie in England. Der indische Vater kommt von den Fidschi-Inseln, die Mutter aus Neuseeland. Dort lernen sie sich auch kennen und gehen gemeinsam Anfang der 50er Jahre nach England um dort zu studieren. Beide haben einen britischen Pass, führen aber das Leben von Einwanderern. Daran ändert sich auch nichts, nachdem sie drei Kinder bekommen haben. Mir hat sehr gut gefallen, wie SHAH der Geschichte ihrer Familie erzählt. Anlass dafür ist der Tod des jüngeren Bruders. Wer sich für Großbritannien und den Umgang mit den ehemaligen Kolonien interessiert, findet sicherlich auch Gefallen an diesem Buch.

„Eine besondere Vorsehung“ von RICHARD YATES




Tja, das war das falsche Buch zur falschen Zeit. „Zeiten des Aufruhrs“ fand ich hervorragend, doch hier habe ich nach 150 Seiten aufgegeben. Ich hatte erwartet, dass der Schwerpunkt dieses Romans bei der Mutter-Sohn-Beziehung liegt. Das war ein Irrtum. Es geht hauptsächlich um den Krieg und nachdem ich rund 100 Seiten in Schützengräben verbracht hatte, wollte ich einfach nicht mehr. Vielleicht lese ich irgendwann weiter, denn YATE’ s Sprache war auch wieder ein Genuss.
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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Martina » 07.01.2009, 13:41

November + Dezember 2008

„Lauf um mein Leben“ von BEAT GLOGGER

Es geht um Doping und geschrieben hat diesen Krimi ein Schweizer. Hört sich nicht so spannend an – ist es aber! Mal ein ganz anderes Thema und wirklich gut erzählt. Hinterher ist man schlauer.


„Dem Tod geweiht“ von GERALD HAGEMANN

Ein Deutscher Autor schriebt einen „englischen“ Krimi. Und das gar nicht mal schlecht. „Dem Tod geweiht“ ist zwar kein Pageturner, aber solide Krimikost.


„Alles Glück kommt nie“ von ANNA GAVALDA

Darüber hatte ich bereits geschrieben. Ein Flop.


„Über kurz oder lang“ von CATHERINE FRIED

Hier vergebe ich die Höchstpunktzahl. In der FAS war eine sehr gute Rezension über dieses Buch und deshalb habe ich es gekauft. Und es war ein Hochgenuss. Catherine Fried schreibt über ihre Ehe mit Erich Fried. Und das macht sie mit so viel Herzenswärme, aber auch Augenzwinkern. Ich glaube, mehr kann man über den Menschen Erich Fried nicht erfahren.


„Fenimore“ von ELIZABETH MAGUIRE

Constance Fenimore Woolson war selbst Schriftstellerin und eng mit Henry James befreundet. Hier wird ihr Leben und ihre Beziehung zu James geschildert. Der wird einem auch in diesem Buch nicht wirklich sympathisch, dafür aber Constance, die eine bemerkenswerte Frau war. Ich finde, das Buch ist eine sehr gute Ergänzung zu Colm Toibins „Porträt des Meisters in mittleren Jahren“.


„Einmal im Leben“ von JHUMPA LAHIRI

Hier handelt es sich um keinen Roman, sondern um drei Erzählungen, die letztendlich ein Ganzes ergeben. Mir hat bisher alles von LAHIRI sehr gut gefallen und auch dieses Buch hat mich nicht enttäuscht. Ich mag ihre Art zu schreiben und habe großes Interesse an ihrem immer wieder kehrenden Thema Migration.


„Deine Juliet“ von MARY ANN SHAFFER

Das war was fürs Herz. Eine wirklich liebenswerte Geschichte über Jersey, den Krieg und die Liebe zur Literatur – erzählt in Briefform. Ich glaube, man kann das schon als „Frauenbuch“ bezeichnen. Aus meiner Sicht hatte es alles, was einen guten Unterhaltungsroman ausmacht. Genau das Richtige für lange Winterabende.

