Stefan Zweig - Die Welt von gestern

In diesem Bereich sollen alle gemeinsamen Leserunden gesammelt werden

Stefan Zweig - Die Welt von gestern. Gemeinsam gelesen!

Beitragvon Daniela » 04.09.2000, 23:56


Hallo meine Lieben,
ich bitte euch, die jeweiligen Gedanken zum Buch vielleicht den betreffenden Abschnitten zuzuordnen, also unter den jeweiligen Beitrag hinzuschreiben - das könnte für nachfolgende Interessierte das Lesen eventuell erleichtern, stelle ich mir mal vor ;-)


Ich freu mich schon!

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern. Gemeinsam gelesen!

Beitragvon Gwenn » 05.09.2000, 21:28


Viel Freude beim Lesen von der 'Welt von gestern - Erinnerungen eines Europäers' !


Und bitte lest auch das VORWORT von Stefan Zweig. Es erklärt vieles über die Persönlichkeit von Zweig und seinem Empfindungen als Emigrant.


"... und ich weiss mir inmitten der Unzähligen keinen anderen Vorrang zuzusprechen als den einen : als Österreicher, als Jude, als Schriftsteller, als Humanist und Pazifist jeweils just dort gestanden zu sein, wo diese erdstösse am heftigsten sich auswirkten." (Zitat, ebenda)

Beste Grüsse - Gwenn.

Ich lese The Escape von Adam Thirlwell und höre Fegefeuer von Sofi Oksanen.
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Stefan Zweig - Die Welt von gestern. Gemeinsam gelesen! - Kapitel 1 + 2

Beitragvon Bruna » 07.09.2000, 19:33


>Also los!
Ja , ich fang schon mal an.
Zunächst möchte ich Euch sagen, daß ich es sehr schön finde dieses Buch zu lesen. StZ erzählt einfach wunderbar. In den beiden ersten Kapiteln hat er MIR zwar nichts neues erzählt, aber die Art wie er's macht gefällt mir. Besonders natürlich für mich als Wahlwienerin war dieser Einstieg schön. Ich lebe nun seit 25 Jahren in Wien - und ich liebe diese Stadt.


1. DIE WELT DER SICHERHEIT
Nun das Buch beginnt mit einer liebevollen Beschreibung von Wien.
Ich kann zwar nicht glauben, daß die Zeit vor dem 1.Weltkrieg derart schön und rosig für alle Bewohner der Monarchie war. StZ beschreibt das natürlich in erster Linie aus der Sicht einer Familie die in Wohlstand gelebt hat, und die durch kluges wirtschaften diesen Wohlstand vermehrt und in Reichtum verwandelt hat. Doch die Arbeiter und die Menschen in den "kleinen" Berufen und "unteren" Schichten waren sicher nicht so glücklich und hatten wohl auch ein schweres Leben.
Wie schon gesagt finde ich seine Beschreibung von Wien und den Umgang der Wiener mit Ihrer Kultur sehr gelungen. Und es erinnert mich irgendwie an heute. Viele WienerInnen lieben IHRE Theater und IHRE Schauspieler und Sänger und Maler. Auch wenn oft genörgelt wird, die Künstler werden verehrt, streng kritisiert und respektiert. Trotz der momentanen Regierung lebt das Theater und die Kunst weiter - und die Menschen stehen dazu, und sie strömen in die Theater und Opern.
Nun StZ sagt auch, daß die Juden damals in Wien sehr gut leben konnten - auch das läßt sich für mich jetzt wieder sagen. Wenn auch oft geschimpft und genörgelt wird auf Ausländer und Juden - so gibt es im täglichen Zusammenleben kaum Probleme. Keine Anschläge und ähnliches. Und fast jeden Ausländer und Juden in seinem Freundes- und Bekanntenkreis.


2. DIE SCHULE IM VORIGEN JAHRHUNDERT
Die triste Schulzeit in den noch tristeren Klassenzimmern, diese Atmosphäre bringt er sehr gut. Die Lehrer, nur darauf bedacht den Lehrplan einzuhalten, ja diese Zeit scheint für Schüler schwer gewesen zu sein. Doch irgendwie hat wahrscheinlich jede (Schul-)Zeit ihre negativen Seiten.
Wunderbar fand ich wieder die Schilderung ihrer Lese- und Theaterbesessenheit - für mich sehr gut nachvollziehbar, vor allem im Wien der Jahrhundertwende, im Wien des Aufbruches.
So das war mein erster Bericht, jetzt warte ich auf Euch, um dann vielleicht noch weiter Komentare abzugeben.
Auf alle Fälle sind diese zwei ersten Kapitel sehr positiv, trotz der schweren Zeit als Schüler. Irgendwie kommt es mir fast zu rosarot vor, wie StZ diese Zeit in Erinnerung hat. Ob daran liegt, daß vieles aus der Vergangenheit nach Jahren einfach "schöner" wirkt - vor allem wenn man gerade in einer schrecklichen Zeit lebt?
Das fragt sich Eure Bruna

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern. Gemeinsam gelesen!

Beitragvon Katya » 07.09.2000, 22:35


Ich komm' erst am Wochenende in Ruhe zu den ersten Passagen, weiß aber noch vom ersten Lesen, daß mich das Buch fasziniert hat.
Ich freue mich schon, wieder diese Sprache zu lesen, auch wenn der Kontext, Stefan Zweigs Leben, kein "freudiges" Thema ist.
Bis bald!
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Stefan Zweig - Die Welt von gestern. Gemeinsam gelesen! - Ka

Beitragvon Daniela » 11.09.2000, 01:22

So, meine Lieben, ich bin jetzt ja fast ein Nachzügler *g*.. weil ich gerade erst angefangen habe, und auch erst 18 Seiten gelesen habe.
Auf alle Fälle sind diese zwei ersten Kapitel sehr positiv, trotz der schweren Zeit als Schüler. Irgendwie kommt es mir fast zu rosarot vor, wie StZ diese Zeit in Erinnerung hat. Ob daran liegt, daß vieles aus der Vergangenheit nach Jahren einfach "schöner" wirkt - vor allem wenn man gerade in einer schrecklichen Zeit lebt?
Das fragt sich Eure Bruna


Stefan Zweig schreibt in seinem Vorwort:
Jedesmal, wenn ich im Gespräch jüngeren Freunden Episoden aus der Zeit vor dem ersten Kriege erzähle, merke ich an ihren erstaunten Fragen, wieviel für sie schon historisch oder unvorstellbar von dem geworden ist, was für mich noch selbstverständliche Realität bedeutet. Und ein geheimer Instinkt in mir gibt ihnen recht: zwischen unserem Heute, unserem Gestern und Vorgestern sind alle Brücken abgebrochen
Das ist ein Satz, den wir, wie ich finde auf unsere jetzige Zeit auch sehr gut umsetzen können. Es ist erst 10 Jahre her, dass hier in Berlin die Mauer gefallen ist, dass ein politisches System richtiggehend weggefegt wurde. Und was weiß ich selbst (als ja eigentlich nicht Betroffene) noch darüber? Die Erzählungen von Menschen, die diese Zeit erlebt haben, höre ich mir zwar mit großer Neugierde und Interesse, aber auch mit der Distanz dessen, der es sich eigentlich nicht mehr vorstellen kann, wie das damals war, an.
Und wenn Stefan Zweig dann fortfährt, die Zeit vor dem ersten Weltkrieg als goldenes Zeitalter der Sicherheit zu beschreiben, dann kann ich auch davon sehr viel im Heute wiederfinden. Auch wir haben wieder die Sparpläne, das Vermögen, von der Kindheit in die Zukunft mehr oder weniger zu planen; zwar mit etwas anderen Voraussetzungen als damals, aber auch wenn nun eine andere Partei die Regierung übernimmt: im Wesentlichen ändert sich ja nichts.
Und auch wenn mitten in Europa noch vor kurzem ein bitterer Krieg gekämpft wurde - es ist sooo weit weg, gedanklich, dass wir selbst davon betroffen sein könnten.
Ich erkenne auch in der Einstellung seines Vaters Niemals jemanden um etwas gebeten zu haben, niemals zu "bitte" oder "danke" verpflichtet gewesen zu seni, dieser geheime Stolz bedeutete ihm mehr als jede Äußerlichkeit - diese Aussage könnte in vielen Punkten auch auf meine Eltern zutreffen.
Was nun die Schilderung dieser ersten Zeit aus so verklärter Sicht angeht; ich habe den Eindruck, dass es nicht nur damit zusammenhängt, dass die Gegenwart so erdrückend für ihn war; ich merke auch selbst, dass ich im Laufe der Jahre immer mehr an meine Kindheit als eine Idylle zurückdenke - und ich glaube nicht, dass ich es damals fortwährend als solche empfunden habe.
Ich hoffe, das alles war jetzt nicht allzu wirr; immerhin ist es ja auch schon wieder relativ spät...
Aber eines kann ich schon nach wenigen Zeilen wieder sagen: ich weiß, warum Stefan Zweig für mich einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Epoche war - er spricht durch die Zeit hinweg direkt zu mir, ohne einen Umweg....
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Stefan Zweig - Die Welt von gestern. Gemeinsam gelesen! - Kapitel 1 + 2

Beitragvon Annie » 11.09.2000, 17:03


Liebe Bruna, liebe Daniela,


ich muß zugeben, daß ich mit dem ersten Abschnitt ein wenig Schwierigkeiten hatte. Muß aber gleich einschieben, daß das mein erstes Buch von Zweig ist und ich mich erst reinfinden mußte. Ich fand das alles ein wenig unpersönlich - ich habe ja leider keinen Bezug zu Wien *g*. Im zweiten Abschnitt wurde mir klar, daß diese Einführung ins Wien zum Anfang des Jahrhunderts zum Verständnis wichtig ist.
Der zweite Abschnitt gefiel mir dann auch viel besser: die Beschreibung der Schulzeit (soo anders empfanden wir unsere Schulzeit glaube ich auch nicht), und – wie auch Bruna schon anmerkte – dieser Versessenheit auf alle neuen Bücher (na, erkennt sich jemand wieder? *g*) und die ganze Wiener Kultur. Fast habe ich ihn ein wenig beneidet: Heutzutage ist das ja nicht mehr möglich, alles Neu-Erschienene zu kennen, allerdings kann man immer noch, für sich selbst Entdeckungen machen. Und ich muß gestehen, daß ich viele der genannten Namen nicht einordnen kann, von denen er so schwärmt.
Und auch sonst steckt viel drin, daß neu für mich war und wohl für die Zeit typisch war: die Einstellung zu Sport, das „Problem“ der Jugend (die jungen Ärzte mit den Bärten und Brillen). Und auch Bekanntes: So erwähnt er am Rande die Nicht-Bildung von Mädchen.
Jedenfalls habe ich einen guten Einblick in die Welt bekommen.
Zu dem Rosaroten: Er selbst schildert seine Welt ja so, daß er materiell abgesichert ist und auch als Jude nicht abgelehnt hat, also in dieser Hinsicht keine Sorgen hat. Ich habe den Eindruck daß das Positive aus dieser Zeit für ihn überwiegt (im Nachhinein), durch die vielen Impulse, die er für sein Leben bekommen hat und die für sein Leben richtungweisend waren. Die wahre Bildung hat er sich doch nach der Schule angeeignet, im Kaffeehaus, und nicht in der Schule, und für ihn war dieser Teil seines Lebens – denke ich – auch wichtiger als die Zeit in der Schule. Natürlich kommt noch hinzu, daß er diese Erinnerungen mit Abstand aufschreibt. Ob er diese Zeit verklärt in Anbetracht seiner Gegenwart? Das könnte er vermutlich noch nicht einmal selber beantworten?
Vielleicht hängt das Idealisieren der Kind- und Jugendzeit auch mit dem Nicht-Verpflichtet-Sein zusammen. Daniela, und Du weißt, daß es keine Idylle war, sondern Du erinnerst Dich einfach nur an Gutes und vermutlich bleiben dadurch diese Erinnerungen erhalten. Wenn Du weiter gräbst, fällt Dir bestimmt auch was weniger Angenehmes ein?
Auch StZ hat aus seinen Erinnerungen bewußt oder unbewußt gewählt, um ein Bild einer Zeit zu schaffen, d. h. nicht daß es vollständig ist, sondern vielleicht einfach, daß die Stimmung jener Zeit derart positiv war, zumindest in der Gesellschaftsschicht, in der er lebte.


So, daß erst mal von mir. Ist ja doch eine ganze Menge geworden.


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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.-Vorwort

Beitragvon Dana » 12.09.2000, 22:25


Ich habe das Vorwort und die ersten 2 Kapitel mit sehr viel Vergnügen gelesen und bin nun äußerst froh, daß ich die Gelegenheit habe, mit Euch Gedanken auszutauschen.
Die 85 Seiten waren aber für mich so dicht an Neuigkeiten, daß ich ein paar Tage nach dem Lesen nicht wußte, was ich hier schreiben soll.
Zugelegt habe ich mir auch eine ro-ro-ro Monographie (Hartmut Müller: "Stefan Zweig") aus der ich parallel lese und die mir wertvolle Tipps aus dem Werk Zweigs liefert. Im folgenden werde ich diese, dem Buch fremden Informationen mit [i]Anmerkung[/i] kennzeichnen.