„Höllenfahrt ins Paradies“ von TERESA SOLANA

„Mord auf katalanisch“, der erste Band mit den Zwillingen Eduard und Pep, die in Barcelona als Detektive arbeiten, hatte mir sehr gut gefallen. Leider konnte der zweite Band das Niveau nicht halten. Eine abstruse Handlung und verschiedene Zeitebenen führten leider zu einer völlig wirren Story. Wein Flop.


„Der letzte Harem“ von PETER PRANGE

Hier hat mich das Thema „Istanbul z. Zt. des letzten Sultans“ interessiert. Außerdem mochte ich „Die letzte Rebellin“ (Thema Weltausstellung London und Bau des Glaspalasts) recht gerne. „Der letzte Harem“ war aber ein absoluter Schmarrn. Ich gebe zu, dass ich es teilweise ganz spannend fand, aber sprachlich war es unterstes Niveau und teilweise richtig peinlich. Keine Empfehlung.


„Der Preis der Freiheit“ von ANNA QUINDLEN

Ein Buch über zwei ungleiche Schwestern in New York. Mehr New York als in diesem Roman geht kaum. Die Geschichte gefiel mir auch gut, hätte aber an der ein oder anderen Stelle ruhig ein wenig straffer erzählt sein können.


„Herbstfliegen“ von IRÉNE NEMIROVSKY

Das hat mir sehr gut gefallen.


„Mobbing“ von ANNETTE PEHNT

Inhaltlich alles andere als eine leichte Lektüre. PEHNT beschreibt hier wirklich minutiös die Mechaniken des Mobbings. Aber nicht nur das. Sie thematisiert vor allem auch den Umgang wirklich nahe stehender mit einem Mobbingopfer. Das ist alles sehr gut beobachtet und macht nachdenklich. Eine lohnenswerte Lektüre.


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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Barbara » 07.01.2009, 13:56

Liebe Martina,

Martina hat geschrieben:„Alles Glück kommt nie“ von ANNA GAVALDA

Darüber hatte ich bereits geschrieben. Ein Flop.

„Herbstfliegen“ von IRÉNE NEMIROVSKY

Das hat mir sehr gut gefallen.


Schade, dass "Alles Glück kommt nie" wohl nicht so gut ist. Es stand auf meiner Liste, der eventuell noch zu kaufenden Bücher. Aber dann werde ich bei Gelegenheit wohl eher nur mal reinlesen. Aber das ist typisch, ein hochgepuschtes, vielgelobtes Buch, dass sich wieder als schwach herausstellt. So etwas ärgert mich immer. Daher stand es auch bei mir nur unter "eventuell".

Hast Du von Irène Némirovsky noch andere Bücher gelesen?
Bei mir subben noch "Suite francaice" und "Jesabel".

Gelesen habe ich "Der Ball". Das fand ich auch sehr gelungen.
"Herbstfliegen" kenne ich bis jetzt noch nicht.
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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Martina » 07.01.2009, 14:05

Hallo Barbara,

mir haben sowohl "Suite francaise" als auch "Jezabel" sehr gut gefallen. Da kansnt du dic hauf schöne Lesestunden freuen :D

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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Barbara » 07.01.2009, 14:08

Liebe Martina,

dann werde ich sie im SUB mal gleich nach vorne schieben. Da Irène Némirovsky schon etwas polarisiert, wie ich feststellen musste, und Du sagst, dass Dir beide gefallen haben, schätze ich werden sie mir auch gefallen, da ich ihre Art zu schreiben mag.
Ich werde dann berichten, wenn ich sie gelesen habe.