[b]VORWORT[/b]
Mit dem Motto [i]Begegnen wir die Zeit, wie sie uns sucht[/i] wird man in Zweigs Buch eingeladen. Im Vorwort wird der Leser darauf vorbereitet, keine Autobiographie zu erwarten, sondern eher einen "Lichtbildervortrag", bei dem Zweig der Erzähler ist. Es wird um eine Generation die Rede sein, die den Katalog "aller nur denkbaren Katastrophen durchgeakert" hat: 2 Weltkriege, Revolution und Hungersnot, Geldentwertung und Terror, Epidemien und Emigration und nicht zuletzt die großen Massenideologien. Eine Zeit, in der paradoxerweise die Menschheit den höchsten moralischen Rückfall gleichzeitig mit einem sehr hohen technischen Fortschritt erlebte.


Aus Mangel an jeglichen Hilfsmitteln wird sich dieses Buch allein auf die Erinnerungen Zweigs stützen. Vom Leben gelehrt, "Verlorenem nicht nachzutrauern", betrachtet Zweig das Gedächtnis als "eine wissend ordnende und weise ausschaltende Kraft." (S.13)


Es wird also nicht um pure Geschichte gehen, sondern um eine durch eine Seele gefilterte Geschichte. Es ist eine großzügige, bescheidene Seele, die zufrieden ist mit diesem Buch "auch nur einen Splitter Wahrheit" der nächsten Generation zu übermitteln.


[i]Anmerkung[/i] Ursprünglich sollten Zweigs Erinnerungen den Titel "Meine drei Leben" tragen. Sein erstes Leben war gewissermaßen mit dem Jahr 1914 abgeschlossen, das zweite reichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung und das dritte von 1933 bis 1939.


Dieses Vorwort kann nur mehr Lust auf das Lesen machen **freu**

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.- Kapitel 1

Beitragvon Dana » 12.09.2000, 22:29


[b]DIE WELT DER SICHERHEIT[/b]


SZ kommt aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, für die die Zeit vor dem 1. Weltkrieg als "goldenes Zeitalter der Sicherheit", als "Zeitalter der Vernunft" galt. Er hätte es wahrscheinlich nicht wissen können, wie es den niederen Schichten der Bevölkerung ging und deswegen spricht er auch ziemlich wenig darüber.


Was für mich eine Überraschung war, ist die Tatsache, daß das Versicherungssystem so weit zurückgeht. Für mich war es vor 5 Jahren eine nicht so leicht durchschaubare Neuigkeit **g**


Ich habe dann in diesem Kapitel viel über die Lebensprinzipien und die Lebensart des "guten jüdischen Bürgertums" von damals erfahren. Ich wußte z.B., daß die Juden äußerst begabte Geschäftsleute sind, und daß für sie die Kultur großgeschrieben wird, aber nicht, daß in der Zeit, als das Kaiserhaus und die Aristokratie die Kultur nicht mehr förderten, es die Juden waren, die ihr unter die Arme griffen.


Das jüdische Bürgertum wird anhand von Familie Zweig geschildert. Dadurch kommt aus der Mann Zwieg zum Vorschein, mit seiner Neigung zur anonymen Lebenshaltung, mit seinem einzigen sichern Besitz, "das Gefühl der inneren Freiheit".


[i]Anmerkung:[/i] Friderike Zweig hat in dem Kapitel "Kindheit und Mutter" ihrer Erinnerungen (als Motto das Goethewort: "Niemand meine, die ersten Eindrücke seiner Jungend überwinden zu können") die Kindheit ihres Gefährten geschildert. Außerdem soll die Hauptperson in Zweigs Erzählung "Untergang eines Herzens" eine zugespitzte Karikatur seiner Mutter sein.


Atemberaubend war für mich die Schilderung Wiens, dieser "wunderbar orchestrierte Stadt", in der SZ gelernt hat, "die Idee der Gemeinschaft als die höchste seines Herzens zu lieben". Es hat mich an Sandor Marai erinnert, der in "Der Glut" Wien als eine "Stimmgabel der Welt" bezeichnet **g**.


Wunderbar fand ich auch die Abschnitte, in denen SZ ab und zu seine Meinung zu den in seiner Erinnerung verbliebenen Bildern darstellt. Es steckt so viel Traurigkeit und Wahrheit drin ....

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.- Kapitel 2

Beitragvon Dana » 12.09.2000, 22:35


[b]DIE SCHULE IM VORIGEN JAHRHUNDERT[/b]


Zu diesem Thema fallen SZ recht unerfreuliche Erinnerungen ein. Interessant fand ich die Begründung des Versagens der Schule: Die alte konservative Gesellschaft habe sich durch die Ansprüche und die Opposition der jungen Generation bedroht gefühlt. Deshalb waren Schule und Elternhaus von vornherein bestrebt gewesen, die geistige Selbständigkeit in den jungen Menschen zu hemmen und die natürliche Opposition der Jugend zu lähmen. Jung zu sein war in der Zeit auch ein beruflicher Nachteil! (wie sich die Welt ändert **g**)


[i]Anmerkung1:[/i] Die Novelle "Scharlach" soll das charakteristische Symptom für die ganze Generation der jungen Intellektuellen jener Vorkriegsjahre schildern.


[i]Anmerkung2:[/i] SZ hat zwar abgelehnt, die Festrede anläßlich des 50-jährigen Jubiläums seines Gymnasiums zu halten, doch hat er ein Gedicht für die Jubiläumszeitschrift geschrieben. Es heißt "Wir sagten Schule ..." (abgedruckt in Prater, Donald und Volker Michels: "SZ. Leben und Werk in Bildern"). Es spricht von Angst, Strenge, Qual, Zwang und Gefangensein, aber endet doch mit der versöhnlich gemeinten Überlegung, daß in der Welt noch strengere Gesetze herrschten als im Dasein eines Schülers.


Schmunzeln mußte ich trotzdem als ich über die Verbindung zwischen den Männern, die das "Minderwertigkeitskomplex" aufgedeckt haben und die alte österreichische Schule las**g**.


Über die Begeisterung für Kultur, die SZ und seine Kameraden als Zuflucht vor dem Kerker namens Schule gefunden haben, habe ich mit Freude und irgendwie mit Neid gelesen. Welch ein Glück, daß er nicht in einer Klasse mit Fußballfans oder Briefmarkensammler gewesen ist! **lach** Das hat mich an MRR's Autobiographie erinnert, in der man auch einen jüdischen kulturbesessenen jungen Mann trifft ... Daß sich die Jugend vor den dunklen Seiten des Lebens zu schützen weiß schildert teilweise auch Vian in seinem "Herzausreißer" **g**


Es hat mich gefreut, in diesem Kapitel auch A. Schnitzler zu treffen, in der Zeit als er noch als Arzt tätig war und der Gruppe "junge Wien" angehörte. Doch muß ich zu meiner Schande gestehen, daß ich von Rilke ein einziges Gedicht kenne ("Der Panther") und von Hugo von Hofmannsthal überhaupt nicht gelesen habe. Für Empfehlungen hierzu würde ich Euch sehr dankbar sein!!!


Durch die Schilderung der politisch-sozialen Realität, die sich außerhalb dieses Traumschlosses der Jugend abspielte habe ich auch manche Geschichtskenntnisse hinzugewonnen.


FAZIT: das Buch hat bislang für mich 3 Anziehungspunkte: soziale und politische Informationen über die Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg (und zwar nicht wie aus einem trockenen Geschichtsbuch, sondern in der wunderbaren Art, wie Zweig die Epoche wiederbeleben kann), der Mann und Schriftsteller SZ und nicht zuletzt das damalige kulturelle Leben.


PS: Ich verspreche Euch, mich nächstes Mal kürzer zu fassen. Vor lauter Begeisterung konnte ich es diesmal nicht **g** Wieviel wollen wir bis nächstes Mal lesen?


Liebe Grüße
Dana

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.-

Beitragvon Annie » 13.09.2000, 16:19


Liebe Dana,


schön, daß Du so begeistert bist. Vielleicht packt es mich ja auch noch richtig. Und: Ich bin ja froh, daß nicht nur ich nichts von v. Hofmannsthal und den anderen Dichern kenne. Der Schwerpunkt lag bei ihnen wohl wirklich bei der Dichtung?! Und wir haben doch alle ziemlich viel geschrieben *g*.


Viele Grüße


Annie

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.- Kapitel 1

Beitragvon Daniela » 13.09.2000, 23:44

Liebe Dana,
ich glaube, ich hab da wohl auch etwas überlesen...
die Versicherungen nämlich! Die waren mir gar nicht aufgefallen.
Im Übrigen finde ich es wunder, wunderbar, dass du auch noch Zitate aus anderen Büchern dazu raussuchst! Hochinteressant, in meinen Augen.
Was mich an dem Buch immer und immer wieder erstaunt ist, dass er diesen Generations"konflikt", dieses krasse vorher/nachher, das er beschreibt, auch heute irgendwie noch so aktuell ist. Dabei ist es Ewigkeiten her!
Hab gerade angefangen, ihn zur Schule gehen zu lassen....
Mehr dazu später!
liebe Grüße,
Daniela
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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.- Kapitel 2

Beitragvon Daniela » 18.09.2000, 00:20

So, mittlerweile hab ich auch "aufgeholt" und habe das Kapitel
>DIE SCHULE IM VORIGEN JAHRHUNDERT
auch gelesen.
Was mir - neben all dem, was Dana schon so wunderbar geschildert hat - vor allem immer wieder ins Auge sticht, ist die Parallele zur heutigen Zeit.
Wenn Stefan Zweig schreibt "Während heute in unserer vollkommen veränderten Zeit Vierzigjährige alles tun, um wie Dreißigjährige auszusehen und Sechzigjährige wie Vierzigjährige" dann merke ich, dass dieser Jugendkult, den ich persönlich viel später angesiedelt hätte, schon in seinen letzten Lebensjahren sehr ausgeprägt gewesen sein muss.
Die biographischen Anmerkungen und Entstehungsgeschichten seiner Erzählungen in diesem Zusammenhang zu lesen, ist wunderbar - vielen Dank, Dana!
Ich habe mal das Personenregister im Nachwort durchgesehen, und war dabei sehr überrauscht, den Namen "Carl Zuckmayr" nicht vorzufinden. Ich glaubte mich zu erinnern, dass ich in dessen Erinnerungen "Als wärs ein Stück von mir" (das ich euch in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr ans Herz legen möchte!) doch mehrmals den Namen Stefan Zweigs gefunden habe.
Was man diesen Erinnerungen meines Erachtens wunderbar anmerkt: dass Stefan Zweigs Meisterschaft vor allem dem Lebendigmachen einer vergangenen Zeit galt...
Und nun weitergelesen! Und liebe Dana, bitte nicht kürzer halten in Zukunft ;-)
Daniela
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Stefan Zweig - Welt von gestern - 3 + 4

Beitragvon Annie » 18.09.2000, 16:46


Hallo liebe Mitlesende,


bin ich die erste? Also, jetzt mag ich’s richtig. **g** Wollte noch zu meinem Gemeinsam-lesen-Gefühl etwas schreiben: Fühle mich vor dem Lesen immer ein bißchen, als wenn ich Hausaufgaben machen muß und möchte eigentlich immer gleich weiterlesen.


Jetzt zum Text: An beiden Teilen mag ich den Eindruck, den man von der Welt, in der er lebt, und seinem Leben bekommt. Alles sehr lebendig und umfangreich und informativ.


Eros Matutinus (Kann mir jemand eine gute Übersetzung geben, bitte?)


Da wir es ja zusammen lesen und ich keine Inhaltsangabe schreiben möchte, möchte ich im folgenden auf die Textstellen zurückkommen, die ich besonders mag. Im ersteren Teil ist das der Ausflug in die Bekleidungssitte. Solche Details fehlen mir sonst in biographischen Schriften. Ich habe richtig die Haarnadeln rieseln hören (kann mich erinnern, bei V. Woolf gelesen zu haben von einer Frau, der Haarnadeln klappernd in den Teller fielen, und bei D. L. Sayers von einer Frau, die eine Spur von Haarnadeln hinter sich zog) und erst die „Unaussprechlichen“ – auf die Gefahr hin, albern zu wirken, aber das mußte ich einfach erwähnen.


Universitas vitae


Sein "Studium", seine erste Veröffentlichung (wunderbar geschrieben!), sein „Studium“ in Berlin, die Leute, die er trifft (unter Anthroposophie steht in meinem Duden: die Lehre Rudolf Steiners), wieder viele unbekannte Namen (Belgien), die ich, fürchte ich, auch nie kennenlernen werde.