Danke Dir!
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Jhumpa Lahiri und Catherine Fried

Beitragvon Anja » 07.01.2009, 17:17

Martina hat geschrieben:„Über kurz oder lang“ von CATHERINE FRIED
Hier vergebe ich die Höchstpunktzahl. In der FAS war eine sehr gute Rezension über dieses Buch und deshalb habe ich es gekauft. Und es war ein Hochgenuss. Catherine Fried schreibt über ihre Ehe mit Erich Fried. Und das macht sie mit so viel Herzenswärme, aber auch Augenzwinkern. Ich glaube, mehr kann man über den Menschen Erich Fried nicht erfahren.

„Einmal im Leben“ von JHUMPA LAHIRI
Hier handelt es sich um keinen Roman, sondern um drei Erzählungen, die letztendlich ein Ganzes ergeben. Mir hat bisher alles von LAHIRI sehr gut gefallen und auch dieses Buch hat mich nicht enttäuscht. Ich mag ihre Art zu schreiben und habe großes Interesse an ihrem immer wieder kehrenden Thema Migration.


Das Buch von Catherine Fried ist mir auch im Wagenbach Prospket aufgefallen. Ich hab mal gerade bei wikipedia geguckt, das war seine dritte Ehefrau (1965 bis zu seinem Tod 1988).
http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fried
http://tinyurl.com/8vhhta "Rasender Verworter" Artikel in der FAZ 8.12.2008

Bild

Zu Einmal im Leben von Jhumpa Lahiri gibt es einen eigenen Strang, Dana und Daniela haben das Buch auch schon gelesen. Dort hab ich auch eine Rezension von Julia Franck verlinkt.
http://forum.die-leselust.de/viewtopic.php?f=5&t=456&p=2546&hilit=lahiri#p2546

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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Martina » 08.01.2009, 10:38

Richtig, ANJA, Catherine, war seine dritte Ehefrau, aber mit keiner war er so lange verheiratet ;) Ich finde das Titelfoto einfach herrlich :)

LG, Martina
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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Martina » 16.04.2009, 14:09

Januar 2009

„Ausgerechnet Tulipa“ von ANNE FINE

Da habe ich mal ganz tief im SUB gewühlt. Anfang der 90er hatte ich eine Menge von ANNE FINE gelesen und war dann etwas übersättigt. Um so schöner, dass mir dieses Buch wieder sehr gut gefallen hat. Ich lese eigentlich keine Jugend- oder Kinderbücher, finde aber, dass FINE es schafft, alle Altersgruppen anzusprechen. Vor allem biedert sie sich nicht bei den Jüngeren an. Und die Thematik dieses Buchs hat auch nichts an Aktualität verloren.


„Der Großaktionär“ von PETROS MARKARIS

Die ersten drei Bände über den Kommissar Kostas Charitos haben mir sehr gut gefallen. Mir gefällt der Typ Charitos und vor allem auch, wie MARKARIS das jetzige Griechenland und die Auswirkungen der Diktatur beschreibt. „Der Großaktionär“ hat mich aber nicht so angesprochen. Ich fand die Story sehr an den Haaren herbei gezogen und irgendwie auch wirr. Hoffentlich wird der nächste Band wieder besser.


„Ein ganz normales Paar“ von ISABELLE MINIÈRE

Benjamin, angestellter Apotheker, wird von seiner Frau tyrannisiert. Nichts kann er ihr recht machen. Nur die kleine Tochter Marion lässt ihn das alles ertragen. Hier geht es um ein Ehepaar, bei dem die Frau der dominante Part ist. Was man hier liest, sind „Szenen einer Ehe“, bei denen der Mann dem Leser viel sympathischer und am Ende die Freude groß ist, dass er sich doch noch durchsetzt. Das liest sich alles gut, vieles ist sehr gut beobachtet, aber der große Wurf ist es aus meiner Sicht nicht.


„Eine seltsame Affäre“ von PETER ROBINSON

Alan Banks hat sich langsam von dem Anschlag auf sein Leben erholt, da erhält er einen Anruf seines Bruders, der ihn dringend sprechen möchte. Als er dort ankommt, ist aber niemand da. Wenig später wird seine Leiche gefunden. Das ist der 17. Band dieser Reihe und einer der Besten. Sehr spannend und gut erzählt. Kompliment, Mr. ROBINSON!