Und hier meine Lieblingssätze aus diesem Teil:


...denn je mehr ich einen Menschen liebe, desto mehr ehre ich seine Zeit. S. 132


... aus einem billigen Nichts eine bezaubernde Überflüssigkeit zu schaffen verstand. S. 136


... wie sehr kollektiver Enthusiasmus befruchtet. S. 141 (mußte hierbei an die Leseforen denken mit all ihren Empfehlungen und neu


Die Beschreibung von Verhaeren: hohe Stirn, schon siebenfach durchpflügt von Falten böser Jahre ... S. 140


Wieder ging das seltsame Lächeln von Augenstern zu Augenstern. S. 146



Wie macht Ihr das eigentlich? Ich lege ja Papierschnipsel in die Bücher, um die Stellen wiederzufinden, weil ich eigentlich nicht drinrumstreichen mag, aber bei diesem Buch *seufz*.


So, das von mir.


Annie

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Stefan Zweig - Welt von gestern - 3 + 4

Beitragvon Maria » 18.09.2000, 17:32


>Hallo liebe Mitlesende,
>bin ich die erste? Also, jetzt mag ich’s richtig. **g** Wollte noch zu meinem Gemeinsam-lesen-Gefühl etwas schreiben: Fühle mich vor dem Lesen immer ein bißchen, als wenn ich Hausaufgaben machen muß und möchte eigentlich immer gleich weiterlesen.
>Jetzt zum Text: An beiden Teilen mag ich den Eindruck, den man von der Welt, in der er lebt, und seinem Leben bekommt. Alles sehr lebendig und umfangreich und informativ.
>Eros Matutinus (Kann mir jemand eine gute Übersetzung geben, bitte?)
>Da wir es ja zusammen lesen und ich keine Inhaltsangabe schreiben möchte, möchte ich im folgenden auf die Textstellen zurückkommen, die ich besonders mag. Im ersteren Teil ist das der Ausflug in die Bekleidungssitte. Solche Details fehlen mir sonst in biographischen Schriften. Ich habe richtig die Haarnadeln rieseln hören (kann mich erinnern, bei V. Woolf gelesen zu haben von einer Frau, der Haarnadeln klappernd in den Teller fielen, und bei D. L. Sayers von einer Frau, die eine Spur von Haarnadeln hinter sich zog) und erst die „Unaussprechlichen“ – auf die Gefahr hin, albern zu wirken, aber das mußte ich einfach erwähnen.
>Universitas vitae
>Sein "Studium", seine erste Veröffentlichung (wunderbar geschrieben!), sein „Studium“ in Berlin, die Leute, die er trifft (unter Anthroposophie steht in meinem Duden: die Lehre Rudolf Steiners), wieder viele unbekannte Namen (Belgien), die ich, fürchte ich, auch nie kennenlernen werde.
>Und hier meine Lieblingssätze aus diesem Teil:
>...denn je mehr ich einen Menschen liebe, desto mehr ehre ich seine Zeit. S. 132
>... aus einem billigen Nichts eine bezaubernde Überflüssigkeit zu schaffen verstand. S. 136
>... wie sehr kollektiver Enthusiasmus befruchtet. S. 141 (mußte hierbei an die Leseforen denken mit all ihren Empfehlungen und neu
>Die Beschreibung von Verhaeren: hohe Stirn, schon siebenfach durchpflügt von Falten böser Jahre ... S. 140
>Wieder ging das seltsame Lächeln von Augenstern zu Augenstern. S. 146
>
>Wie macht Ihr das eigentlich? Ich lege ja Papierschnipsel in die Bücher, um die Stellen wiederzufinden, weil ich eigentlich nicht drinrumstreichen mag, aber bei diesem Buch *seufz*.
>So, das von mir.
>Annie
Liebe Annie,
nachdem die "Welt von Gestern" zu meinen Allzeit-Lieblingsbuechern gehoert, freut es mich ganz besonders, dass es noch immer Menschen gibt, die es neu entdecken und sich daran so ergoetzen koennen wie ich.
Ich "arbeite" grundsaetzlich immer mit Bleistift durch meine Buecher, da wird unterstrichen, angemerkt, notfalls mit Stick-ons gearbeitet, falls ich's das Buch nur ausgeliehen habe, damit alles "Wichtige" ins von mir spaeter erworbene eigene Exemplar "uebertragen" werden kann. Ich empfinde es als besonders Geschenk und Vermaechtnis, dass Stefan Zweig den ihm folgenden Generationen gemacht hat. Besonders traurig stimmt es mich immer, zu wissen, in welch trostlosen Umstaenden er dies noch schaffte. Weiterhin gute Lektuere, Maria
P.S. Zu meinen Lieblingspassagen gehoert diejenige ueber die "Institution Wiener Kaffeehaus", in meiner Fischer Tb Ausgabe auf Seite 40, im Kapitel "Die Schule im vorigen Jahrhundert". Jedes Mal, wenn ich in Wien in einem Kaffeehaus bei einer Schale Kaffee sitze, denke ich an seine Beschreibung. Ma
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Stefan Zweig - Welt von gestern-Kapitel 3

Beitragvon Dana » 18.09.2000, 23:29


Meine Lieben,


ich hoffe, Ihr habt Verständnis dafür, daß ich kapitelweise berichte **g**. Diesmal liegt leider der Grund darin, daß ich mit "Universitas vitae" noch nicht durch bin.


[b]Eros Matutinus[/b]


In diesem Kapitel wird die damalige bürgerlich Moral hinsichtlich des "vita sexualis" in Frage gestellt: einerseits wird die Sexualität in den jungen Menschen unterdrückt (durch Erzeihung, Mode, Literatur...) und die Erkenntnisse Freuds bespottet, andererseits wird die ganze "Armee" der Prostitution mit ihrer "Festungsartillerie", "Kavallerie oder Infanterie", "geschlossenen Häusern" und "amphibischen Wesen" und nicht zuletzt mit den damals fast unheilbaren Krankheiten geduldet und organisiert.


SZ untersucht diese Moral in all ihren Auswirkungen, erkennt Vor- und Nachteile, polemisiert, so daß ziemlich wenig Raum für Diskussion bleibt. Doch 2 Fragen sind bei mir offen geblieben:


1. Gegen Ende drückt SZ seine Freude aus, weil sich die Prostitution von selbst abgeschafft hat. Gab es denn solche Zeiten?


2. "Bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher" (wie wahr!!) - sagt Fr. Hebbel. Was fehlt uns heute?


Nach dieser Lektüre kann ich besser nachvollziehen, was Schnitzlers "Fräulein Else" durchmachen mußte, als sie, um ihren Vater zu retten, sich dem älteren Herren nackt zeigen sollte ..


Abschließend eine Kostprobe aus Zweigs frühem Werk, die zu dem Gelesenen paßt:


[i]An manchen Tagen faßt mich ein Begehren
Nach Glanz und Glück und wilder Rhythmen Glut,
Nach Purpurrosen, tief und rot wie Glut,
Und heißen Frauen, die mit liebesschweren
Sturmküssen dämmen meiner Wünsche Flut-
Doch tief in diesem grellen Lustverlangen
Zittert ein einz'ger leiser Wunsch allein
Nach einem atemstillen Glücklichsein,
Nach Frieden, den mir stille Lieder sagen
In meiner Kindheit goldnem Sonnenschein ...[/i]


(Aus dem Gedicht "Begehren" - publiziert 1903 in der Anthologie "Moderne Deutsche Lyrik", Reclam Verlag)


Bis bald
Eure Dana

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Stefan Zweig - Die Welt von gestern.- Kapitel 2

Beitragvon Dana » 18.09.2000, 23:41


Liebe Daniela,


>>[b]DIE SCHULE IM VORIGEN JAHRHUNDERT[/b]
>auch gelesen.
>Was mir - neben all dem, was Dana schon so wunderbar geschildert hat - vor allem immer wieder ins Auge sticht, ist die Parallele zur heutigen Zeit.
>Wenn Stefan Zweig schreibt "Während heute in unserer vollkommen veränderten Zeit Vierzigjährige alles tun, um wie Dreißigjährige auszusehen und Sechzigjährige wie Vierzigjährige" dann merke ich, dass dieser Jugendkult, den ich persönlich viel später angesiedelt hätte, schon in seinen letzten Lebensjahren sehr ausgeprägt gewesen sein muss.


Oh ja, so habe ich mir eigentlich auch gedacht **g**


>Die biographischen Anmerkungen und Entstehungsgeschichten seiner Erzählungen in diesem Zusammenhang zu lesen, ist wunderbar - vielen Dank, Dana!


Gern geschehen Daniela, nur müßte ich mir auch die Zeit nehmen, das alles auch tatsächlich zu lesen ..


>Ich habe mal das Personenregister im Nachwort durchgesehen, und war dabei sehr überrauscht, den Namen "Carl Zuckmayr" nicht vorzufinden. Ich glaubte mich zu erinnern, dass ich in dessen Erinnerungen "Als wärs ein Stück von mir" (das ich euch in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr ans Herz legen möchte!) doch mehrmals den Namen Stefan Zweigs gefunden habe.


Ich weiß jetzt nichts über die Beziehung Carl Zuckmayrs zu SZ, doch aus meinem "Zusatzbuch" habe ich erfahren, daß Zweig absichtlich die Leute (einschl. seiner 2 Frauen u. Freunden), die ihm nah standen nicht erwähnt, um dem Buch einen so weit wie möglich unpersönlichen Touch zu verleihen. Das soll auch der Grund sein, warum der Leser auch nicht viele Aufschlüsse über Zweigs eigenes Werk erfahren soll.


Carl Zuckmayrs Erinnerungen habe ich mir notiert. Danke **g**!



>Was man diesen Erinnerungen meines Erachtens wunderbar anmerkt: dass Stefan Zweigs Meisterschaft vor allem dem Lebendigmachen einer vergangenen Zeit galt...


Jaaaa, das macht auch für mich die Lektüre so anziehend!


>Und nun weitergelesen! - Hier hast Du schon wieder recht **g**


Liebe Grüße
Dana

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Beitragvon Dana » 19.09.2000, 17:40


>Liebe Annie,
>nachdem die "Welt von Gestern" zu meinen Allzeit-Lieblingsbuechern gehoert, freut es mich ganz besonders, dass es noch immer Menschen gibt, die es neu entdecken und sich daran so ergoetzen koennen wie ich.
>Ich "arbeite" grundsaetzlich immer mit Bleistift durch meine Buecher, da wird unterstrichen, angemerkt, notfalls mit Stick-ons gearbeitet, falls ich's das Buch nur ausgeliehen habe, damit alles "Wichtige" ins von mir spaeter erworbene eigene Exemplar "uebertragen" werden kann. Ich empfinde es als besonders Geschenk und Vermaechtnis, dass Stefan Zweig den ihm folgenden Generationen gemacht hat. Besonders traurig stimmt es mich immer, zu wissen, in welch trostlosen Umstaenden er dies noch schaffte. Weiterhin gute Lektuere, Maria
>P.S. Zu meinen Lieblingspassagen gehoert diejenige ueber die "Institution Wiener Kaffeehaus", in meiner Fischer Tb Ausgabe auf Seite 40, im Kapitel "Die Schule im vorigen Jahrhundert". Jedes Mal, wenn ich in Wien in einem Kaffeehaus bei einer Schale Kaffee sitze, denke ich an seine Beschreibung. Ma


Liebe Maria,


ich freue mich, daß Du Dich meldest. **g**. Beim Lesen dieses Buches denke ich sehr oft an Dich, denn Du hast es mir ans Herz gelegt. Vielen Dank!


Ich hoffe, Du begleitest uns auch weiter durch Zweigs Welt **g**.


Liebe Grüße
Dana

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Beitragvon Dana » 19.09.2000, 19:57


Liebe Annie,
habe ich nur den Eindruck, oder hat Dich doch ein bißchen die Begeisterung für dieses Buch gepackt? Das wäre schön **g**

>Wollte noch zu meinem Gemeinsam-lesen-Gefühl etwas schreiben: Fühle mich vor dem Lesen immer ein bißchen, als wenn ich Hausaufgaben machen muß und möchte eigentlich immer gleich weiterlesen.


**lach** Dieses Gefühl ist mir auch neu. Beim ersten Teil war ich regelrecht unter Druck, als ob ich eine wichtige Arbeit zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeben müßte. Jetzt versuche ich es lockerer. Außerdem macht es mir großen Spaß, über jedes Kapitel nachzudenken. Wenn ich es alleine gelesen hätte, wäre ich wahrscheinlich etwas oberflächlicher gewesen.


>Jetzt zum Text: An beiden Teilen mag ich den Eindruck, den man von der Welt, in der er lebt, und seinem Leben bekommt. Alles sehr lebendig und umfangreich und informativ.


Es ist für mich wie ein Geschichtsbuch in Bildern, nur statt daß ich mir selber vorstelle, wie die Leute denken und fühlen, erfahre ich es von SZ.


>Eros Matutinus (Kann mir jemand eine gute Übersetzung geben, bitte?)


- hier muß ich mir anschließen!!!


>Da wir es ja zusammen lesen und ich keine Inhaltsangabe schreiben möchte, möchte ich im folgenden auf die Textstellen zurückkommen, die ich besonders mag.


Uuups, ich mache immer eine kurze Inhaltsangabe. Ich hoffe, es ist nicht sehr schlimm ...


>Im ersteren Teil ist das der Ausflug in die Bekleidungssitte. Solche Details fehlen mir sonst in biographischen Schriften.