„Alle, alle lieben dich“ von STEWART O’NAN

Darüber hatte ich schon an anderer Stelle geschrieben.


„Easter Parade“ von RICHARD YATES

Die Eltern von Sarah und Emily trennen sich, als die Mädchen 9 und 5 Jahre alt sind. Pookie, ihre Mutter, kann einfach nicht sesshaft werden und zieht ständig mit den Mädchen um. Zum Vater halten sie trotzdem immer Kontakt. Sarah heiratet früh und bekommt drei Söhne. Emily, die Schönere und Begabtere, beginnt zu studieren, geht ohne Abschluss ab, fängt erst in einem Verlag an, später in einer Werbeagentur, hat immer wieder wechselnde Männerbekanntschaften, eine Ehe scheitert. Mit Ende 40 steht sie vor den Scherben ihres Lebens. Ihre Schwester Sarah ist inzwischen Alkoholikerin wie die Mutter. Mich hat dieser Roman sehr beeindruckt und bewegt, schildert YATES doch auf seine ganz besondere Art das Leben von Frauen nach dem Krieg in den USA.



Februar und März 2009

„Die 7. Stunde“ von ELISABETH HERRMANN

Joachim Vernau wird gebeten, an einer Privatschule das Fach „Teen Court“ zu leiten. Die Schüler sind jedoch alle etwas merkwürdig und er findet heraus, dass kurz vorher eine Schülerin gestorben ist. Es folgen weitere Mordanschläge. Vernau findet heraus, dass seine Schüler Live-Rollenspielen verfallen sind. Mir sind die Protagonisten weiterhin sehr sympathisch, aber die Story hat mir nicht so gut gefallen wie „Das Kindermädchen“. Liegt sicherlich daran, dass die Thematik recht Fantasy-lastig ist.


„Shakespeare an Company“ von SYLVIA BEACH

Aus für mich aktuellem Anlass habe ich dieses Buch aus den Tiefen des SUBs gezogen. SYLVIA BEACH erzählt hier, wie sie in Paris die Buchhandlung „Shakespeare & Company“ gegründet und was sie in all den Jahren bis zur Schließung im 2. Weltkrieg erlebt hat. Natürlich geht es vor allem darum, wie sie „Ulysses“ von James Joyce herausgegeben hat welche Schriftsteller in ihrer Buchhandlung. Das ist alles recht kurzweilig und interessant. Die jetztige Buchhandlung „Shakespeare & Company“ am Seine-Ufer hat übrigens außer dem Namen nichts mit dem Original zu tun.


„Wenn die Erinnerung trügt“ von DEBORAH CROMBIE

Die letzten beiden Bände hatten mir gar nicht gefallen, aber diesen fand ich wieder richtig gut. Gemma und Duncan entwickeln sich weiter, Ort der Handlung ist hauptsächlich Nottinghill und dann gibt es noch eine Verknüpfung mit der Vergangenheit. CROMBIE hat einen wirklich spannenden Krimi geschrieben.

„Mord ist schlecht fürs Geschäft“ von JEAN G. GOODWIND

In Bath verschwindet ein amerikanischer Tourist. Honey, Hotelbesitzerin in Bath und Mittelsfrau zwischen dem hotelverband und der Polizei, fängt an, selbst nachzuforschen. Da wird die Leiche des Vermissten gefunden und wenig später eine Weitere. Ich habe diesen Krimi gekauft, weil er vom Aufbau Verlag ist und weil mir das Cover gefallen hat. Der Hinweis „witzig“ hätte mich stutzig machen sollen. Kurzum: Schade um die Lesezeit. Dieser Krimi ist einfach nur albern.