Es hat mich auch gefreut, daß er die Auswirkung der damaligen Moral sogar auf die Bekleidung unterstrichen hat **g**


>Ich habe richtig die Haarnadeln rieseln hören (kann mich erinnern, bei V. Woolf gelesen zu haben von einer Frau, der Haarnadeln klappernd in den Teller fielen, und bei D. L. Sayers von einer Frau, die eine Spur von Haarnadeln hinter sich zog)


Liebe Annie, Du verblüffst mich immer wieder mit Deinem Sinn für Feinheiten. Wie schööön ... Wer ist denn Sayers ??**zweifel**


>und erst die „Unaussprechlichen“ – auf die Gefahr hin, albern zu wirken, aber das mußte ich einfach erwähnen.


Genau **lach** Er liefert uns eine so unte Palette an Informationen!! Mich hat noch amüsiert, wie er die ganze "Armee der Prostitution" vor unseren Augen marschieren ließ.


>Wie macht Ihr das eigentlich? Ich lege ja Papierschnipsel in die Bücher, um die Stellen wiederzufinden, weil ich eigentlich nicht drinrumstreichen mag, aber bei diesem Buch *seufz*.


Ich arbeite normalerweise mit einem Zettel, auf den ich mir Sätze und Satzanfänge notiere. Dann schreibe ich die Stellen in ein Heft ab. Bei diesem Buch ist es mir aber unmöglich. Ich habe es bislang kaputt gemacht, mit all den Randbemerkungen und Unterstreichungen.


So, jetzt Augen zu, denn "Universitas vitae" habe ich noch nicht zu Ende gelesen **g**
Liebe Grüße und bis bald
Dana

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Beitragvon Daniela » 19.09.2000, 20:33

>>Wollte noch zu meinem Gemeinsam-lesen-Gefühl etwas schreiben: Fühle mich vor dem Lesen immer ein bißchen, als wenn ich Hausaufgaben machen muß und möchte eigentlich immer gleich weiterlesen.
>**lach** Dieses Gefühl ist mir auch neu. Beim ersten Teil war ich regelrecht unter Druck, als ob ich eine wichtige Arbeit zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeben müßte. Jetzt versuche ich es lockerer. Außerdem macht es mir großen Spaß, über jedes Kapitel nachzudenken. Wenn ich es alleine gelesen hätte, wäre ich wahrscheinlich etwas oberflächlicher gewesen.

Das ist eine Erfahrung, die ich ohnehin gemacht habe: man liest schon anders, wenn man im Hinterkopf den Gedanken hat, darüber auch etwas zu sagen. Mir geht es dann auch so, dass ich mir beim Lesen oft schon Argumente ins Buch schreibe, oder einfach Gedankensplitter, die mir so noch dazu einfallen. Häufig kann ich zwar nach langer Zeit gar nicht mehr nachvollziehen, warum ich dies oder jenes nun angestrichen habe, aber trotzdem ;-)

>>Jetzt zum Text: An beiden Teilen mag ich den Eindruck, den man von der Welt, in der er lebt, und seinem Leben bekommt. Alles sehr lebendig und umfangreich und informativ.
>Es ist für mich wie ein Geschichtsbuch in Bildern, nur statt daß ich mir selber vorstelle, wie die Leute denken und fühlen, erfahre ich es von SZ.

ich kann mich hier nur wiederholen: er schafft es für mich einfach, eine vergangene Zeit wieder auferstehen zu lassen...

>>Eros Matutinus (Kann mir jemand eine gute Übersetzung geben, bitte?)
>- hier muß ich mir anschließen!!!
>>Da wir es ja zusammen lesen und ich keine Inhaltsangabe schreiben möchte, möchte ich im folgenden auf die Textstellen zurückkommen, die ich besonders mag.
>Uuups, ich mache immer eine kurze Inhaltsangabe. Ich hoffe, es ist nicht sehr schlimm ...

Nein, ganz und gar nicht!!! Gerade wenn ich dran denke, vielleicht später mal wieder hier ein bisschen zu blättern... dann ist das eine wunderbare Gedächtnisstütze, bitte weitermachen!

>Liebe Annie, Du verblüffst mich immer wieder mit Deinem Sinn für Feinheiten. Wie schööön ... Wer ist denn Sayers ??**zweifel**

Dorothy L. Sayers ist eine Krimiautorin ;-) und ihr Lord Peter Wimsley löst auf sehr britische, elegante Weise seine Fälle...

>Genau **lach** Er liefert uns eine so unte Palette an Informationen!! Mich hat noch amüsiert, wie er die ganze "Armee der Prostitution" vor unseren Augen marschieren ließ.

Gerade mit dieser Schilderung hat er mich aber auch an andere Bücher erinnert; in der "Mutzenbacher" (das ich zwar nicht unbedingt als "Buch", aber trotzdem schon auch als in gewisser Weise repräsentativ für seine Zeit erachte) wird genau dieses Milieu auch geschildert. Zwar rosa verklärt; aber in den Details sind sie sich unglaublich ähnlich... das zu entdecken hatte mich auch verblüfft!

>>Wie macht Ihr das eigentlich? Ich lege ja Papierschnipsel in die Bücher, um die Stellen wiederzufinden, weil ich eigentlich nicht drinrumstreichen mag, aber bei diesem Buch *seufz*.
>Ich arbeite normalerweise mit einem Zettel, auf den ich mir Sätze und Satzanfänge notiere. Dann schreibe ich die Stellen in ein Heft ab. Bei diesem Buch ist es mir aber unmöglich. Ich habe es bislang kaputt gemacht, mit all den Randbemerkungen und Unterstreichungen.

Ich habs ja oben schon mal erwähnt; ich schreibe mittlerweile richtig in ein Buch rein. Gerade bei diesem hier habe ich mit Leuchtstift ganze Absätze angemarkert, die mir aufgefallen sind; leider habe ich nicht immer einen zur Hand *g*, dann muss der Kugelschreiber reichen.
Normalerweise knicke ich nur die Seite oben leicht ein, um zu wissen, dass hier ewtas ist, was ich wiederfinden möchte.
Etwas, was mir besonders wichtig zu entdecken war: der Ratschlag, der ihm gegeben wurde, doch zur Schulung des eigenen Sprachgespürs erst einen fremden Autor ins Deutsche zu übertragen. Der GEdanke, der dahinter steckt, gefällt mir ungemein; und wenn man so um sich sieht, merkt man, dass es auch viele Autoren gibt, die gleichzeitig übersetzen. Paul Auster beispielsweise hatte früher auch Gedichte ins Englische übersetzt, Sibylle Mulot übersetzt, Helga Ruebesam, auch Jose Saramago hat wenn ich mich recht erinnere übersetzt... und dies ist nur eine klitzekleine Auswahl...