„Brief an D.“ von ANDRÈ GORZ

Gorz, österreichischer Jude, geht nach dem Krieg nach Paris. Kurz vorher hat er in der Schweiz seine Frau kennen gelernt. Gorz erzählt in Form eines Briefes, wie er seiner Frau Dorine zum ersten Mal begegnet ist und was sie verbindet. 58 Jahre haben die beiden zusammen verbracht, bis sie gemeinsam Selbstmord begehen. Dieses Buch ist eine Art Vermächtnis. Mich haben die rund 100 Seiten zutiefst beeindruckt. Absolut empfehlenswert.


„Das Gedächtnis des Wassers“ von FRANCOIS GANTHERET

Nach über 30 Jahren kehrt Paul in sein Heimatdorf in den Savoyer Alpen zurück. Dort war damals seine Jugendliebe Claire ermordet worden. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Paul trifft dort nun auf Béatrice, die Claire sehr ähnelt, aber erst nach dem Tod der älteren Schwester geboren wurde. Hier geht es nicht vordergründig um die Aufklärung eines Mordes, sondern um Erinnerung und Verdrängung. GANTHERET erzählt diese Geschichte in einer sehr schönen Sprache, so dass dieser Roman ein wahrer Genuss ist.


„Die Frau meines Lebens“ von NICOLAS BARREAU

Antoine, Buchhändler in St. Germain, trinkt im Café de Flore einen Kaffee und sieht dort Isabelle, die Frau seines Lebens. Sie gibt ihm einen Zettel mit ihrer Telefonnummer, doch leider ist die letzte Ziffer nicht mehr lesbar und Antoine hat nur 24 Stunden Zeit um sie zu finden. Nun beginnt eine aberwitzige Jagd durch Paris. Die Story gleicht eher einem Drehbuch als einem Roman, aber wer Paris – und ganz speziell das linke Seineufer liebt – kommt voll auf seine Kosten. Ein Buch für einen verregneten Nachmittag. Ich wollte dann wissen, wie das Buch bei amazon France bewertet wurde und musste feststellen, dass es dort gar nicht erschienen ist! Aus dem Französischen übersetzt ist es aber schon. Wahrscheinlich ist die Geschichte für Franzosen zu befrachtet mit Klischees. Nett war’ s trotzdem.


„Herr Nakano und die Frauen“ von HIRONI KAWAKAMI

Darüber habe ich an anderer Stelle geschrieben. Mir hat’ s gut gefallen.


„Milchzähne“ von INGNACIO MARTINÉZ DE PISÓN

Raffaele aus einem Dorf in der Toskana geht in den 30er Jahren nach Spanien um für die Faschisten zu kämpfen. Dort lernt er Isabelita kennen und heiratet sie. Gemeinsam bekommen sie drei Söhne. Ihr Vater hat eine Nudelfabrik und Raffaele gelingt es, diese zu einem erfolgreichen Unternehmen zu machen. Doch keiner weiß, dass Raffaele bereits in Italien eine Frau und ein behindertes Kind hat. Natürlich kommt das alles irgendwann ans Licht und Raffaeles dickköpfige Art führt nicht gerade dazu, Verständnis zu finden. Bereits „Die Zeit der Frauen“ hat mir von diesem Autor sehr gut gefallen, und auch hier gelingt ihm wieder eine wirklich tolle Familiengeschichte, die voller Irrungen und Wirrungen ist. MARTINÉZ DE PISÓN erzählt das alles mit viel schwarzem Humor. Wer sich für Spanien und die jüngste Geschichte dieses Landes interessiert, wird sicherlich Gefallen an diesem Roman finden.


„Empörungen“ von PHILIP ROTH

Darüber habe ich bereits geschrieben.


„Labyrinth der Masken“ und „Das Meer der Illusionen“ von LEONARDO PADURA

Das sind die beiden letzten Teile des Havanna-Quartetts. Die beiden anderen hatte ich bereits vor einiger Zeit gelesen. Mir haben Teil 3 und 4 sogar besser gefallen. Ich fand, dass das Leben auf Cuba in all seiner Tristesse doch sehr deutlicher geschildert wurde. Vor allem die Perspektivlosigkeit auf Cuba wird sehr intensiv beschrieben und immer wieder die Frage gestellt: Bleiben oder gehen. Dazu kommt dann noch eine interessante Krimihandlung. Für mich sind PADUAS Bücher eher Zustandsbeschreibungen von Cuba als spannende Krimis. Und als solche sind sie auch ein Gewinn.


„Fördewasser“ von KERSTIN WARSCHAU

Kommissarin Olga Island wird von Berlin nach Kiel versetzt und muss gleich den ersten Mordfall lösen. Eine schon fast unkenntliche Leiche wird im Wasser gefunden. Bald darauf gibt es noch einen Totem. Das ist wieder ein guter deutscher Krimi! Olga Island ist eine interessante Figur, Kiel als Handlungsort noch nicht abgenutzt und schreiben kann KERSRTIN WARSCHAU auch. Ich hoffe, es wird weitere Bände geben!


„Krankmeldungen“ von GWENDOLINE RILEY

Esther, 20 Jahre alt, teilt sich mit ihrer Freundin eine Wohnung in Manchester. Sie ist Schriftstellerin und lebt von diversen Jobs. In einer sehr reduzierten Sprache erzählt Esther von ihrem Leben in Manchester und der Gefühlswelt der 20jährigen. Da ist man froh, nicht mehr so jung zu sein…


„Sonntage im Licht“ von SUSAN VREELAND

SUSAN VREELAND erzählt hier die Geschichte der Entstehung des Bildes „Frühstück der
Ruderer“ von Auguste Renoir. Und ich finde, das macht sie ganz hervorragend. Sie erzählt von Renoir, der mittellos in Paris lebt und unbedingt dieses Bild malen möchte. Die Zeit dafür aber knapp bemessen ist, weil das Licht nicht lange so ist wie es sein soll und weil es mühsam ist, die richtigen Modell zu finden und sie über Wochen jeden Sonntag bei Laune zu halten. VREELAND erzählt von den Anfängen der Impressionisten, von der Grüppchenbildung, den Freund- und den Feindschaften untereinander. Ihr gelingt es sehr gut, die Stimmung des ausgehenden 19. Jahrhunderts einzufangen – ganz speziell natürlich in Paris. Es handelt sich hier um einen Roman und nicht alles ist wirklich so gewesen wie VREELAND es beschreibt. Doch das Grundgerüst des Romans entspricht der Realität. Mich hat diese Geschichte wirklich gepackt und ich habe im nachhinein noch viel zu diesem Bild und der Zeit recherchiert. Es handelt sich hier nicht um Literatur, aber wer gerne mal einen richtig schönen Roman liest, ist hiermit gut bedient.
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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon LeseratteZH » 16.04.2009, 14:43

Brief an D. ... das kommt auf meinen SUB! Sowie der junge im gestreiften Pischama. ;)

:mrgreen:
Ich lese gerade: Vrenelis Gärtli von Tim Krohn
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Re: Gelesenes von MARTINA

Beitragvon Barbara » 16.04.2009, 15:10

Liebe Martina

Martina hat geschrieben:„Brief an D.“ von ANDRÈ GORZ

Gorz, österreichischer Jude, geht nach dem Krieg nach Paris. Kurz vorher hat er in der Schweiz seine Frau kennen gelernt. Gorz erzählt in Form eines Briefes, wie er seiner Frau Dorine zum ersten Mal begegnet ist und was sie verbindet. 58 Jahre haben die beiden zusammen verbracht, bis sie gemeinsam Selbstmord begehen. Dieses Buch ist eine Art Vermächtnis. Mich haben die rund 100 Seiten zutiefst beeindruckt. Absolut empfehlenswert.


Auch mich hat das Buch bewegt. Ich habe es auch gelesen udn schon einige Male empfohlen.
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