So, meine Lieben, jetzt gibts für mich erstmal wieder Pause *g*...
Bis bald!
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Beitragvon Annie » 20.09.2000, 15:57


Liebe Dana, liebe Daniela,


doch es hat mich. **g** Das mit dem Nachdenken und Für-mich-Auswerten geht mir genauso und zur Inhaltsangabe: Ich hatte ja die Hoffnung, daß Du oder Bruna mir das abnimmt (fand die letzten von Euch richtig schön), weil es war für mich - besonders im 3. Teil - zuviel, um es in ein paar Sätze packen zu können, sonst hätte ich das auch gemacht. Ich bin immer für Inhaltsangaben, nur manchmal habe ich selbst beim Schreiben Schwierigkeiten damit; ich wollte mich da also nur drücken.
Ich denke, beim Lesen fallen jedem unterschiedliche Dinge auf und es bleibt auch Unterschiedliches hängen. Ich markiere mir dann oft Sätze, die ich mit anderen teilen möchte.
Was ich ganz zu erwähnen vergaß, war die Schilderung der Burschenschaften. Ich habe so den Eindruck, daß sich da bis heute nicht gar so viel geändert hat.


Danke noch für Eure Anregungen und Ergänzungen.
Und richtig Sayers schreibt ganz wunderbare Krimis. Ich glaube es ist Aufruhr in Oxford, in dem Haarnadeln rieseln.


Liebe Grüße


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Beitragvon Annie » 20.09.2000, 15:59


>Liebe Annie, liebe Maria, liebe Dana ;-)))
>ja, ohne deine wiederholten Hinweise wäre mir dieses Buch nicht so permanent präsent im Gedächtnis geblieben!
>Daniela


Liebe Maria:


Freue mich auch immer über Deine Wortmeldungen.
Und für dieses Buch werde ich jetzt wohl auch einen Bleistift nehmen, mal überlegen, welchen. **g**


Und ich muß wohl doch mal nach Wien ins Kaffeehaus und in die Bücherläden.


Liebe Grüße


Annie

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Beitragvon Bruna » 20.09.2000, 19:50


Jedes Mal, wenn ich in Wien in einem Kaffeehaus bei einer Schale Kaffee sitze, denke ich an seine Beschreibung. Ma


> Sag, sitz Du oft in Wien im Kaffeehaus? ***G*** Meine Frage ist eigentlich:
>lebst Du in Wien?


> Ichmuß mich für diese Runde ein wenig entschuldigen, aber ich bin noch nicht >mit dem 4. Kapitel durch. Mußte ;-) zwischendurch noch andere Bücher zur Hand >nehmen. Melde mich spätestens zum Wochenende.
>Gruß Bruna

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bruna

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Beitragvon Maria » 20.09.2000, 21:16


>Jedes Mal, wenn ich in Wien in einem Kaffeehaus bei einer Schale Kaffee sitze, denke ich an seine Beschreibung. Ma
>> Sag, sitz Du oft in Wien im Kaffeehaus? ***G*** Meine Frage ist eigentlich:
>>lebst Du in Wien? [b]
>> Ichmuß mich für diese Runde ein wenig entschuldigen, aber ich bin noch nicht >mit dem 4. Kapitel durch. Mußte ;-) zwischendurch noch andere Bücher zur Hand >nehmen. Melde mich spätestens zum Wochenende.
>>Gruß Bruna
Maria
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Stefan Zweig - Welt von gestern - Vorschlag zum Lesen

Beitragvon Annie » 21.09.2000, 15:46


Hallo Dana, Daniela, Bruna
und wer vielleicht noch beim Lesen einsteigen mag!


Habe mal überlegt, wie wir weiter lesen könnten. Ich denke, pro Woche immer zwei Abschnitte (ist von der Seitenzahl her auch nicht zu viel), sonst wird es zu unübersichtlich. Und wenn wir's einmal so stehen haben, steigt ja vielleicht noch jemand ein? Katya? Und falls was dazwischenkommt, können wir immer noch umplanen. Also hier der Vorschlag von mir:


bis zum 25.09.:
Paris, die Stadt der ewigen Jugend
Umwege auf dem Wege zu mir selbst 151-207


bis zum 02.10.:
Über Europa hinaus
Glanz und Schatten über Europa 208-245


bis zum 09.10.:
Die ersten Stunden des Krieges von 1914
Der Kampf um die geistige Brüderschaft 246-290


bis zum 16.10.:
Im Herzen Europas
Heimkehr nach Österreich 291-346


bis zum 23.10.:
Wieder in der Welt
Sonnenuntergang 347-405


bis zum 30.10.:
Incipit Hitler
Die Agonie des Friedens 406-494


Die Seitenzahlen beziehen sich auf mein Fischer-Tb, können also variieren. Was meint Ihr dazu?


Spätestens bis Montag beim Stefan Zweig. **g**


Viele Grüße


Annie

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Stefan Zweig - Welt von gestern - Vorschlag zum Lesen

Beitragvon Dana » 21.09.2000, 17:17


>Hallo Dana, Daniela, Bruna
>und wer vielleicht noch beim Lesen einsteigen mag!
>Habe mal überlegt, wie wir weiter lesen könnten. Ich denke, pro Woche immer zwei Abschnitte (ist von der Seitenzahl her auch nicht zu viel), sonst wird es zu unübersichtlich. Und wenn wir's einmal so stehen haben, steigt ja vielleicht noch jemand ein? Katya? Und falls was dazwischenkommt, können wir immer noch umplanen. Also hier der Vorschlag von mir:
>bis zum 25.09.:
>Paris, die Stadt der ewigen Jugend
>Umwege auf dem Wege zu mir selbst 151-207
>bis zum 02.10.:
>Über Europa hinaus
>Glanz und Schatten über Europa 208-245
>bis zum 09.10.:
>Die ersten Stunden des Krieges von 1914
>Der Kampf um die geistige Brüderschaft 246-290
>bis zum 16.10.:
>Im Herzen Europas
>Heimkehr nach Österreich 291-346
>bis zum 23.10.:
>Wieder in der Welt
>Sonnenuntergang 347-405
>bis zum 30.10.:
>Incipit Hitler
>Die Agonie des Friedens 406-494
>Die Seitenzahlen beziehen sich auf mein Fischer-Tb, können also variieren. Was meint Ihr dazu?
>Spätestens bis Montag beim Stefan Zweig. **g**
>Viele Grüße
>Annie


Wunderbar! Danke Annie! Bis dahin werde ich auch noch ein paar Zeilen zu seiner Uni-Zeit schreiben.
Liebe Grüße
Dana

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